Aufnahme: 1971

Aus der Geschichte von Oberpleis und Umgebung, 8. Teil

Unser Foto, es stammt aus dem Jahre 1910, zeigt einen Blick in den Kreuzgang.

Ostchor
Vom alten Friedhof her bietet die Gruppe der Apsis (Altarnische im Ostchor) mit dem hinter ihr aufragenden Turm und dem sehr schönen 1645 errichteten Pfarrhaus ein wundervolles Bild. Von unten her ist die Apsis, welche im Grundriss einen Halbkreis beschreibt, in fünf hohe Längsfelder gegliedert, die durch vier aus Trachyt gestaltete vorspringende Blenden getrennt sind und oben einen Rundbogenfries mit je drei Bogen bilden. Der Obergaden darüber ist denkbar reich und edel durch fünf Rundbogenfenster gegliedert. Die fünf von unten kommenden Längsfelder werden durch eine rund um die Apsis laufende Gesimsleiste abgeschlossen.

Auf dieser setzen dann die Fensterschrägen (Bänke) an, die rings um die Rundbogenfenster gleichmäßig durchlaufen. Flankiert werden diese durch zierliche, romanische Säulchen mit Base (Säulenfuß) und Würfelkapitäl. Auf ihnen ruhen die Wülste, welche sich mit den Säulen schön in das Profil der großen Fensterrahmen legen. Auch die Farbigkeit des Gesteins klingt gut in die Farben unserer Landschaft hinein und ergibt so ein malerisches Bild.

Südseite
Es hieße den Rundgang um die Kirche zu früh beenden, hätten wir nicht einen Blick getan in den alten Klosterhof, auch Quadrum genannt, der sich südlich der Kirche befindet. Hier ist am ersten zu spüren, dass einst Klosterleben und Regel die Gestalter all dessen waren, was sich unseren Augen bietet. Die Südseite der Kirche ist noch in der alten Form außer einigen kleinen Veränderungen erhalten. Wir wollen uns in die südöstlichste Ecke des Klosterhofs begeben und den Blick hinauf wenden zu dem Turm der Kirche, dabei aber die anderen Gebäudeteile, die im Blickfeld liegen, nicht aus den Augen lassen. Der Blick gleitet an dem imposant aufragenden Turm herab, der sich machtvoll vom Himmel abhebt, zu den darunter liegenden alten Gebäudeteilen.

Zur Linken schließt sich der alte, in schönen Maßen gehaltene Südflügel des Klosters an. In dem unteren Geschoß dieses Gebäudes finden wir noch einen Teil des in romanischen Formen gehaltenen Kreuzganges. 6 Joche sind noch erhalten, die je drei Rundbogenöffnungen haben. Diese Rundbögen ruhen auf einfachen ecki-gen Diensten (tragende, der Mauer vorgelagerte Säulen oder Pfeiler), die unten mit Sockelprofilen verkröpft sind, oben aber durch einen plastisch gehaltenen Fries abschließen. In der Mitte ruhen sie auf zwei hübschen freistehenden Säulchen mit an den Ecken durch Blätter verzierten Basen und sehr schönen Blattkapitälen. Hier finden wir nicht zweimal dasselbe Kapitäl. Bei jedem hat der Meister sich eine andere Form ausgedacht, und so entstanden eine ganze Reihe entzückender Kapitäle, die es wohl verdienen, dass man sich diese Steinmetzleistungen etwas näher ansieht. Die Fensteröffnungen des Obergeschosses entsprechen nicht mehr den ursprünglichen Formen, die noch im Mauerwerk deutlich zu erkennen sind. Diese hatten nach oben einen kleeblattartigen Abschluss.

Nach Osten wird der Hof durch das Pfarrhaus und die Vikarie, deren weiße Flächen den Hof erhellen, begrenzt. Eine Mauer, die den Wirtschaftshof vom Mönchshof trennt und in der Mitte ein Tor zu diesem enthält, schließt das Quadrum nach Süden ab. Etwas eigenartig mutet die Lösung der Fassade des südlichen Querschiffes an, da dieselbe hier nicht wie auf der Nordseite in einen normalen Giebel ausläuft, sondern ein Walmdach hat. Sonst aber entspricht die südliche Giebelseite der nördlichen. Deutlich ist noch die Stelle zu erkennen, wo einst die Mönche ihren Eingang in die Krypta hatten.

Dieser ist aber leider später vermauert worden. So umgibt uns hier in diesem Klosterhof ganz die Erinnerung, und jeder Stein und jedes Ding hat seine Geschichte. Sie erzählen von alter dahingesunkener Zeit, da die Mönche hin-schritten unter dem Klang der Glocken, der sie um die Mitternacht zur Matutin in die Kirche rief, wir lauschten ihren Gesängen, deren strenge Melodien nur dem Geweihten sich als frohes Lied erweisen und hören den leisen dumpfen Ton der Orgel, um den sich die Gesänge ranken. Wir sehen die in Gott Versunkenen wandeln im alten Kreuzgang. So war es Jahr um Jahr, all die Jahrhunderte. Das Ver¬gangene aber heftete das Leben an die Dinge.

Inneres. Das Mittelschiff
Wir betreten die Kirche vom Dorf her. Das schöne Portal geleitet uns hinein. Eines muss hier vorweggenommen werden, um die Wirkung des ursprünglichen Raumes nicht zu fälschen. Es ist dies die im vergangenen Jahrhundert vorgenommene Erhöhung des Bodens in der unteren Kirche um 60 cm. Hierdurch wurde die alte Raumwirkung zerschlagen und die Leistung der Erbauer sehr geschmälert, da die große Raumproportion (Maßverhältnis von Höhe, Breite, Tiefe), die ehemals sehr viel bessere Abmessungen hatte, nun gestört ist. Wir hoffen, dass bei einer späteren Renovierung der alte Zustand wieder hergestellt wird. Der Grund zu dieser Erhöhung mag wohl die Bodenfeuchtigkeit, der man nicht Herr werden konnte, gewesen sein. Etwas merkwürdig mutet an, dass zu einer Zeit, in der man diese Dinge verhältnismäßig leicht hätte bewältigen können, eine so unzulängliche Änderung vorgenommen wurde. Aber es hat wohl nie eine Zeit gegeben, die so wenig Sinn für die Schönheit von Maßverhältnissen in den Architekturen hatte, wie diese.

Turmhalle
Wir stehen nun unten gleich am Portal und lassen das vor uns liegende Bild einmal bewusst auf uns wirken. In der kraftvollen Wölbung der Turmhalle glauben wir die ganze Schwere des darüber liegenden Turmes zu spüren. Das Gewölbe wird nach vorne durch einen schweren romanischen Bogen, der sich von der Mauer absetzt, abgeschlossen und er leitet das Raumempfinden der romanischen Zeit ein.
Fortsetzung folgt

Unser Bild, übrigens ein seltenes Foto, zeigt das teilweise eingestürzte nördliche Seitenschiff, hier baute man zur Abstützung 1894 die Sakristei an.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 35 vom 27.08.1971
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Foto 2: Rheinisches Bildarchiv 76401; Willi Joliet Pfarrkirche Sankt Pankratius - Kreuzgang und ehem. Klostergebäude - Restaurierung der Propstei
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