Aufnahme: 1967
In der Krypta nahmen viele Menschen Abschied vom verstorbenen Pfarrer Hans Wichert.
"Zum Tode unseres Herrn Pastors Hans Wichert
In der Pfingstwoche hat unsere Pfarrgemeinde Oberpleis ihren Seelsorger, den hochwürdigen Herrn Pfarrer Hans Wichert, zu Grabe getragen. 23 Jahre lang hat er als guter Hirt und Priester dieser Gemeinde vorgestanden und eine segensreiche seelsorgliche Tätigkeit ausgeübt. Hier hat er das Leben und das Geschick eines jeden Einzelnen in guten und in schlechten Tagen zu teilen gehabt. Wir haben Abschied genommen von einem guten Seelsorger, dem jeder Einzelne aus dieser Gemeinde am Herzen lag, und es gibt keine Familie in Oberpleis, die ihm nicht zu großem Dank verpflichtet wäre, denn wer hätte nicht in irgendeiner Weise von ihm etwas empfangen?
Wir haben Abschied genommen von ihm in unserer Kirche, ja in seiner Kirche, denn genauso wie die Menschen lag ihm auch sein Gotteshaus am Herzen, das er schon bald nach dem Krieg für seine Pfarrgemeinde in alter Schönheit herrichten ließ. Wo hätten wir unseren Dank für alle Liebe und Güte, die er seiner Gemeinde erwiesen hat, besser abstatten können als an der Stelle, wo er 23 Jahre lang als Diener Gottes und Diener seiner ihm Anvertrauten dem himmlischen Vater das Opfer seines Sohnes darbrachte, wo er Tag für Tag seiner Gemeinde im Gebete gedachte? Wo hätten wir uns besser von ihm verabschieden können, als dort, wo die zentrale Stelle einer jeden Pfarrgemeinde liegt, am Altar, wo Gottes höchste Liebestat in der Gemeinschaft der Christen zur segensvollen Wirklichkeit wird?
Am Altar durfte er als Priester stehen, hier durfte er das Brot des Wortes Gottes austeilen, die Frohe Botschaft, hier durfte er an seine Gemeinde das Brot des Lebens austeilen, hier durfte er das größte Wort sprechen, das jemals ein Mensch auf Erden sprechen darf, das sakramentale Wort, durch das Gottes Sohn in unserer Mitte gegenwärtig wird: 'Ich taufe dich, ich spreche dich los von deinen Sünden, das ist mein Fleisch, das ist mein Blut.' Im Gotteshaus stand er seiner Gemeinde vor als geistlicher Vater an den Festtagen des Kirchenjahres wie an den grauen Tagen des Alltags. Er war Diener der Freude der Menschen an den Festtagen der Familien bei der Hochzeit oder der Erstkommunion oder der Taufe, er sprach das fürbittende und tröstliche Wort des Gebetes am Sterbebett oder bei harten Schicksalsschlägen, wo aller menschlicher Trost versagte.
Ist nicht jeder von uns ihm zu großem Dank verpflichtet? Denken wir an die mahnenden Worte des Hebräerbriefes: 'Gedenket eurer Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben!' Soll nicht ein solches Gedenken auch über den Tod hinausgehen, indem wir immer wieder den Vater im Himmel bitten, er möge ihm alle Güte und Liebe, die wir an ihm erfahren haben, mit der ewigen Seligkeit belohnen."
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.