Aufnahme: 1978
Deutung des Kosmosbildes
Das sogenannte Kosmosbild im Fliesenboden der Kirche ist ein Abbild der mittelalterlichen Vorstellung von der Welt. Über die 4 kleinen Rosetten in den Ecken des Quadrats bekommt man gut einen Zugang zum Inhalt: Was die Welt zusammenhält. Im Bild sind die teilweise ergänzten Inschriften der Rosetten aus dem Lateinischen übersetzt.
Die kleinen Kreise in der Mitte der 4 Rosetten nennen 4 Elemente, 4 Jahreszeiten und 4 Temperamente. Elemente und Jahreszeiten symbolisieren die äußere Welt, die Temperamente den Menschen. Diese Bestandteile werden in Beziehung gesetzt durch die Eigenschaften, die in den äußeren Kreisringen genannt werden. Von den in jedem Ring genannten zwei Eigenschaften wird eine im Ring der folgenden Rosette wiederholt, das heißt, die Bereiche stehen in Verbindung zueinander. Das ist die eigentliche Aussage. So verbinden sich auch die 4 Großbuchstaben in der Mitte zum Wort ADAM.
Es kommt nicht auf die Einzelteile an, sondern auf die Zusammen- und Wechselwirkung von allen untereinander und auf die Energien, die dabei wirken. Es ist völlig egal, ob zum Beispiel wie hier 4 Elemente genannt werden, oder, wie man heute weiß, über hundert. Das Wesentliche ist das Beziehungsgeflecht nicht nur der Elemente, sondern aller Bereiche. Die Inhalte der 4 Rosetten gehen über das Materielle hinaus und beziehen auch die nicht materiellen Bereiche in das komplexe System "Welt" ein. Die Vier gilt als Weltzahl, die Zahl des Irdischen.
Mit den großen Kreisen in der Mitte des Kosmosbildes wird es schwierig, denn die Inschriftfragmente konnten bisher nicht gedeutet werden. Aber Zahlen können auch etwas erzählen. Zahlensymbolik war im Mittelalter Teil des allgemeinen Denkens. Es gibt in der Mitte 12 Kreise insgesamt, 7 davon aus spitzwinkligen Dreiecken.
Die Sieben galt als heilige Zahl. Sieben ist die Summe aus 4 für die irdische Welt (s.o.) und 3 als Symbol des dreieinigen Gottes. So wird der Bezug zwischen irdischer Welt und Gott hergestellt.
Die Zahlensymbolik dieses Kosmosbildes im Fußboden des Mittelschiffes setzt sich im Gewölbe der Vierung fort. Das Gewölbe wird durch Wulstrippen in 8 Teile geteilt. Die Acht weist über die 7 Schöpfungstage hinaus und steht für Auferstehung und ewige Seligkeit. Ursprünglich sollte darüber noch ein achteckiger Vierungsturm errichtet werden, um noch weiter gen Himmel zu weisen.
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