Aufnahme: 1965 (Bericht)
In St. Pankratius Oberpleis
"Als ich ein Kind war, an der Mutter Hand zur Abendandacht in die Kirche trat, sah ich zuerst den Priester im Ornat, sodann die Ministranten, und ich fand den Raum, der voll Geheimnis um mich stand, nur schwer und dunkel. Denn die Kerze hat nicht soviel Wärme und nicht Goldbrokat genug, dass sie erfülle diese Statt des Geistes und der innerlichsten Liebe. Allmählich aber fügten die Gewänder, der Schein der Kerzen von dem Hochaltar, die Pfeiler und die Friese und die Bänder sich wie ein Kleid um mich, so wunderbar, dass nicht die kleinste Angst in mir verbliebe.
Nun, da ich alt bin, spüre ich den Drang der Römerbögen, die Gewalt der Pfeiler, die sich zum Chor hinstrebend, immer steiler aufrecken, nur als herrlichen Gesang. Nichts mehr ist ohne Maß, kein Uberschwang, nur Urgesetze, die sich da verweben zu einem ganz in sich geschlossenen Leben, das sich von Ewigkeiten her durchdrang.
Hier eint sich wahrhaft Arbeit und Gebet. Denn, was in reinen Harmonien waltet, nicht ohne Mühsal wurde es gestaltet und oft in Qual. Ob auch am Zeichenbrett der unbekannte Meister dichtete, ob auch der Maurer Stein um Steine schichtete."
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