Aufnahme: 1976
Wienfahrt der Kolpingsfamilie Oberpleis mit Abstecher in das Burgenland vom 23. bis 29.9.1976
Am 23.9.1976 startete die Kolpingsfamilie Oberpleis mit Gästen aus Solingen, Dollendorf und Ittenbach zu der von Andreas Müllenholz bestens vorbereiten Reise. 50 Tellnehmer machten sich frei von den kleinen und großen Sorgen des Alltags und ließen sich im modernen „Peter-Krautscheid-Bus“, den der Chef selbst steuerte, durch unsere deutsche Heimat, durch die österreichische Wachau bis Wien und in das Burgenland rollen. Bei herrlichem Wetter und ausgezeichneter Stimmung erreichten wir um die Mittagszeit die alte „Freie Reichsstadt Nürnberg“, die sich im Laufe der Jahrhunderte seit ihrer Gründung mit ihren heute 473.000 Einwohnern zur zweitgrößten Stadt Bayerns entwickelt hat. Obwohl im zweiten Weltkrieg zu 85 % zerstört, ist der mittelalterliche Charakter weitgehend erhalten geblieben bzw. wiederhergestellt worden. Das war auch der Grund, der unseren Reiseleiter A. Müllenholz bewogen hat, hier eine zweistündige Mittagspause einzulegen.
Gegen Abend erreichten wir unser Tagesziel, die niederbayerische Kreisstadt Passau. Sie liegt an der Mündung von Inn und Ilz in die Donau und besitzt als herausragendes Bauwerk den gotisch-barocken Dom mit einer der größten Orgeln der Welt. Wegen der vorgeschrittenen Tageszeit konnte der Dom leider nicht mehr besichtigt werden. Dennoch ist uns die Zeit nicht lang geworden. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurde grüppchenweise die Stadt „erkundet“.
Gut ausgeschlafen ging`s am zweiten Tage unserer Fahrt über die Grenze in das „Vetternland“ Österreich. Als erstes Zwischenziel war vorgesehen die kleine österreichische Stadt Melk an der Donau. Das von dem Wegbereiter des österreichischen Barocks, dem Baumeister und Bildhauer Jakob Brandtauer im Jahre 1702 begonnene und nach seinen Plänen 1736 vollendete Benediktinerstift grüßte schon von weitem. Die für eine Besichtigung vorgesehene Zeit mußte leider erheblich gekürzt werden, weil schon um 14.30 Uhr die Abfahrt des Schiffes der Ersten Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Theodor Körner“ – benannt nach dem ehemaligen österreichischen General und Bundeskanzler – nach Wien festgesetzt war und diese durch eine voraufgegangene kleine Buspanne vor Wels beinahe infrage gestellt wurde. Zufrieden waren wir erst, als auf dem übervollen Schiff jeder seinen Platz hatte. Das gemeinsame Abendessen ließ uns dann auch die voraufgegangene Hektik vergessen. Von Melk, wo sich die Donau anschickt, ein Bergland zu durchqueren, gelangten wir über Krems gegen 19,30 Uhr nach Wien-Nußdorf. Hier konnten wir wieder unseren Bus besteigen, um mit diesem in das für den Wienaufenthalt vorgesehene Quartier am Donaukanal zu gelangen. Das „Quartier“, ein Studentenwohnheim mit dem Namen „Panorama“, dient während der Semesterferien als Touristenhotel und entpuppte sich uns als eine sehr gepflegte und bestens geführte „Wohnmaschine“ mit 17 Stockwerken. Von der obersten Terrasse hatte man einen wundervollen Ausblick auf Wien mit seinen Wahrzeichen. Schon am gleichen Abend eroberte unsere Schar den Grinzing mit seinen vielen gemütlichen Heurigen-Lokalen. Gruppenweise gingen wir auf Entdeckung und fanden doch immer wieder zusammen. Mehr oder weniger ausgeschlafen wurde der Samstagvormittag mit einer Stadtrundfahrt ausgefüllt.
