Aufnahme: 1971
Aus der Geschichte von Oberpleis und der Umgebung 12. Teil
Die Propsteikirche Oberpleis ohne Dachreiter. Er wurde wegen Einsturzgefahr entfernt.
Bauarbeiten an der Propsteikirche in den letzten Jahren.
.Jedoch die Freude der Oberpleiser an ihrem neuen Kirchturm währte nicht lange. Ein knappes halbes Jahr später wurden neue Gerüste aufgestellt, der Haupteingang der Kirche mit einem Bretterverschlag versehen, die Orgel ausgebaut und die Orgelempore ebenfalls mit Brettern vernagelt. Die Glocken verstummten wieder, obwohl sie nur etwa drei Monate vom neuen Turm ihr Geläute hatten erklingen lassen.
Was war geschehen?
Nun, die Erklärung der verantwortlichen Architekten war ganz einfach. Nach dem Abnehmen des Turmhelmes hatte sich herausgestellt, dass das Mauerwerk ohne jede Bindung war, und etwa bis zur Hälfte abgetragen werden musste. In dieser Höhe wurde dann ein fester Kranz und der Turm nach oben ordnungsgemäß neu errichtet. Damit hatte der Turm wieder seine volle Belastung. Wenn man die Stabilisierung des Unterbaues vorher vorgenommen hätte, könnten nach der Gewichts Veränderung wieder Risse entstehen, da jeder Bau arbeitet und insbesondere beim Turm durch die Schwingungen gefährliche Gewichtsverlagerungen vorgekommen wären.
Um dieses Risiko auszuschalten, wurde zuerst der Turm erneuert und dann der Unterbau stabilisiert. Bei dieser Stabilisierung wurde im oberen Teil der Orgelbühne ein Anker quer eingezogen. Dieser Anker wurde vermauert und mit einem Pfeiler auf der Orgelbühne abgestützt, so dass aus dem einen Bogen nunmehr zwei entstanden.
Die Befestigungsarbeiten am Emporenraum wurden im Sommer 1971 bereits fertiggestellt. Seit dieser Zeit läuten zwar in Oberpleis die Glocken wieder, die Kirche aber sieht innen und außen wie ein großer Trümmerhaufen aus. Um einmal etwas Näheres zu erfahren, baten wir Pfarrer Stein um ein Interview.
"Ein solches Bauwerk muss erhalten bleiben"
(Interview mit Pfarrer Stein)
Frage: Herr Pastor, im Rahmen unseres Heimatberichtes sind wir bei der Schilderung der Oberpleiser Pfarrkirche, wie sie sich im augenblicklichen Zustand befindet, angelangt. Würden Sie uns hierzu einige Fragen beantworten?
Antwort: Gerne, soweit ich dies kann.
Frage: Obwohl mit der Renovierung der Pfarrkirche bereits 1968 begonnen wurde, ist bis heute, dreieinhalb Jahre danach, noch nicht einmal der erste Bauabschnitt, die Restaurierung des Kirchturmes, vollkommen beendet. Woran hat diese lange Bauzeit gelegen, und wann wird der erste Bauabschnitt beendet sein?
Antwort: Ja, das ist in einem Wort nicht zu sagen. Es hat einen Streit gegeben zwischen dem Pastor und dem Kirchenvorstand einerseits und dem Kirchenvorstand und Herrn Oberbaurat Schwab, nebst Architekten Hoffmanns andererseits, der so weit ging, dass der damalige Kirchenvorstand sich anmaßte, den Herren das Betreten der Baustelle zu verbieten. Und da haben die Herren gesagt, gut, wenn ihr nicht wollt, dann seht zu wie ihr euren Turm fertigbekommt. Dadurch ist eine Verzögerung von fast einem Jahr eingetreten. Der Turm wäre längst fertig, wenn das nicht geschehen wäre. Wann nun die Sache ganz abgeschlossen sein wird, das kann ich jetzt noch nicht sagen, weil in Frage steht, ob der ursprüngliche Zustand der Propsteikirche wieder hergestellt wird. Ob vor allen Dingen das ursprüngliche Niveau der Kirche wiederhergestellt wird, weiß ich noch nicht. Ich kann nur sagen, dass kostbare Zeit in den vergangenen drei Jahren vertan worden ist durch den leidigen Streit zwischen Kirchenvorstand und Pastor. Es stände heute wahrscheinlich eine neue Kirche wenn das nicht gewesen wäre, und ob die jetzt noch gebaut werden kann das kann ich im Moment noch nicht sagen.
