Aufnahme: 1975
Gedanken um die „Offene Tür"
Wenn auch in den letzten Monaten der Chronist über die freundlichen Kaffeenachmittage der Senioren schwieg, so mag dies ein Beweis dafür sein, daß die Begegnungen im Rathaussaal von Oberpleis, zu denen der Kontaktkreis freundlicher Helferinnen im Regelfall aller zwei Wochen einlädt, zur lieben Gewohnheit geworden sind. Größere Pausen waren durch die Ferien und dadurch bedingt, daß der Saal zu Ausstellungszwecken verwendet wurde. Aber diese künstlerischen Schmiedearbeiten, vorwiegend aus dem sakralen Bereich, wurden unter hilfreichen Erläuterungen des Herrn Birkhäuser an einem der Nachmittage dankenswerterweise auch der „Offenen Tür" nahegebracht.
Der Saal war immer reichlich gefüllt, auch wenn keine Darbietungen irgendwelcher Art zu erwarten waren. Man traf sich halt zum „Schälchen Heeßen", zu frohem Geplauder, das immer wieder von der sonnigen Art des liebenswerten Herrn Wald angeregt wurde, und war dankbar, wenn Herr Decker seine Musici aus der Musikschule von Oberpleis als kleine Solisten vorstellte, Märsche und Ländler aus alter Zeit erklingen ließ, mit der „Starsolistin" Birgitt Lindlar ein Potpourri aus dem „Vogelhändler" bot oder gar altvertrautes Liedgut im allgemeinen Gesang lebendig werden ließ, freundlicherweise mit vervielfältigten Texten. Einmal unterhielten Bärbel und Ursel mit Melodien auf ihren Blockflöten, und manchmal füllte der Chronist selbst - Wünschen entsprechend - Pausen durch den Vortrag eigener Gedichte - z. B. am Muttertag - oder mit Kurzgeschichten bekannter Autoren aus.
Durch Fernsehsendungen über vortreffliche Bemühungen andernorts um die „goldenen Hände der Alten" tauchte in kleinen Gesprächsrunden die Frage auf, ob Ähnliches nicht auch hier möglich sei, nicht ohne dabei die ständigen Bemühungen im gewohnten Rahmen ausdrücklich immer wieder anzuerkennen.
Aber es ist nun einmal so: Wem man den kleinen Finger gibt, der nimmt gern die ganze Hand, und so zeigte man sich besonders dankbar, daß vom Kontaktkreis der Frauen zu einer gemeinsamen Schiffahrt auf dem Rhein eingeladen wurde. Das Wort ist ja wohl wahr: „Es genügt nicht Herz zu haben. Man muß auch Gebrauch davon machen", von manchem der älteren Mitbürger auch mit dem Blick auf seine nächste Umgebung mit einem Schuß Bitternis zitiert. Aber das ist das Geheimnis des bisherigen Erfolges der „Offenen Tür", die Erkenntnis, daß hier Menschen sich dem andern helfend, gebend, mitfühlend anbieten, ohne Gegenleistung, für einen Händedruck des Dankes ab und zu.
Drum kamen sie auch alle am Freitag, 14 Uhr, zum Rathausplatz, um in drei Bussen Königswinter zu erreichen, wo am Pier die „Stadt Königswinter" auf die nahezu 150 Gäste wartete. Die Damen des Kontaktkreises hatten es sich nicht nehmen lassen, „ihr Volk" auf der lustigen Fahrt zu begleiten. Die Stimmung wurde auch nicht getrübt, als bekannt wurde, daß es zu der Kaffeefahrt keinen Kuchen an Bord gab, was überhaupt zuerst als Witz aufqefaßt wurde. - Aber man wußte Rat: In Unkel wurde angelegt, und sieben der unermüdlichen Helferinnen stürmten den Ort bzw. seine Bäckereien und Konditoreien und kamen beladen mit Kuchenpaketen, Eisbechern und Sahne strahlend zurück, begleitet von den humorvollen Kommentaren des Herrn Wald am Bordmikrophon. Der „Sturm auf Unkel " wird nun in die Annalen der „Offenen Tür" eingehen. Die Fahrt ging bis zur Erpeler Ley über Remagen, und dort zeigte der Himmel, der bisher freundlich dreingeschaut hatte, daß er auch anders kann. Aber bei der pünktlichen Ankunft in Königswinter hatte sich das Gewitter verzogen. Voll Dankes an schöne gemeinsame Stunden schied man in Oberpleis voneinander... bis zum 5. September, nach der großen Sommerpause. E. Renker
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