Prinz Karneval und die Alten

Aufnahme: 1979

Prinz Karneval und die Alten

Zwei Nachmittage der „Offenen Tür" fielen in die fröhliche Zeit, und Ehepaar Wald ließ es sich nicht nehmen, an diesen beiden Tagen dem Prinzen Karneval besondere Reverenz zu erweisen, um die Alten zu erfreuen. Daran konnte auch das Altenfest der Bürgervereine nichts ändern, das mit einem anspruchsvollen Programm die über 75-jährigen Bürger erfreute. Hierüber wurde ja an anderer Stelle berichtet, nur dies nicht, daß die „Offene Tür" Herrn Wald leihweise zur Verfügung stellte.

Ehepaar Wald hatte, aber auch lauter freundliche Mitarbeiter, allen, voran die beiden unermüdlichen Musikanten Adolf Decker und Edgar Zens, die je einen vollen Nachmittag alle Darbietungen untermalten und zu fröhlichem Tanz, Reigen und Polonaise aufspielten. Dank auch gleich am Anfang meines Berichts den immer bereiten, freundlichen Helferinnen des Kontaktkreises, die mit jugendlichem und jung gebliebenem Charme das Fest vor- (Tischordnung, Blumenschmuck, Gedecke) und nachbereiteten (Abwasch, Transport von Gestühl usw.) und um das Wohlergehen der Gäste in Frohsinn und Geschäftigkeit bemüht waren. Eine der ihren, Maria Klein aus Boseroth, zeichnete als „Herold" für den Ablauf der Darbietungen besonders verantwortlich.

Lassen Sie mich über beide Nachmittage zusammenfassend berichten, ohne zu trennen oder gar einer Reihenfolge nachzugehen. Beherrschend waren die Besuche des Oberpleiser Prinzenpaares und der Kinderprinzenpaare aus Uthweiler und Eudenbach, die mit großem Gefolge erschienen. Da gab es z. B. die Vorstellung der Prinzengarde des Eudenbacher Karnevalsvereins mit dem Tanzmariechen Heidi und ihrem schmucken Tanzoffizier, die Darbietung der zehn rot-weißen Funken aus Uthweiler, den Tanz der Funkenfrauen aus Oberpleis und den Sketch der sechs Frauen des Turnvereins  Oberpleis, die das kesse Regenlied in Schutzkleidung mit Regenschirm und -kappe tänzerisch gestalteten.

Natürlich gabs Ordensverleihungen am laufenden Band. Die Trägerin des originellsten Kostüms unter den Gästen, Frau Dihse, wurde dem Prinzenpaar vorgestellt. Dem Kapitän des letzten Jahres war unterdes ein schmucker Backenbart gewachsen, was zur Admiralsbeförderung wesentlich beitrug.

Nun, dies und das mag bei Berichten über andere karnevalistischne Veranstaltungen bereits genügsam hervorgehoben worden sein, fest steht aber, daß es Darbietungen gab, die eigens für diese Nachmittage der Alten erfunden wurden. Ich glaube kaum, daß Herr Wald als Khomeini in Persertracht, mit dem Koran in der Hand auch, anderswo die Frauen mores lehrte. In diesem Zusammenhang nenne ich auch die Damen des Kindergartens, die das Lied vom klitzekleinen Sterz in Kostüm und Tanz zur Augenweide für alle gestalteten, und später im Schrubberballett (diesmal durch Regina Klein ergänzt) so fröhlich agierten, daß kaum ein Auge trocken blieb.

Jungkarnevalisten versuchen ja schon immer ihr Glück bei uns Alten. Diesmal kamen Peter Eifeler als Schuljunge, Thomas Gießen und Norbert Gierlach in einem spritzigen Dialog voller Pointen, Marita Friederichs aus Dollendorf als Jungfrau vom Lande und Werner Pannenbecker aus Nonnenberg recht gut an, wenn auch bei mancher Dialektdarbietung ein erheblicher Teil zwar mitlachte, aber halt wenig verstand. Gabi Westhoven in der Posenrolle eines müden Zechers überbrückte dies geschickt in einem "geläuterten" Dialekt. Sie fragte zwar immer: Nee, nee, ob das alles so richtig ist? Getrost, junges Fräulein, es war schon richtig. Brigitte NeuenfeIs bewies dann aber auch, daß man auch in gepflegtem hochdeutsch treffsichere Pointen landen kann, und sie erntete dafür besonderen Applaus.

Trotzdem muß sich aber Ludwig Gast als dem letzten Büttenredner in seinem Sketch als "glücklicher Vater" bescheinigen, daß er sich trotz seiner vollendeten Dialektdarbietung ganz geschickt durch gewisse Passagen verständlich zu machen weiß. Dafür aber ist er ja auch schon längst kein Jungkarnevalist mehr, obwohl sehr jung in seiner besonderen Art.

0 nein, Frau Clermont, Sie werden nicht vergessen, Sie sollen uns - auch als besondere Freundin der "Offenen Tür" - mit Ihren reizenden Darbietungen mit Kleinkindern noch einmal am Schluß dieses  Berichts erfreuen, mit dem Zwergentanz, der wiederholt werden mußte, und mit dem Biedermeierreigen der vier köstlichen Paare, die wohl lange in der Erinnerung nachwirken werden.

Ein Dankeschön allen, die uns besuchten und erfreuten. Erich Renke

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 9 vom 02.03.1979; Bericht: Erich Renker
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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