Missionsschwester aus Ombalantu zu Gast in Oberpleis

Aufnahme: 1977

Missionsschwester aus Ombalantu zu Gast in Oberpleis

"Oberpleis hat lieben Besuch aus Afrika, genauer gesagt aus Ombalantu in Südwestafrika. Dort lebt Schwester Friedrun Steinkühler. Sie wirkt in einer Missionsstation. Jetzt hat sie Heimaturlaub und besucht ihre Schwester, Frau Fehlemann, in Eisbach.
 
Seit vielen Jahren veranstaltet der Oberpleiser Pfarrgemeinderat zum Weihnachtsfest einen Basar, dessen Erlös regelmäßig nach Ombalantu überwiesen wird. Nun kam Schwester Friedrun ins Pleistal, um sich persönlich für die guten Taten zu bedanken. Vor dem Pfarrgemeinderat und vor der gesamten Pfarre hielt die Missionsschwester Lichtbildervorträge und berichtete über das Leben in Afrika und die Arbeit auf einer Missionsstation, besonders in Ombalantu. Alle Anwesenden freuten sich, die Schwester persönlich kennenzulernen und von ihr einiges aus dem täglichen Leben der Missionare zu erfahren.
 
Schwester Friedrun gehört dem Orden der Benediktinerinnen von Tutzung an und ist von Beruf Krankenschwester und Hebamme. Seit 1960 wirkt sie in Afrika, zunächst zehn Jahre auf einer Station als Schwester im Operationsraum. Vor sechs Jahren wurde sie dann nach Ombalantu im heutigen Namibia versetzt. Sie ist dort die Leiterin des Krankenhauses, das 34 Betten hat und immer voll belegt ist. In diesem Hospital werden jährlich etwa 500 Kinder geboren. Sie erfahren alle von Schwester Friedrun Hilfe und Aufmerksamkeit. Zum Vergleich eine statistische Zahl aus Königswinter: In 1976 erblickten hier nur 188 Kinder das Licht der Welt. Schwester Friedrun: 'Die Mutter freut sich über ihr erstes Kind genau so wie über ihr zwölftes'. Sie ergänzte: ‚Auf meiner Station arbeitet die älteste Tochter einer Mutter, die jetzt ihr 11. Kind gebar. Bei der Geburt half die älteste Tochter mit.'
 
Neben dieser Hebammentätigkeit versorgt Schwester Friedrun täglich etwa 200 Patienten, die zur Missionsstation kommen und sich behandeln lassen mit Wunden, Vergiftungen, Verbrennungen oder mit Fieber. Ein Arzt steht dem Hause nicht zur Verfügung. Schwester Friedrun ist die einzige ausgebildete Kraft und arbeitet mit angelernten Einheimischen zusammen. Operationen und schwierigere Fälle werden in dem etwa 80 Kilometer entfernten größeren Krankenhaus mit etwa 300 Betten behandelt. Dieses Hospital befindet sich in Oshikuku, dort, wo Schwester Friedrun vorher tätig war.
 
Für uns unvorstellbar sind die niedrigen Pflege- und Behandlungskosten. Alle zahlen umgerechnet nur 1,50 DM. Dabei spielt die Länge des Krankenhausaufenthaltes keine Rolle. Die Kosten sind damit zwar nicht gedeckt. Die Menschen im Obamboland leben noch sehr primitiv und unter schweren Bedingungen. Sie ernähren sich vom Ertrag ihrer kargen Felder. Das ist teilweise wüstenartig. Es herrscht großer Wassermangel. Durch die Oberpleiser Hilfe wurde unter anderem ein Stromaggregat für das das Hospital angeschafft. Ein elektrischer Sterilisator konnte ebenfalls gekauft werden. Der besondere Stolz von Schwester Friedrun ist das Entbindungszimmer mit drei Betten, das sie in den letzten Jahren selbst einrichtete. Sie verriet, dass noch ein Geburtshilfegerät fehle, damit auch komplizierte Entbindungen vorgenommen werden können. Während die Einheimischen teilweise in Hütten leben, wurde die Missionsstation stabil gebaut.

Afrikanische Frauen schmücken sich sehr gerne, verriet die Schwester. Besonders eitel sind sie, wenn es um wahrhaft künstlerisch angelegte Frisur geht. Der Haarschmuck fehlt bei keiner Frau. Schwester Friedrun berichtete ausführlich über die Frömmigkeit der Eingeborenen. Sie kommen von weither zu den sonntäglichen Gottesdiensten, manchmal brauchen sie zwei oder drei Tage bis zum Gotteshaus. Bei guter Witterung übernachten sie von Samstag auf Sonntag vor der Kirche unter freiem Himmel. Davon zeugten mehrere Dias.
 
Die Schwester sprach auch über das Klima sowie über die Lebensweise der Eingeborenen. In der Missionsstation Ombalantu befindet sich auch eine Schule. Patres und Schwestern führen die Jugendlichen bis zum Abitur. Die Schüler haben beim Bau von Straßen und Wassergräben zur Bewässerung des Bodens mitgeholfen."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 23 vom 10.06.1977
Zur Verfügung gestellt von
Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter; Foto und Bericht: Günther Steeg
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Katholische Kirche Oberpleis Presseberichte Presseberichte 1 (bis 1989)
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