Aufnahme: 1980
Die Fahrt der Frauengemeinschaft Oberpleis ins Allgäu
In der letzten Augustwoche machte die Frauengemeinschaft eine Fahrt nach Bühl am großen Alpsee. Pünktlich um 7.00 Uhr fuhr der Bus über die Autobahn Frankfurt, Stuttgart, Ulm, um von hier aus nach Süden in das Land der grünen Weiden, der roten Dächer und schwarzen Waldstücke zu gelangen, das liebliche Allgäu. Würziger Heuduft und weidendes Grauvieh in Blumenwiesen begleitete uns bis Bühl und die ersten Berge der nahe gelegenen Alpen grüßten uns bereits.
Wir nahmen Ouartier auf der Bühler Höhe und fühlten uns bald recht wohl, denn hier war auch das Essen uns eine besondere Freude. Die Sonne strahlte gleich am ersten Morgen in ihrem tiefsten Blau auf See und Land. Was nun, das war ja heute nicht im Plan: "Auf , du junger Wandersmann". Bald erklang im Bus das Lied: "Wem Gott will rechte Gunst er weisen", den schickt er in die weite Welt". Wir erlebten das kleine Walsertal in seiner Schönheit, seiner Geschäftigkeit und seiner bezaubernden Bergwelt. Zur Rast in Mittelberg lauschten wir versonnen den Klängen des Trompeters am hochgelegenen Dorfkirchlein, während unsere Blicke die Wanderer zum Gipfel begleiteten.
In der Traube in Oberstorf erholten wir uns, begrüßten den Chefkoch aus Uthweiler und setzten bald unsere Gipfelsehnsucht in die Tat um. Mit der größten deutschen Kabinenbahn fuhren wir hinauf zum Fellhorn, und die Mutigsten stiegen ein paar Meter weiter hinauf zum Gipfelkreuz, 2056 stolze Meter über dem Meeresspiegel waren erreicht. Ein großartiges Gipfelgefühl! Im strahlenden Sonnenschein lagen Zug um Zug, in endlosen Reihen, die zerklüfteten, steinernen Riesen der Alpen, bald glänzendes Grau, bald weißer Schnee in Fugen und Kuppen, vor uns. Wir genossen dieses Bild, ein unersättlicher Anblick.
Der nächste Sonnentag führte in die andere Richtung, Bregenzer Wald - Bodensee. Nach hübschen Bergwiesen und Tälern überraschte hier die Fülle von Obst- und Gemüsebau und die vielen Weinberge. An Deck der großen Fähre gings von Meersburg zur Insel Mainau. Schwäne und Möven begleiteten unsere kurze Seefahrt. Durch ein Blumenparadies in sub- 1 tropischer Fülle, eine Anlage gepflegt wie die andere, wanderten wir hinauf bis zum Schloß, vergaßen alle Mühen an den großen Bananenstauden und den exotischen Baumriesen und erholten uns beim Mittagstisch in der Sonne mit Hunderten von Besuchern, um dann die Rosenschau und die vielen Anlagen weiter zu durchwandern.
Ein Fährschiff nach dem anderen holte die Besucher zurück ans Land und heimwärts zum großen Alpsee ging die Busfahrt. Der Spaziergang zum See und am See entlang zum nahen Immenstadt war inzwischen beliebt und erholsam. So drängte die Kauflust uns am Vormittag, während wir am Nachmittag der Kultur frönten. Es war dieses Mal Ottobeuern, die große Benediktinerabtei, mit ihrer mächtigen Wallfahrtskirche, die wir besuchten, ein Barockbau aus dem 18. Jahrhundert.
Mit der ganzen Fülle des Rokoko, prunkvollen Altären und Deckengemälden, ist diese prachtvolle Kirche ausgestattet. Einmalig ist in dieser basilikaartigen Kirche das mächtige Querschiff mit seinen halbrunden Abschlüssen, das in Höhe und Breite dem Längsraum gleich kommt und eine einmalige Zentralisierung um den Mittelraum gibt. Ein Gang durch das Klostermuseum zeigte den ehemaligen Glanz dieser Benediktiner Abtei. Zur Sennerei in Diepholz führte der Weg über noch kargere Weiden und gelegentliche Hochmoore. Wir sahen zu, wie aus der Milch, der Lab zugesetzt worden war, durch Erhitzen auf 50°, Rühren, Abschrecken und Seihen und Pressen große Käselaiber entstanden, die nach dem Salzwasserbad in die Regale wanderten und bei 16° Celsius zu 12° reiften, wöchentlich mehrmals mit Salz abgerieben und gewaschen wurden, wegen des Schimmelpilzes.
Das große frische Stück war ein willkommenes Mitbringsel und schmeckte zu Hause vorzüglich. Den letzten Tag beendeten wir mit einer Dankandacht in der kleinen Dorfkapelle. Am Freitagmorgen gings mit neuen Kräften heimwärts. Wir genossen den Blick durch das liebliche Allgäu und erfreuten uns an den vielen schönen gemeinsamen Erlebnissen. Pünktlich erreichten wir Oberpleis, wo wir erwartet wurden und begrüßten es mit dem Lied "Kein schöner Land in dieser Zeit". Herrn Rötzel, der uns so großartig gefahren hat, für all sein Bemühen unseren herzlichsten Dank.
Mathilde Grieger
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