Frage: Herr Pastor, kann man aus dieser Äußerung entnehmen, dass Sic Ihren ursprünglichen Plan, neben der jetzigen Propsteikirche eine zweite, neue Pfarrkirche zu erbauen, immenoch nicht aufgegeben haben? Wie denken Sie sich die Realisierung eines solchen Projektes?
Antwort: Da mach ich mir vorläufig noch keine Gedanken drüber, das muss ich der Zukunft überlassen und die Entscheidung des Erzbistums. Ich habe den Plan jedenfalls noch nicht aufgegeben und habe jetzt einen Kirchenvorstand, der mich darin bestens unterstützt. Ich stehe auf dem Standpunkt, wenn Pastor, Kirchenvorstand und die gesamte Pfarrgemeinde zusammenstehen, dann wird schließlich das Erzbistum nachgeben müssen.
Frage: Herr Pastor, die Restaurierung der Orgelempore ist ja nun abgeschlossen; wird die Orgel wieder, wie es der vorherige Kirchenvorstand wünschte, an ihrem ursprünglichen Platz aufgestellt?
Antwort: Dieser Plan wäre witzlos. Das war von Anfang an schlecht, weil der Klang dieser Riesenorgel kaum zu 50 % in die Kirche dringen würde. Die alte Orgel kommt da nicht mehr hin. Diese Riesenorgel da oben wieder hinzubringen, wo jetzt der Klangraum durch den Stützpfeiler des Turmes noch um 50 % geringer geworden ist, das wäre völlig sinnlos. Und die Orgel nun entsprechend umzubauen, das die da oben hineinpasste, das würde teurer als wenn wir eine neue Orgel kaufen würden. Das Erzbistum hat uns eine große Summe zur Verfügung gestellt, um eine Orgel im Seitenschiff, im Mädchenchor unten, anzubringen. Das Geld dafür ist schon genehmigt. Aber darüber jetzt schon zu reden, hat ja gar keinen Zweck, zuerst muss die Grundrestaurierung beendet sein, erst dann kommt die Orgel dran.
Frage: Der kleine Dachreiter über der Vierung ist inzwischen entfernt worden, was geschieht nun weiter an der Kirche?
Antwort: Ja, die Entfernung des Dachreiters war unbedingt notwendig, denn dieser tonnenschwere kleine Turm hatte keinen festen Unterbau, er ruhte nur auf vier schwachen Rippen; dass der noch nicht runter gefallen ist, dem Pastor auf den Kopf, das ist ein kleines Weltwunder. Wie es weitergehen wird? Ich weiß es noch nicht. Wahrscheinlich wird man nun feststellen, dass auch das Mauerwerk an der Vierung morsch ist und die ganze Kirche abgerissen werden muss.
Frage: Das würde ja bedeuten, dass die Gläubigen unter Umständen noch in ein Zelt, als provisorische Kirche, zum Gottesdienst gehen müssten?
Antwort: Ja, und unter Umständen auf Jahre hinaus. Wie es überhaupt weitergehen wird, ich weiß es nicht. Die Restaurierung unserer Pfarrkirche ist ein Millionenobjekt, das hat der Diözesanbaumeister Schlombs immer (gerne vor sich hergeschoben und er wird das auch gerne noch weiter vor sich herschieben, weil man bei diesen alten Kirchen nie weiß, wenn man einmal anfängt, wie und wann man aufhört. Jedenfalls ohne Rücksicht auf Kosten Muss die Renovierung der Kirche durchgeführt werden, weil sie eines der wenigen Baudenkmäler aus der Hohenstauffenzeit ist, das einfach nicht verkommen darf. Und die Kirche wird restauriert werden, verlassen Sie sich darauf, wann und wie, das steht allerdings in den Sternen.
Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Pastor.
Fortsetzung folgt
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