Oberpleis nahm Abschied von Hochwürden Pfarrer Hans Wichert
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Aufnahme: 1967

Oberpleis nahm Abschied von Hochwürden Pfarrer Hans Wichert

Zwei Tage vor dem Pfingstfest, in der Nacht vom 11. zum 12.5.1967, verstarb nach langer, schwerer Krankheit,  jedoch plötzlich und unerwartet, im Alter von fast 70 Jahren Hochw. Hans Wichert, Pfarrer an St. Pankratius Oberpleis.

Gott der Herr nahm den in der Bevölkerung sehr beliebten Geistlichen am Patronatsfest seiner Pfarrkirche, St. Pankratius, nach über 22-jähriger, segensreicher Tätigkeit, zu sich in sein himmlisches Reich.

Fünf Tage lang nahmen die Oberpleiser Abschied von ihrem toten Pfarrer. Zahllose Pfarrangehörige stiegen die steilen Steinstufen zur Krypta hinab, um hier unten dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Hier in diesem kühlen, dunklen Raum, der geschaffen scheint für das Gedächtnis der Toten, in der Apsis der Krypta, direkt vor einem Reliquienschrein, war der tote Seelsorger aufgebahrt worden.

Sicherlich wurden viele der stillen Beter am Sarge des Verstorbenen unwillkürlich an die schrecklichen letzten Kriegstage vor 22 Jahren erinnert. Damals war es Pfarrer Hans Wichert, der hier unten in der Krypta unzähligen Menschen Zuflucht bot und neuen Trost und neue Hoffnung im gemeinsamen hl. Meßopfer gab. Er selbst schrieb einst über seine Empfindungen und Eindrücke in jenen Tagen:

„Die Kirche bzw. die Krypta wurde in diesen Tagen und Nächten Zuflucht für viele. Sie war so gedrängt voll, daß der Pfarrer sich an jedem Morgen den Weg durch einen Wall von Liegestätten und Stühlen, von übernächtigten Menschen und sorglos schlafenden Kindern zum Altare bahnen mußte. Dieses allmorgendliche hl. Opfer in der Krypta, das ich zuletzt mit der Generalabsolution verband, bleibt allen, die daran teilnahmen, trotz der qualvollen Enge des Raumes, trotz der entsetzlich verbrauchten Luft und trotz aller Angst und Sorge in schönster Erinnerung. Wir haben das hl. Opfer immer wieder den Toten der letzten 24 Stunden geschenkt und alle Anliegen der Lebenden  hineinverflochten." Am Dienstagabend wurde dann in der Pfarrkirche die Totenvesper gehalten, an der wiederum viele Oberpleiser teilnahmen .

Die feierlichen Exequien am Mittwochmorgen begannen um 10 Uhr. Zuvor läuteten die Glocken von St. Pankratius eine halbe Stunde lang. Dechant Tummer, assistiert von Pfarrer Kronen, Pfarrer Oster und Pfarrer Bruckmann, zelebrierten die Totenmesse.

In seiner Traueransprache würdigte Dechant Tummer die Verdienste des verstorbenen Pfarrers, lobte seine Güte und seine stete Sorge um das Wohl seiner Pfarrgemeinde. Mit bewegten Worten dankte er dem Toten für alles, was er für seine Kirche und für Oberpleis getan habe.

Fast unübersehbar war die Trauergemeinde, die dann anschließend auf dem Friedhof von Pfarrer Wichert endgültig Abschied nahm. Unweit der altehrwürdigen Propsteikirche, im Schatten jahrhundertealter Platanen, fand  Pfarrer Wichert seine letzte Ruhestätte. Hier senkten sich über dem offenen Grabe die Fahnen aller Ortsvereine.  Die Totengebete sprach Pfarrer Brauns aus Unkel. Mit dem Kreuzzeichen über dem offenen Grab verabschiedeten sich dann zahlreiche Geistliche aus der näheren und weiteren Umgebung, darunter Prälat Daniels von der Diözese in Köln und viele Priester, die mit Pfarrer Wichert vor 45 Jahren die Priesterweine empfangen hatten, von dem Verstorbenen.

Unter den unzähligen Trauergästen sah man neben der Geistlichkeit Vertreter des Amtes und des Rates der Gemeinde Oberpleis, die Lehrerschaft, Abordnungen aller Ortsvereine und die Schulkinder von Oberpleis und Sandseheid.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 20 vom 19.05.1967; Foto: Karl Balensiefen
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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