Aufnahme: 1989

Hick-Hack um Propsteistraße

"Die Sperrung der Propsteistraße in Oberpleis bewegte auch die Gemüter bei der jüngsten Stadtratssitzung.

Das Thema stand überhaupt nicht auf der Tagesordnung. Inge Hagemann wollte aber wegen der Dringlichkeit eine Anfrage einbringen. Dies wurde genehmigt. Daraufhin beantragte die CDU wegen der Wichtigkeit die Anfrage in einen Antrag umzuwandeln. Dies wurde ebenfalls genehmigt. Mit steigender Vehemenz machte Inge Hagemann der Verwaltung den Vorwurf, die Straße zu schnell für die Öffentlichkeit gesperrt und der Kirchengemeinde nicht genügend Druck gemacht zu haben bezüglich der Sanierungsfortschritte. Alle weiteren Redner stellten die Erregung und den Unmut der Bevölkerung über die Handlungsweise der Verwaltung aber auch der Kirche heraus. Franz-Richard Vogt erklärte: ‚Jetzt ist die Kirche gefordert‘. Viele Redner, besonders die der SPD, bezweifelten überhaupt, dass die Mauer an der Propsteistraße so baufällig sei, wie es die Verantwortlichen des Denkmalschutzes hinstellen. Herbert Krämer: ‚Die Stadt ist schuld, dass die Straße total gesperrt wurde."

"Man kann doch einen Meter freimachen, damit wenigstens die Fußgänger die Straße benutzen können." Doch dies verneinte der Stadtdirektor vehement: ‚Nein, nein, die Sachverständigen bestehen auf Sperrung wegen der Einsturzgefahr und da kann ich als Verwaltung nicht dagegenhandeln.‘ Peter Räcker (CDU): ‚Denkmal- und Landschaftsschutz müssen schneller entscheiden. Eine intakte Straße kann man doch nicht so ohne weiteres sperren. Es ist ein Skandal um diese Straße, den die Oberpleiser nicht verstehen können. Im wahrsten Sinne ein, Stein im Weg'. Die Verwaltung muss energischer, schärfer, dringender und eingehender mit den verantwortlichen Behörden verhandeln. Karl-Heinz Seger: ‚Das Ganze ist unverständlich. Wir müssen die Mauer bauen, egal wer später bezahlt.‘ Im weiteren Verlauf der heftig geführten Diskussion, in der immer wieder die Kirche mehr oder weniger angegriffen wurde, wurde laut, dass sie bei der Regierung noch keinen Beihilfeantrag gestellt habe, wobei offenblieb, ob in Oberpleis oder beim Kölner Generalvikariat.

Es wurde sogar von einer Ordnungsverfügung gegen die Kirche gesprochen. Die Sanierung der Mauer kostet rund eineinhalb Millionen DM. Beschluss des Stadtrates: Am 18. April soll in einer Sondersitzung über die Sanierung der Propsteimauer verhandelt werden. Doch schon am Tage nach der spektakulären Ratssitzung wendete sich das Bild. Die Pressestelle der Stadt teilte mit: Noch vor einer Mittelbewilligung durch den Regierungspräsidenten wird die einsturzgefährdete Mauer im Bereich der Propsteistraße abgestützt. Die Abstützung soll es ermöglichen, dass die Straße zumindest fußläufig in einer Breite von 1,5 bis 2 Meter wieder freigegeben werden kann. Nach der Mittel-bewilligung wird die Mauer saniert. Die Angriffe der Kommunalvertreter auf die Kirchengemeinde Oberpleis ließ diese natürlich nicht auf sich beruhen. Die Friedhofsmauer, so die Kirche in einer Presse-Erklärung, wurde 1841 im östlichen Bereich zu zwei Drittel von der früheren Zivilgemeinde Oberpleis errichtet. Die Mauer ist dort fünf Meter hoch. Das Alter der Mauer im westlichen Bereich steht nicht fest. Sie soll vom ehemaligen Kloster gebaut worden sein.

Das äußere Erscheinungsbild der Mauer habe bisher nicht den Eindruck vermittelt, dass diese Mauer einsturz-gefährdet sei. Auf Anraten der Bauabteilung des Erzbistums in Köln hat die Kirchengemeinde die Standsicherheit der Mauer durch ein Ingenieurgutachten abklären lassen. Die Sachverständigen kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die Standsicherheit der Mauer akut gefährdet ist. Durch einen Einsturz der Mauer, so das Gutachten, könne die gesamte Straßenbreite der Propsteistraße betroffen sein. In der Erklärung heißt es weiter, die Unter-suchungsergebnisse seien der Stadt Königswinter zugeleitet und vor Ort wiederholt mit den zuständigen Behörden-vertretern erörtert worden. Die Kirchengemeinde wendet sich gegen den Vorwurf, nichts getan zu haben: "Wir haben ein Sanierungskonzept über ein Architekturbüro technisch und rechnerisch erstellen lassen".

Dieses Konzept ist der Bauabteilung der Stadt Königswinter vor drei Wochen vorgelegt worden mit dem Antrag, die erforderliche Baugenehmigung zu erteilen. Das Konzept liegt auch seit einigen Wochen der Denkmalbehörde in Köln vor, ohne deren Zustimmung aber nicht restauriert werden darf. Obwohl der Verwaltung der Stadt Königswinter bekannt war, dass ein Baugesuch vorliegt, hat sie dieses wesentliche Faktum in der letzten Stadtratssitzung verschwiegen und es zugelassen, dass die Mitglieder des Rates der Kirche in Oberpleis Untätigkeit und Unfähigkeit vorgeworfen haben. Fazit: Die Kirche in Oberpleis beabsichtigt, als Vorwegmaßnahme eine Abstützung der Mauer vorzunehmen, um wenigstens zunächst eine Begehbarkeit der Straße zu erreichen.“

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 11 vom 16.03.1989
Zur Verfügung gestellt von
Friedrich Müller
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