Aufnahme: 1983
Solothurner Singknaben begeisterten in Oberpleis
Das Chorkonzert gestaltet sich in drei Blöcken: einem Strauss Motetten von der Renaissance bis ins zwanzigste Jahrhundert, dem Kleinen Psalter von Willy Burkard und Schweizer Volksliedern in den vier Landessprachen. Diese Blöcke vokaler Chormusik werden durch zwei Einlagen für Flöte solo verbunden. Zur Eröffnung, gleich als Leitmotiv, erklingt die strahlende Motette EXULTATE JUSTI IN DOMINO von T. Ludovico Viadana (1564-1627) . Viadanas musikgeschichtlicher Rang beruht in erster Linie auf seinen Cento concerti, von denen die Entwicklung der Motette und des Cocerto im 17. Jh. massgeblich bestimmt ist. KOMMT HER ZU MIR ALLE, DIE IHR MUEHSELIG UND BELADEN SEID von Melchior Frank (um 1580-1639) eines deutschen Komponisten am Hofe in Coburg, bewegt sich in der musikalischen Gestaltung zwischen den Polen einer liedhaften-akkordischen und einer kunstvoll imitatorischen Satzweise.
Vom Hauptmeister der Neapolitanischen Oper, Alessandro Scarlatti (1660-1725) stammt die virtuos-heitere Motette EXULTATE DEO. Von Johann Michael Bach (1648-1694), dem Schwiegervater Johann Sebastian Bachs, stammt die ausdrucksstarke Motetlte ICH WEISS, DASS MEIN ER LOESER LEBT. Mit der Psalmmotette RICHTE MICH GOTT von Felix Mendelssohn (1809-1847) machen wir einen grossen zeitlichen Sprung ins 19. Jh. Dennoch sind Parallelen zur Musik von Heinrich Schütz oder auch Michael Bach unüberhörbar. Die acht stimmigen Klangblöcke werden immer wieder vom einstimmigen Männerchor aufgelockert. Zum Schluss des ersten Blockes erklingt die von mystischer Empfindung geprägte, dreiteilige Motette DER 130. PSALM von Heinrich Kaminski (1886-1947). Kaminski versucht, die alte niederländische Polyphonie mit rhythmisch-klanglichen Ausdruoksritteln der Moderne zu verbinden.
Als erste instrumentale Einlage erklingt von Johann Sebastian Bach die Partita in a-rnoll. DER KLEINE PSALTER op. 82 von Willy Burkhard (1900-1955) bildet den zweiten Block.
Die Musik des Schweizer Komponisten Burkhard hat in diesem Jahrzehnt an Ausstrahlungskraft und an geistigem Gewicht in der Gesamtheit des neueren Musikschaffens gewonnen. Die harte Schale ist zwar nicht abgefallen, aber sie hat sich für viele geöffnet. Diese Schale ist ein Schutz vor rascher Abnützung und Aushöhlung. Natürlich liegt die eigentliche Bedeutung im Kern, der nun immer deutlicher sichtbar wird.
Burkhards Musik ist kein ästhetisches Spiel mit tönendem Material, auch nicht Ausdruck persönlicher Schmerzen, sondern Spiegelung der Einheit. Seine Musik gründet in einer tiefen Religiosität und in der Bindung an Bibelwort und Liturgie. Burkhards musikalische Sprache zeigt im Kleinen Psalter eine Vorliebe für kontrapunktische Arbeit. Seine Harmonie verlässt bei aller Freiheit nicht den Rahme der Tonalität. Willy Burkhard ist einer der wichtigsten Erneuerer der Kirchenmusik im 20. Jahrhundert. Vom Schweizer Arthur Honegger folgt das kleine Flötenstück: Danse de la chèvre. Zum Abschluss wird von den Solothurner Singknaben die Vielfalt des Schweizer Volksliedes in einer Reihe zum Teil unbekannter Perlen aufgezeigt.
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PETER SCHERER, seit 1971 Leiter der Singknaben an der St. Ursenkathedrale Solothurn/Schweiz, wurde 1947 in Zürich geboren. Nach einer abgeschlossenen Berufslehre trat er ins Lehrerseminar an der Kantonsschule Solothurn ein und erwarb sich 1971 das Lehrerpatent. 1971 bis 1977 Musikstudium an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik Luzern. Er Erwarb dabei das Diplom als Chorleiter und Organist. Weiterbildungskurse bei Wilhelm Ehmann Herford und bei Helmuth Rilling an der Bach-Akademie Stuttgart.
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TURO GROLIMUND, geboren 1960 in Solothurn, wo er auch die Schulen besuchte und einige Jahre Singknabe war. Musikstudium in Winterthur (H. Keller) mit Lehrdiplomabschluss. Interpretationskurse bei P.L. Graf und James Galway. Z.z. Fortsetzung der Studien in der Klasse Gertrude und Karl-Heinz Zöller in Hamburg.
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