Aufnahme: 1988
Wenn Messdiener reisen
Samstag, der 17.9.1988:
Obskure Gestalten, 36 an der Zahl, bewegen sich durch das frühmorgendliche, von Nebelschwaden durchzogene Oberpleis und nähern sich langsam, aber sicher einem nur schemenhaft zu erkennenden Ungetüm, berühren es mutiger werdend und nehmen es schließlich mit der ihnen eigenen Dreistigkeit ein. Auf ein Zeichen des dunkel bekleideten Anführers hin setzte sich das Monstrum der Firma Kittlaus um 7.30 Uhr in Bewegung nahm Kurs auf die größte Garnisonstadt Deutschlands, die fälschlicherweise oft Koblenz genannt wird.
Dort angekommen wurden wir der Busfahrt überdrüssig und daher auf ein schwimmendes Etwas der Köln-Düsseldorfer Schifffahrtsgesellschaft umgefrachtet. Rheinaufwärts verbrachten 2 1/2 Stunden mit dem Füttern von Möwen, Ärgern das Schiffpersonal, Skatspielen und dem Leerkaufen der Schiffssouvenirläden. Letztendlich wurden wir in Bad Salzig vom Schiff geworfen und mit der vollen Pracht dieses Städtchens konfrontiert, indem wir von einem spärlich bekleideten Mann aufs freundlichste begrüßt wurden.
Nach dieser prekären Situation fuhren auf kleiner Umwegen (über (Koblenz) an das liebliche Mosel Städtchen Brodenbach, das sich besonders durch die Größe der dort servierten Schnitzel, die mit Pommes Frittes und Salat gereicht wurden, und so manchem kleinen Meßdiener Schwierigkeiten bereiteten, hervortat. Von dort aus führen wir mit unserem Gefährt, das übrigens ein renovierter Linienbus war , zu einem Parkplatz, der, wie sich später herausstellte, zur Burg Eltz, Deutschlands besterhaltener Burg und Motiv des uns allen bekannten 500-DM-Scheins gehörte. Durch diese Burg geleitete uns eine ebenso schlagfertige wie kleine Führerin, die es verstand, uns die Schönheiten der Burg, unterbrochen von informativen Wortklängen und strengen Zurechtweisungen ("Gehst du wohl aus der Rüstung raus"), näherbrachte.
Nach diesem kulturellen Abstecher wurden wir zu einer sportlichen Betätigung zum Laacher See chauffiert, wo wir unter dem Vorwand einer friedlichen Bootsfahrt Tret- und Ruderboote mieteten, um damit Rennen und Seeschlachten auszutragen, was uns der Eigentümer übelnahm. Wir rächten uns wiederum, indem wir dem erwähnten Eigentümer die uns auferlegten Geldstrafen von unglaublichen 1 DM pro Boot ebenfalls übelnahmen. Insofern auf das kommende Ereignis eingestimmt, beendeten wir den Tag mit einer Vorabendmesse in der Klosterkirche Maria-Laach, die sich durch eine stark gekürzte Liturgie und eine dieses Manko kompensierende Predigt hervortat.
Müde und erschöpft kamen wir nach einer 90minütigen Busfahrt in Oberpleis an, schlichen vorsichtig aus dem uns immer unheimlicher werdenden Ungetüm, um schließlich mit der abendlichen Dunkelheit von Oberpleis zu verschmelzen. 20.00 Uhr: Der Wind fegt durch menschenleere Straßen und verweht die letzten Spuren einer gut organisierten Meßdienerfahrt, die ihresgleichen sucht.
Burg Eltz, Deutschlands besterhaltene Burg.
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