Aufnahme: 1978
Kolpingsfamilie Oberpleis reiste 1978 nach Kopenhagen und 1979 nach Rom
Studienfahrt der Kolpingsfamilie Oberpleis nach Kopenhagen und Göteborg
Nach der vorangegangenen Besprechung war es am 9.9.1978 endlich soweit, 50 Teilnehmer , d. h. 42 aus Oberpleis, Bonn und Umgebung und 8 Teilnehmer aus Solingen-Wald waren bereit zur Abfahrt. Pünktlich um 6.00 Uhr setzte sich der Bus der Firma Krautscheid in Bewegung. Die Vorbesprechung 14 Tage vorher mit Lichtbildmaterial ließ bereits ahnen, daß es eine schöne und lehrreiche Fahrt werden würde. Die Reise ging vorläufig bis Solingen, wo die restlichen Teilnehmer unter großem Hallo in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Sie waren teilweise schon mehrere Fahrten mit der Kolpingsfamilie Oberpleis mitgefahren. Weiter ging die Fahrt über die Autobahn "Hansalinie" nach Bremen,- Hamburg und Lübeck. Zur Mittagszeit war man kurz hinter Bremen, wo die erste Rast zur Mittagspause eingelegt wurde. Am frühen Nachmittag erreichte man den ersten Zielort Lübeck. Im renommierten Hotel Jensen, gegenüber dem Holstentor, bezog die Gruppe für die Nacht Quartier. Viele Teilnehm er erkundeten in der verbleibenden Freizeit bis zum Abendessen Lübeck.
Zeitig am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Dänemark. Trotz Regen war die Stimmung hervorragend. Über die Vogelfluglinie erreichte man schon früh den
Fährhafen Puttgarden. Von hier aus setzte man über den Fehmarnsund nach R0dbyhavn in Dänemark über. Weiter ging die Fahrt über die Inseln Lolland (dem Zuckerrübengebiet Dänemarks), Falster, Masnedü zur Insel Seeland, auf der die Hauptstadt Kopenhagen liegt. Gegen Mittag wurde Kopenhagen (1, 5 Mill. Einwohner) am schmalen Sund zwischen Seeland und der Insel Amanger, auf der auch der Flughafen von Kopenhagen ist, erreicht. Das Quartier für die nächsten Tage bezog die Gruppe im Hotel Triton, im Zentrum der Stadt. Als der eigentliche Gründer von Kopenhagen dürfte wohl der Bischof Absalon von Roskilde genannt werden, der 1167 den damaligen Ort Hafnia erstmals befestigte. Andere Schriftstücke weisen diesen Platz bereits ca. 200 Jahre früher als Urkern Kopenhagens aus. Bereits am ersten Abend zog urs Kopenhagen in seinen Bann. Naturgemäß galt der erste Besuch dem weltbekannten "Tivoli " mit seinen herrlichen Parkanlagen, 20 Restaurants und 18 Orchestern und Vergnügungsbetrieben. Gegründet wurde das Tivoli 1843 von G. Carstensen. Und wir machten uns den Satz zu eigen: "Wer das Tivoli nicht gesehen hat, war nicht in Kopenhagen".
Der nächste Tag sah man die Reisegruppe früh in Richtung Nordseeland aufbrechen. Die Fahrt führte zu den Schlössern in Nordseeland. Unter der sachkundigen Führung der örtlichen Fremdenführerin kamen wir nach Frederiksborg, Fredensborg und Kronenborg mit der Stadt Helsingür. Schloß Frederiksborg in einem kleinen See gelegen, brannte 1850 vollkommen aus und wurde wieder völlig renoviert. Dies geschah mit Hilfe der Carlsberg-Stiftung seit 1877. Das Schloß wurde als Nationalhistorisches Museum eingerichtet. Die Carlsberg-Stiftung ist eine Einrichtung der Carlsberg-Brauerei, der größten Brauerei in Europa. Sie verfügt jährlich über 30 Mill. DM. In diesem Zusammenhang sei auch die Glyptothek in Kopenhagen genannt, die ebenfalls durch diese Stiftung getragen wird. Es ist Nordeuropas größte Sammlung alter Kunst mit ägyptischen, etruskischen, griechischen und anderen Skulpturen, sowie einer Ausstellung dänischer und französischer Gemälde des 19. und 20. Jahrhunderts.
Fredensborg ein Schloß aus dem 180 Jahrhundert dient der königlichen Familie im Frühjahr und Herbst als Aufenthalt. Während unseres Besuches hier weilte die Königinmutter gerade im Schloß. Zurück ging es über die Küstenstraße von Helsingür nach Kopenhagen. Der folgende Tag brachte uns die zugunsten der Nordseelandfahrt verschobene Stadtrundfahrt. Es wurden die schon erwähnte Glyptothek, Schloß Christiansborg die Grundvigtskirche und die kleine Meerjungfrau besichtigt. Schloß Christiansborg dient heute dem Folketing (Parlament ), mehreren Ministerien und dem Staat als Repräsentationsgebäude. Hier finden die Empfänge durch die Königsfamilie satt. Wohnzwecken dient es heute nicht mehr.