Die Schlösser Belvedere und Schönbrunn konnten besichtigt werden. Votivkirche, Karlskirche, Stephansdom und viele andere Bauwerke wurden uns von einer Fremdenführerin, die unsere bewährte Reiseleitung zu diesem Zwecke verpflichtete, erläutert. Die Fremdenführerin ließ uns in die Geschichte und Kultur Österreichs und Wiens blicken und beförderte sich für diesen Tag zu unserer „Mutti Katharina“. Höhepunkt des Tages aber war der gemeinsame Besuch der Operette „Gräfin Mariza“ mit der unübertroffenen und liebenswerten Marika Rökk als „Katja“ Katharina im Raimund-Theater. Der Applaus auf offener Bühne war spontan. An Nachhausefahren nach der Vorstellung war nicht zu denken. Wir kehrten noch in den Heurigen-Keller des Rathauses ein und ließen neben einer Reisegesellschaft aus Schweden „Grillen“ Grillen sein. Der folgende Sonntag bescherte uns eine Augenweide besonderer Art, nämlich eine Vorführung der Spanischen Reitschule im Redoutensaal der Wiener Hofburg. Gewiß, das Pantoffelkino brachte uns oft eine Sendung dieser alten Tradition Wiens in das Haus, aber erlebt bleibt erlebt. Die Gestaltung des Nachmittags blieb jedem unserer Reisegruppe selbst überlassen. Einige Teilnehmer fuhren in die Umgebung Wiens, andere besuchten den Prater, Hotel Sacher und – weil`s so schön war – den Grinzing.
Der folgende Tag schenkte uns „Mutti Katharina“ zurück, die uns auf der Fahrt in das Burgenland (heute das geographische Grenzland zwischen Ost und West) begleitete und uns vorher auf dem Wiener Zentralfriedhof durch die Reihen der Gräber der dort ruhenden Männer und Frauen der Geschichte, der Kunst und der Wissenschaft führte. Anschließend Weiterfahrt über Eisenstadt (hier die Berg- oder auch Haydnkirche, das Haydnmuseum, Haydnmausoleum und das Schloß Esterhazy) an den Neusiedler See, einen Steppensee von etwa 300 qkm Fläche. In der Grenzstadt Mörbisch führte uns unsere Fremdenführerin an die österreichisch-ungarische Grenze, die vielen von uns wegen ihrer von ungarischer Seite aus angelegten Befestigungen (dem sogenannten Eisernen Vorhang) einen Schauer über den Rücken gehen ließ. Das Mittagessen nahmen wir gemeinsam ein. Gelegenheit zum Einkauf von Andenken und Wein, der ja über Österreich hinaus einen guten Namen hat, war in Mörbisch und Rust gegeben. Der Tag klang aus mit einem gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Abschluß. Stimmungsvolle Zigeunermusik erinnerte uns an das nicht weit von uns befindliche Ungarn.
Der. 6. Tag, der mit einem Einkaufsbummel in Wien begann und in Passau endete, wurde angenehm durch eine Führung durch das von Brandtauer erbaute Augustinerchorherrenstift (Barock), in dessen Kirche sich die Brucknerorgel und das Grab Bruckners befinden, unterbrochen.
Am letzten Tag ging es nun endgültig heimwärts. Vor Regensburg veranlaßte Reiseleiter Müllenholz einen Abstecher nach Donaustauf. Hier konnten wir die 1842 unter der Herrschaft Ludwigs I. von Bayern erbaute dorische Halle mit den Büsten berühmter Deutscher besichtigen.
Vollgepfropft mit Wissenswertem, aufgefrischt mit alten Schulkenntnissen und angereichert mit netten Erlebnissen gelangten wir am Abend nach Oberpleis. Die Prämierung richtig beantworteter Quizfragen, die vornehmlich der Reiseleiter stellte, war eine lustige Unterbrechung von toten Punkten. Dank an dieser Stelle dem unermüdlichen Reiseleiter, dem Busunternehmer – übrigens wollen beide für das durchweg schöne Wetter verantwortlich gewesen sein – und all denen, die ebenfalls zum Gelingen dieser schönen und preiswerten „Wienfahrt der Kolpingsfamilie Oberpleis“ beigetragen haben!
Kurt Petrikowski
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