Aufnahme: 1978
"Zwischenbilanz“ zur Renovierung unserer Pfarrkirche
"Wenn die Maler mit ihrer Arbeit beginnen, ist der Tag der Bezugsfertigkeit eines Bauwerkes in greifbare Nähe gerückt.
Seit einigen Wochen haben in unserer altehrwürdigen Propsteikirche drei Firmen - in Arbeitsteilung - mit der Ausmalung der Kirche begonnen, damit die Einweihung der Kirche zum festgesetzten Termin am 17.12.1978 auch stattfinden kann. Innen wird sie im neuen Glanz in den uns vertrauten Farben erstrahlen. Außen wird sie sich in einem uns nicht bekannten Kleid zeigen. Das uns gewohnte Natursteinmauerwerk ist verputzt worden, weil mittelalterliche Kirchen –zum Beispiel die Doppelkirche in Schwarz-Rheindorf oder der Dom zu Limburg - in ursprünglicher Zeit das so an sich gehabt hätten. Fachkundige Herren der Denkmalpflege haben in gründlicher Arbeit entsprechende Befunde auch an unserer Kirche sichergestellt und - das darf nicht übersehen werden - bietet ein solcher Außenputz auch bei Kirchen einen sicheren Schutz gegen eine frühzeitige Verwitterung des Mauerwerkes.
Weil in den vergangenen Jahrhunderten offensichtlich kein Geld vorhanden war, den Außenputz regelmäßig zu erneuern, fraß die Unbill der Natur an der kirchlichen Substanz unserer 'Westentaschen-Basilika' wie sie - scherzhaft aber sicher wohlwollend - von unserer höchsten Bauleitung zu Köln hin und wieder genannt wird. So blieb bei den schon jahrelang dauernden Restaurierungsarbeiten - insbesondere am Turm - an vielen Stellen kein alter Stein auf dem alten und musste aus kunsthistorischen Gründen mit handgehauenen Steinen aus gleichem Material ersetzt werden. Eine langfristige Sicherung dieses herrlichen Bauwerkes für unsere Heimat war von Anfang an die einhellige Zielvorstellung im Kirchenvorstand, und deshalb war es für uns eine notwendige und auch unumgängliche Entscheidung, der Anbringung eines Außenputzes zuzustimmen. Wer wollte es schon verantworten, dass in 10 bis 20 Jahren verwitterte Gesteinspartien erneut hätten ausgetauscht werden müssen - und wer würde und könnte das dann bezahlen!
Die Außenmalerei der Kirche wird einen weiteren Schutz gegen Verwitterung bringen, und wir hoffen, daß die Farbgestaltung, die vorgegeben ist durch gesicherte Farbbefunde und Beispiele aus mittelalterlicher Zeit - der Phantasie ist da wenig Spielraum belassen - unseren Zuspruch findet. In 3 Monaten wissen wir da mehr, denn dann werden die Malerarbeiten - innen und außen - abgeschlossen. Das gilt auch für die Heizung. Das Langschiff und die beiden Seitenschiffe erhalten eine Fußbodenwarmluftheizung. Turm, Querschiff und Apsis werden zuzüglich mit Warmluft beheizt. Sämtliche Fenster in den Schiffen werden doppelt verglast, und die Eingänge erhalten gläserne Windfänge, damit es in der Kirche auch schön warm ist. Unsere Krypta erhält eine Warmwasserheizung, damit sie - ein besonderes Anliegen unseres Herrn Pastors - als Werktagskirche benutzt werden kann. Durch umfangreiche aber auch besonders schwierige Arbeiten konnte eine absolut sichere Trockenlegung urserer Krypta, eine der schönsten Europas übrigens, erreicht werde
…und es bewegt sich doch etwas im Innenraum der Kirche!
Noch vor Beendigung der Malerarbeiten wird mit der Verlegung einer naturgetreuen Reproduktion des mittelalterlichen Schmuckfußbodens begonnen werden. Die Fliesen, in Holland gebrannt, liegen schon seit einigen Jahren abrufbereit auf Lager. Sicherlich eine zusätzliche Attraktion für unsere Kirche - lassen wir uns überraschen. Damit der Boden sich möglichst in voller Pracht dem Auge darbietet, ist die Anschaffung einer neuen Bestuhlung erforderlich geworden. Diese Anschaffung und auch der Erwerb eines neuen Altars, für die Vierung ist mit Mitteln des 'Silbernen Sonntags' möglich geworden. Herr Prof. Hillebrand hat vor einigen Wochen dem Kirchenvorstand sein Modell vorgestellt, und es wird sicherlich auch Ihre Zustimmung finden. Seine besondere Wirkung erhält dieser Altar durch 4 frei stehende mannshohe Bronzeleuchter, die nach Entwürfen von Herrn Prof. Hillebrand in Italien gegossen werden. Unsere Orgel, sie wird im linken Querschnitt vor der Sakristei aufgestellt werden, ist vor einigen Wochen bei der bekannten Orgelbaufirma Klais in Auftrag gegeben worden. Die Anschaffungskosten in Höhe von 200.000,-- DM sind vom Generalvikariat in Köln und aus dem Erlös unserer alten Orgel, die jetzt in einer Kirche in Porz steht, bereitgestellt worden.
Dadurch konnte in bautechnisch erforderlicher aber auch für unsere Pfarrmitglieder kostenloser Austausch eines Orgelwerkes erreicht werden. Wir wollen hier nicht vergessen, mit wie viel Mühen und Opfer unter Herrn Pfarrer Wichert die Anschaffung unserer früheren Orgel erst möglich wurde, und es hätte bei niemandem Verständnis gefunden, wenn aus weiteren Spendenmitteln unserer Pfarrangehörigen diese Ersatzbeschaffung hätte bestritten werden müssen. Eine Lieferzeit - Mitte I980 -haben wir hinnehmen müssen. Sämtliche Plätze vor der Kirche und auch das Quadrum werden neu gestaltet werden. Die Planungen sind abgeschlossen, und es ist zu hoffen, dass in Köln in der nächsten Sitzung des Finanzausschusses die hierfür erforderlichen Mittel bereitgestellt werden. Diese Baumaßnahme wird bis Ende 1978 teilweise abgeschlossen werden können in der Weise, dass die Besucher unserer Kirche trockenen Fußes dorthin gelangen können. Im Laufe des Jahres 1979 sollen die Außenanlagen - dazu gehören auch sämtliche Außenmauern - insgesamt fertiggestellt sein.
Wenn wir ganz ehrlich sein wollen .... wir sind froh, wenn wir in und um unsere Kirche keine Handwerker mehr sehen. Am meisten wird sich unser Herr Pastor freuen können, der ja seit Anbeginn seiner Tätigkeit hier in Oberpleis - seit mehr als 10 Jahren schon - nur in einer Baustelle gelebt und gewirkt hat, damit auch andere, die einmal nach ihm, nach uns kommen, eine Kirche vorfinden, in der es Freude bereiten wird, sich zu versammeln. In 2 Jahren spricht keiner mehr davon, dass die Renovierung dieses Bauwerkes so lange Zeit in Anspruch genommen hat, es sei denn man fände etwas, was zu renovieren und auszubessern man vergessen hätte. Wir haben uns bemüht, ohne Zeit und fremde Mittel zu scheuen, dass andere derartige Versäumnisse nicht nachholen müssen."
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