Aufnahme: 1969
Warum läuten die Glocken nicht? (Interview Heinz Wicharz – Pastor Stein)
Herr Heinz Wicharz hat mit Pastor Stein ein Gespräch über Fragen geführt, die unsere Kirche betreffen.
Im folgenden geben wir dieses Interview wieder:
Frage: Herr Pastor, seit Palmsonntag läuten die Glocken unserer Kirche nicht mehr. In der Bevölkerung ist eine deutliche Ungewißheit spürbar. Nachdem man für fast eine halbe Million den Turm mühevoll restauriert hat, darf plötzlich das Geläute nicht mehr erklingen, da sonst eine akute Gefahr für das unterste Kirchturmgeschoß mit der Orgelempore besteht. Ist hier die Frage berechtigt, ob nicht eine Fehlplanung von seiten der Architekten vorliegt?
Antwort: Ich weiß um die Unruhe in der Gemeinde, daß die Glocken nicht mehr läuten dürfen. Ich möchte aber wiederholen, was ich schon einmal in der Verkündigung gesagt habe, daß keine Gefahr für den Turm besteht. Der Turm würde auch nicht einstürzen, wenn mit allen Glocken gleichzeitig geläutet würde. Zweitens besteht Einstimmigkeit zwischen Statikern, Architekten und erzbischöflicher Bauleitung, daß bei der Restaurierung des Turmes keine Fehler vorgekommen sind, daß also nichts falsch gemacht wurde. Man wußte schon vorher, daß der Turm im Orgelbereich und darunter Schwächen aufwies. Diese Schwächen bestehen schon seit Jahrhunderten. Es ist bewiesen, daß der Turm ursprünglich vor der Kirche gestanden hat, selbständig, an allen vier Seiten fest vermauert, vom Boden bis zum Helm. Erst nachträglich ist der Turm mit der Kirche verbunden worden. Dabei hat man ein riesiges „U’“ vom lnnern der Kirche in die Turmwand hineingebrochen, 10 bis 15 Meter hoch, dadurch ist diese Seite des Turmes geschwächt worden. Dieser Schwächezustand ist zu ersehen an den Ankern, die an beiden Seiten außen sichtbar in Erscheinung treten sowie an den beiden häßlichen Stützpfeilern, die nachträglich angebracht worden sind, die aber nach der endgültigen Restaurierung fortfallen sollen.
Man hat bis jetzt mit der Restaurierung des Orgelraumes und des unteren Bereiches gewartet, weil wir sonst die ganze Zeit über ohne Orgel gewesen wären. Die Restaurierung und Stabilisierung wird in Kürze in Angriff genommen werden. Es besteht der Plan, im Orgelraum in der Mitte einen Pfeiler anzubringen, so daß statt des bisherigen einen Bogens in Zukunft zwei Bögen entstehen werden. Die Risse, die schon seit Jahrhunderten bestehen, sind nicht größer geworden, aber man befürchtet, dass durch das Läuten sich die Risse verbreitern könnten. Darum haben unserer Statiker bis zur Fertigstellung der Restaurationsarbeiten im Orgelraum das Läuten verboten.
Frage: Wenn diese Schwächen den Architekten vorher bekannt waren, warum hat man dann nicht gleich von unten herauf den Turm befestigt?
Wenn jemand feststellt, daß seine Kellermauern morsch und brüchig sind, wird er ja auch nicht zuerst den Dachstuhl seines Hauses reparieren. Entstehen jetzt nicht noch größere Kosten als ursprünglich geplant.
Antwort: Prinzipiell könnte man fragen: Wäre es nicht besser gewesen, man hätte den Turm völlig abgerissen und von Grund auf neu gebaut. Das wäre wahrscheinlich billiger geworen. Aber hiergegen sträubte sich die Denkmalpflege, weil unser Turm einer der denkmalwertesten im Land ist. Darum mußte auf diese Weise vorgegangen werden. Aber die Reparaturarbeiten, die jetzt noch zu machen sind, sind völlig unabhängig von den Arbeiten, die bisher gemacht wurden. Man kann sie auch zu diesem Zeitpunkt zu den selben Kosten machen wie vorher. Es sind keine Gelder verschleudert worden. Man ist nur mit Rücksicht auf unseren Gottesdienst so vorgegangen, damit wir nicht über ein Jahr ohne Orgel den Gottesdienst feiern mußten. Jetzt wird die Orgel ausgebaut werden müssen; sie wird gründlich gereinigt und wahrscheinlich in einer etwas anderen Form wieder aufgebaut.
