Hans Wald, Leiter der "Offenen Tür" Oberpleis

Aufnahme: 1976

Hans Wald, Leiter der "Offenen Tür" Oberpleis

‚Offene Tür‘ Oberpleis - Hochstimmung beim ‚Diejelsknall‘

„Die Sache mit dem Knall kam über die alten Herrschaften der 'Offenen Tür' wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Mitten in den Darbietungen der ersten Zusammenkunft des neuen Jahres überkam es Herrn Wald, den humorigen Leiter der ‚Offenen Tür‘, von dem vorzüglichen Mittagsgericht zu erzählen, das seine Frau nach echt rheinischem Rezept bereitet hatte: den ‚Knall‘. Aber was sollten sich die aus Sachsen, Pommern oder Schlesien, Zugewanderten vorstellen, was da Herr Wald - noch dazu in seinem urwüchsigen Dialekt - uns nahezubringen gedachte. Also kam es dazu, dass plötzlich – ganz improvisiert - ein Tisch echt rheinischer Damen die Sache aufgriff. Es wurden unter ca. 80 Losen 12 mit Nummern versehen und so wurde es dem Zufall überlassen, wer 14 Tage später der ‚Offenen Tür‘ einen am heimischen Herd kreierten ‚Knall‘ zu stiften hatte. Damit ‚hatte‘ es sich zunächst, und nach der netten Darbietung einer Gruppe der hiesigen Realschule, die Andersens Märchen von dem ‚Mädchen mit den Schwefelhölzern‘ - sogar auch im Dialekt - gekonnt gestaltete, tanzten unter Frau Clermonts Leitung kleine bunte Heinzelmännchen ihren Tanz zur Freude aller Anwesenden.

Nun aber kam der große Tag, wo neue Köchinnen aus dem Kreis der Senioren und sogar auch drei aus dem Kontaktkreis unserer unermüdlichen Helferinnen, die das Los getroffen hatte, mit ihren ‚Knällchen‘ angereist kamen. Was für eine Organisation, die Erzeugnisse des heimischen Herdes heiß zu halten. Eilboten, Privatwagen und Taxis brachten die gußeisernen Kessel (Tiegel, Diejel) mit dem kostbaren Inhalt in den Rathaussaal, und die Stimmung wuchs mit der jeweiligen Ankunft eines neuen ‚Diejelsknall‘ auf dem im Saal aufgebauten Tisch, wo alle zwölf ‚Knällchen‘ für die rund 90 Anwesenden ‚geschlachtet‘ wurden. Das Rathaus füllte sich in allen Räumen mit dem Duft der rheinischen Kostbarkeit, und jeder Anwesende erhielt mindestens zwei Stück dieser durchaus verschiedenartig gestalteten Kartoffelgerichte.

Natürlich wollen die, die nicht dabei waren, auch das Rezept wissen, und ich will versuchen, es Ihnen so kurz und so schmackhaft wie möglich zu vermelden: Schwenken Sie also Ihren Kessel, der mindestens 8 bis 10 cm hoch sein müsste, mit heißem Öl aus, ehe Sie den ‚Teig‘ einbringen. Sie nehmen rohe geriebene Kartoffeln in genügender Menge, schmecken mit Pfeffer, Salz, Zwiebeln und Ei den Brei ab und fügen einen „Inhalt" dazu. Das kann sein: Bratwurst, in Stücke geschnitten, oder sogar ganz oder geräucherter, magerer, in Würfeln oder Scheiben geschnittener Speck oder auch Rosinen, und lassen Sie das Gemix in der heißen Röhre backen, bis eine braune Kruste Ihnen signalisiert: Fertig!

Es schmeckt sogar auch den ‚Imis‘ aus anderen deutschen Gauen, wie eine der Damen aus Sachsen gestand, die sich unter viel Beifall bereit erklärte, sich im nächsten Jahre beim ‚Wiederholungsknall‘ als Köchin zu beteiligen. Unheimlichen Durst kriegt man hinterher. 20 Flaschen Wein, viel Bier und Schnaps flossen durch die Kehlen. Herr Radermacher allerdings, der mit seinem Uthweiler Pleistalchor eine Blütenlese deutscher Volkslieder darbot, schien lediglich bereit, sich mit seinem Chor am Löschen des Durstes zu beteiligen, ohne vorher ‚verknallt‘ worden zu sein.

In einem Nebenraum hatten sich dankenswerterweise zwei Herren des Sozialamtes zu einer Beratungsstunde eingefunden, um Besuchern der ‚Offenen Tür‘ Gelegenheit zu geben, sich in allen Fragen des sozialen Bereiches mit den Vertretern der Stadt zu beraten. Gelegentlich wird dies wiederholt werden.“

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 6 vom 06.02.1976; Foto: Karl Weber; Bericht: Erich Renker
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