Zur Mittagszeit erlebten wir die Wachablösung der königlichen Wache. Der stille Beetrachter mag wohl bei der großen Zahl der Schaulustigen denken, wieviele Bilder
und Meter FiIm hier bei jeder Wachablösung verbraucht werden. Frau Lund, unsere Führerin, lockerte immer wieder durch Anekdoten aus der Geschichte und dem täglichen Leben die Führungen auf. Spielerisch vermittelte sie uns die geschichtlichen Daten und Persönlichkeiten. Die Freizeit im Anschluß an diese Stadtrundfahrt wurde zu vielerlei Interessen genutzt . Die einen machten eine Hafenrundfahrt, die anderen gingen auf eigene Faust den kunsthistorischen Gebäuden und Denkmälern zu Leibe. Mancher brave Mann wurde in die Geschäftsstraßen, den Strüget, verschleppt, um die notwendigen Mitbringsel von der Reise mit gezückter Brieftasche zu bezahlen. War das ein Aufatmen, als die Geschäfte schlossen. Abends fand man immer zur gemütlichen Runde zusammen, in der gelacht, aber auch ernsthaft diskutiert wurde. Dank der tatkräftigen Unterstützung durch den Bierverlag Pütz in Oberpleis, war es uns vergönnt, die Carlsberg- Brauerei, zu der heute auch die Tuborg- Brauerei gehört, mit ihren 7000 Beschäftigen zu besichtigen. Nach der Führung wurde die Gruppe durch Herrn Direktor Christiansen empfangen und begrüßt. Er lud alle zu einem fröhlichen Umtrunk ein, der reichlich lange dauerte. Rede und Antwort mußte hier gestanden werden, über das Werk Adolf Kolpings in der Vergangenheit und der Gegenwart. Mit den besten Grüßen nach Oberpleis wurden wir entlassen. Diese Besichtigung war gleichzeitig auch der Abschied von Kopenhagen.
Die gepackten Koffer wurden am anderen Morgen wieder verstaut,und weiter ging es nach Schweden.„ Über die uns bereits bekannte Küstenstraße erreichten wir Helsingür und setzten von dort mit der Fähre nach Helsingborg in Schweden über. Die Formalitäten auf schwedischer Seite waren schnell erledigt. Mancher mag wohl etwas gezittert haben, als er sah wie PKWs sämtliches Gepäck ausladen mußten und gründlich untersucht wurden. Uns blieb dies erspart. Leider hatte uns der Regen mal wieder erwischt und so fuhren wir zügig durch Südschonen in Richtung Göteborg. Am frühen Nachmittag kamen wir in dieser noch relativ jungen Stadt (ca. 300 Jahre) an. Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, mit seinem riesigen Hafen und seiner Sauberkeit, gefiel uns auf Anhieb. Als wir unvermutet vor dem für uns reservierten Hotel hielten, blieb uns die Sprache weg. Wir hatten während der gesamten Fahrt einen hohen Komfort genossen, aber dies war die Krone. Manch einer von uns mag sich da gefragt haben, wie ist dies bei dem gezahlten Reisepreis möglich? Es wurde allgemein bedauert, daß wir nicht länger in diesem Hotel bleiben konnten als nur eine Nacht. Aber schon waren wir wieder unterwegs auf Erkundung. Kleine Gruppen zogen los. Der vorletzte Tag unserer Reise bescherte uns eine Schweizerin als Führerin für Göteborg. Wir sahen und hörten vieles über Göteborg, den Hafen und die Industrien.
Der verregnete Nachmittag wurde zum Einkaufsbummel genutzt. Am frühen Abend ging es dann an Bord unseres 7000-Tonnen-Schiff es "Olympica", der Stena-Line, das uns zurück nach Kiel bringen sollte.13 Stunden Seereise standen uns bevor. Neptun meinte es gut mit uns, indem er ruhigen Seegang verordnete. Nach dem Abendessen kam auch das Tanzbein nicht zu kurz. Manch einer mag wohl am nächsten Morgen etwas müde gewesen sein, aber das machte ja nichts. In rascher Fahrt ging es von Kiel nach Hamburg. Dort bescherte uns der Organisator und Leiter dieser herrlichen Nordlandfahrt, Andreas Müllenholz, zum Abschluß noch eine Hafenrundfahrt. Auf die Ankündigung dieser Hafenrundfahrt folgte, wie schon üblich auf den vielen Fahrten, der mit ihm geprägte Spruch: "Alles im Reisepreis inbegriffen", obwohl davon nichts in den Leistungen der Ausschreibung gestanden hatte. Viele von uns möchten gerne noch öfter mit ihm fahren. Der Dank für diese Fahrt gilt ja sowohl ihm, als auch seinem treuen Fahrer auf vielen Fahrten, Peter Krautscheid. Hoffentlich wird es im nächsten Jahr wieder so interessant und volIer Überraschungen bei der London- und geplanten Rom-Fahrt.
