Das älteste Denkmal unserer Heimat

Aufnahme: 1988

Das älteste Denkmal unserer Heimat

Manche behaupten, sie stamme schon aus vorgeschichtlicher Zeit, zumindest aber dürfte sie die älteste Straße unserer Heimat sein: die Straße Geistingen - Söven - Westerhausen - Sand - Eudenbach. Es leuchtet ein, daß eine alte Straße sich auf einem Höhenrücken bildete, denn die Bachtäler - in unserem Falle Pleis- und Hanfbach - waren durch Sümpfe schwer passierbar. Der Ortsname Dambroich läßt so etwas noch erahnen (Broich, althochdeutsch bnuch = Sumpf). Der älteste und bekannte Siedlungsplatz unserer Gemeinde, Rübhausen, liegt in der Nähe der Straße. Und als in fränkischer Zeit unsere Heimat neu besiedelt wurde, da kamen diese Siedler vermutlich von Geistingen her - auf dieser Straße. Höchstwahrscheinlich war Geistingen die Mutterpfarre von Oberpleis: Eine Zeitlang sind die ersten Oberpleiser an hohen Festen zu Kindtaufen und Beerdigungen auf dieser Straße zur Kirche gewandert. Es hat sicher einige Jahrzehnte gedauert, bis die erste Kirche beim Oberpleiser Fronhof Pfarr-Rechte erhielt. 

Folgen wir also einmal der alten Straße: Der Anstieg von Geistingen war wohl etwas anders als heute: Die Straße durch das Dürresbachtal ist neueren Ursprungs, aber im Wald ist noch der alte Hohlweg zu erkennen. Auf der Höhe zwischen Söven und Sand hat sich die Straßenführung in Jahrtausenden kaum verändert. In Westerhausen zweigte der Weg nach Oberpleis ab, die heutige Landstraße durch Pleiserhohn. Wenn die Deutung Hohn = Hagen = umfriedeter Obstgarten richtig ist, dann hätte dieser Garten also am Hauptzugangsweg nach Oberpleis gelegen.

Bei Sand ging die Straße ein kurzes Stück durch unser Gemeindegebiet, etwa im Verlauf der Bennerscheider Straße, des Kupferweges und des diesen fortsetzenden Forstweges. Durch den Bau der Landstraße Niederdollendorf - Kircheip in den Jahren 1853-56, der heutigen L 268 und L 330, hat die alte Straße hier ihre Bedeutung ganz verloren.

Auf einer preußischen Landkarte aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist sie noch zu sehen. Sie führte dann etwa 400 Meter östlich an Willmeroth vorbei nach Eudenbach. Etwa 2 km weiter zweigte ein Weg nach Asbach ab (über die Mußer Heide, den heutigen Flugplatz). Der Hauptast führte nach Buchholz.

Mündlich wurde mir berichtet; daß der o.g. Forstweg früher "alte Frankfurter Straße" genannt worden sei. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, daß unsere Straße nicht nur regionale Bedeutung hatte, sondern in früheren Zeiten auch Teil einer großen Fernverbindung war. Man könnte sie dann sogar in Verbindung bringen mit dem "Mauspfad", einer sicher mehr als 2000 Jahre alten Straße im Osten von Köln auf der Höhenterrasse des Rheins.

Was mag diese Straße im Laufe ihrer langen Geschichte nicht schon alles gesehen haben? Jägergruppen, die in den ausgedehnten Wäldern des Pleiser Hügellandes ihre Beute suchten. Kriegerische Horden, denen es um Beute ganz anderer Art ging. Und immer wieder Händler, die ja in alter Zeit ganz erstaunliche Wege zurückzulegen wußten. Menschen auf der Suche nach neuen Lebensmöglichkeiten, Kelten, Germanen ..... 

So machten sich im 6. oder 7. Jahrhundert dann wohl auch Dienstleute der fränkischen Grafen des  Auelgaues auf, das Land neu zu erkunden, und bald folgten ihnen die schweren Ochsengespanne der Siedler, die unten am Pleisbach einen neuen Fronhof gründeten. In den folgenden Jahrhunderten dürfte unsere Straße dann die Hauptverbindung zwischen Oberpleis und der großen, weiten Welt gewesen sein.

Wenn man sich einmal entschieden hat, diese Straße als Hauptstraße unseres Gebietes anzusehen, läßt die Landkarte übrigens noch weitere interessante Erkenntnisse zu: beispielsweise einen Weg von Kurscheid nach Rübhausen (heute nur noch ein verwachsener Feldweg) und weiter über Pützstück, Sandscheid nach Berghausen. (Berghausen war eben schon immer etwas Besonderes!) Wie es scheint, hat die alte Straße noch manches zu erzählen; sie hat es nicht verdient, ganz in Vergessenheit zu geraten!

Pastor Willi Müller

Quelle
Pfarrfamilie St. Pankratius Oberpleis Nr. 2 April, Mai 1988
Zur Verfügung gestellt von
Pfarrer Willi Müller: Bericht; Edith Jarzombek / Pfarrarchiv St. Pankratius Oberpleis
Räume & Galerien
Katholische Kirche Oberpleis
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