Aufnahme: 1981
Kantor Adolf Fichter spielt das erste Konzert auf der neuen Klais-Orgel
Am Sonntag, dem 25. Nov. 1981 konnten Freunde der Orgelmusik zum ersten Male nach der Orgeleinweihung am 8. Nov. 1980 - also nach fast einem Jahr - unsere ausgezeichnete Klaisorgel, von der Adolf Fichter sagt, daß jedes Register für sich ein Gedicht sei, einmal außerhalb eines Gottesdienstes, also in einer akustisch optimalen Situation, genußvoll erleben.
In diesem Zusammenhang sei dem Kirchenvorstand Anerkennung und Dank gezollt, daß er vor drei Jahren den Mut hatte und dem Vorschlag, der von Prof. Zimmermann konzipierten Disposition noch zwei Zungen-Register hinzuzufügen, entsprach. Nun haben wir das schöne Werk, und Adolf Fichter weiß es zu "traktieren"! Das bewies er nun bei seinem ersten Konzert, bei dem er einerseits die ganze Klangpracht der Klaisorgel zur Entfaltung brachte, andererseits aber auch, unterstützt durch die ausgezeichnete Akustik der Propsteikirche, die differenzierten Klänge der einzelnen Register darzustellen verstand.
Eingeleitet wurde das Konzert mit "Präludium und Fuge in g-Moll" von Dietrich Buxtehude. Auch in diesem Werk des Orgel- und Kantatenmeisters klingt eine gewisse Herbheit des späten Mittelalters an, die sich mit der Tonfülle des Barock zu vermischen beginnt. Ein Zeitgenosse Buxtehudes, Gottfried Walther, schrieb die "Partita" über "Meinen Jesum laß ich nicht", die tiefe Frömmigkeit ausstrahlt. Fichter erwies sich hier als einfühlsamer Interpret. Mit "Präludium und Fuge Nr. 1 a-Moll" von Joh. Sebastian Bach war ein Höhepunkt vorprogrammiert: Bedeutet für viele doch Bachsche Kunst der Inbegriff der Orgelmusik! Für manche Zuhörer stelIte Felix Mendelssohn-Bartholdys "Sonate Nr. 2 c-Mol 1" die Krönung des Konzerts dar. Die vier Sätze gaben Adolf Fichter Gelegenheit, seine Interpretationskunst unter Beweis zu stellen. Die Beherrschung der Improvistatioskunst ist der Traum eines jeden Organisten, an der er auch gemessen wird. Bei Adolf Fichter ging dieser Traum schon heute in Erfüllung.
Nicht nur in den Gottesdiensten stellt er das an den Sonn- und Feiertagen unter Beweis, sondern in besonderem Maße auch bei diesem Konzert. In der Partita über das Lied "Sagt an, wer ist doch diese“ zeigte Fichter seine hohe Musikalität, sein technisches Können - besonders seine hervorragende individuelle Pedaltechnik und seine Fähigkeit, mit den wenigen Registern (19) der Klaisorgel immer wieder neue KIangfarben hervorzuzaubern.
Ein seit vielen Jahren sich musikalisch orientierendes Publikum zollte herzlichen Beifall, worauf Fichter eine Zugabe bot mit einer Komposition des Orgelmeisters Johann Pachelbel. Wir alle dürfen uns auf sein nächstes Konzert für Oboe und Orgel im Dezember freuen! Seine Mitarbeit in der Städtischen Konzertreihe (ehemals "Rathauskonzerte") hat Fichter bereits zugesagt, wodurch diese Konzerte eine weitere Dimension erfahren.
K.B.W.
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