Elisabeth Meurer
Zu ihrem 50—jährigen Jubiläum (1979) führte die Kolpingsfamilie eine einwöchige Studienreise in die Ewige Stadt durch.
Am 7. 10. 1979 starteten 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Frankfurt gegen Süden. Wir hatten uns den schönsten Monat für eine Fahr ausgesucht. Nach einem regenreichen Sommer empfing uns strahlender Sonnenschein und eine angenehme Temperatur. Am Stadtrand, wo vor einigen Jahren noch die Schafherden weideten, fanden wir im großzügig gebauten Hotel eine gute Unterkunft und eine vorzügliche Verpflegung.
Unsere Stadtbesichtigung begann mit dem Petersdom und seiner Umgebung. Wir genossen das herrliche Panorama der Altstadt mit ihren Kuppeln und Türmen von Gianicolo aus. In der kleinen Kirche S. Pietro in Monorio waren wir Zeugen einer typisch römischen Hochzeitsfeier. Der Nachmittag war dem antiken, klassischen Rom gewidmet: vom Kapitol zum Forum und weiter zum Kolosseum. Stimmungsvoll der Abendspaziergang auf dem Aventin mit seinen Klöstern und Kreuzgängen, Villen und Gärten.
Ein weiterer Tag war den großen frühchristlichen Basiliken vorbehalten. Wir bewunderten die Pracht der Marmorsäulen und den Goldglanz der Mosaike. Ein freier Nachmittag regte zur eigenen Erforschung und Erkundigung der Stadt an. Nun galt es sich mit dem Verkehr der Hauptstadt und Weltstadt vertraut zu machen und sich an römische Gebräuche zu gewöhnen. Noch fuhren am Abend die meisten mit einer Taxe nach Hause. Doch bald drängte und zwängte man sich beherzt in die Linienbusse und nutzte den billigen Einheitstarif aus.
Höhepunkt der Reise war unbestreitbar die Papstaudienz am Mittwoch. Wir bekamen, dank bester Beziehungen auf dem fast vollen Petersplatz sogar Sitzplätze. Ganz vorn konnten wir den Hl. Vater nicht nur sehen und hören, sondern ihm auch die Hand reichen. Die Wartezeit wurde einem nicht zu lange: umgeben von den Kolonnaden Berninis, vor uns der Dom und über uns der strahlend blaue römische Oktoberhimmel. Wo waren nur auf einmal die Menschen alle hergekommen? An Landsleuten fehlte es wahrhaftig nicht. Man traf Verwandte und anderhalb Flugstunden von der Heimat weg und doch zu Hause.
Was wäre Rom ohne den Papst?
Eine Tagesfahrt durch die "Campagna" führte uns bis in die Sabiner in das Tal des Aniene nach Subiaco. Da, wo der Hl. Benedikt in der Höhle als Einsiedler lebte und später seine ersten Klöster gründete, feierten wir einen Pilgergottesdienst. Unsere Gruppe paßte gerade in die tief in den Felsen eingelassene Klosterkirche mit ihren wunderbaren frühgotischen Fresken. Auf der Rückfahrt ging es über Tivoli mit der Villa d' Este und ihren Wasserspielen nach Frascati, sehr beliebt wegen seines Weines, weniger wegen seines Regens. An Aussteigen war bei dieser Wassermenge nicht zu denken. Aber Wein kann man ja schließlich auch mitnehmen und zu Hause probieren. Gesagt, getan. Im Hotel konnten wir getrost das Versäumte nachholen.
Und weiter wurde besichtigt und studiert: Das Vatikanische Museum und vor allem die Sixtinische Kapelle, dann die Katakomben und die Papstgräber und wer immer noch nicht genug hatte, konnte am letzten Tag sich noch manche Kirche, manchen Platz und manche Ruine selbst erwandern, immer wieder ein Stück Kirchengeschichte, Weltgeschichte; und wer von allem genug hatte, der konnte sich in eine urrömische Trattoria setzen und sich von Cäsar und Augustinus, Michelangelo und Raffael erholen. Bei Spaghetti und Espresso fand man genießerisch in die Gegenwart zurück.
Alle sind auf ihre Kosten gekommen, sogar die Taxifahrer und selbst einige virtuose Taschendiebe. Eine Romreise voll Erlebnisse und Erinnerungen. Wenn aus 80 verschiedenen Teilnehmerinnen und TeiInehmem in den wenigen Tagen bald eine richtige Reisegemeinschaft wurde, dann war das sicher nicht zuletzt der Verdienst der Kolpingsfamilie, die immer wieder für die entsprechende Stimmung sorgte. Ihr und ihrem rührigen Vorstand unser aller Dank für die Vorbereitung und Durchführung dieser Jubiläumsfahrt.
P. Columban Esser O. S. B.
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