Frage: Welche Maßnahmen sind im nächsten Bauabschnitt vorgesehen?
Antwort: Seit langem ist vorgesehen, die Heizung unserer Pfarrkirche auf Öl umzustellen. Der Kirchenvorstand hat schon mehrere Anträge gestellt. Aber dabei müßte auch die Krypta, die eigentlich nie recht benutzt wurde, in die Beheizung der Kirche mit einbezogen werden. Aber hierbei ergeben sich Schwierigkeiten, denn der Heizungsschacht müßte erheblich tiefer gelegt werden. Die erzbischöfliche Behörde trägt sich ernsthaft mit dem Gedanken, uns eine elektrische Fußbodenheizung einzubauen, denn gerade die alten Kirchen sind nie ganz dicht zu bekommen. Wenn man aber warme Füße hat, ist man am ganzen Körper warm. Das wissen vor allem die Uthweiler, die auch eine Fußbodenheizung in der Kapelle haben. Was weiter noch an unserer Kirche geschehen wird, weiß niemand. Es sind erhebliche Schäden an den Fundamenten, am Mauerwerk, im Dachstuhl und im Chor vorhanden. Wann die finanziellen Mittel in den nächsten Jahren bereitgestellt werden können – es handelt sich hierbei um Hunderttausende, wenn nicht eine Million – weiß niemand. Die Gelder für die Restaurierung des Turmes sind noch vorhanden.
Was 1970 sein wird, weiß noch keiner. Der Turm wird fertig und die Glocken werden wieder erklingen, ich hoffe in den nächsten Wochen.
Frage: Die Bauarbeiten des 1. Abschnitts sind längst beendet, aber um die Kirche herum sieht es ja nicht besonders schön aus. Was bedeuten die Löcher neben der Kirche? Weshalb sind die Umfassungsmauern des Friedhofes eingerissen worden?
Antwort: Man hat die Bodenverhältnisse um die Kirche herum feststellen wollen und hat deshalb erschieden, Bodenproben rings um die Kirche zu entnehmen. Ferner hat man die Entwässerungsanlagen untersucht und dabei festgestellt, daß sie alle schadhaft sind. Die Kirche schwimmt im Wasser, weil alle Entwässerungsanlagen nicht funktionieren. Welche Schäden das für die Kirche gehabt hat und noch haben wird, das wird aus einem Gutachten, das in Kürze erscheint, zu entnehmen sein. Die Umzäunung des Pfarrgartens (Friedhofsmauer) drohte einzustürzen, und es bestand die Gefahr, daß dadurch einige Gräber zugeschüttet würden. Das Staatshochbauamt hat die akute Gefahr durch eine Sofortmaßnahme beseitigt, indem man die Mauer um einige Meter abtrug. Im nächsten Jahr soll die Mauer als Betonstützmauer neu errichtet und mit Bruchsteinen verblendet werden. Die Kosten werden sich auf 100.00 bis 120.000 DM belaufen. Diese Gelder stehen in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung, da die Vorplanungen ein halbes oder ein ganzes Jahr vorausgehen.
Frage: Werden die Löcher denn jetzt wieder zugedeckt und der sogenannte Pfarrgarten zwischen Pfarrsaal, Haus Niederstein und Haus Soentgen bald wieder ein besseres Aussehen erhalten?
Antwort: Der Kirchenvorstand hat schon seit längerer Zeit beschlossen, diesen Raum mit einer neuen Bepflanzung anzulegen. Aber da die Arbeiten am Turm noch nicht ganz beendet sind, wurde die Angelegenheit vorläufig einmal zurückgestellt, bis feststeht, daß dort keine Bauarbeiten mehr zu erwarten sind. Dann soll später eine niedrige Bepflanzung vorgenommen werden.
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