Fräulein Christine Schwindt, unserer lieben Oberpleiser Lehrerin und Konrektorin, zum Abschied
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Aufnahme: 1960

Fräulein Christine Schwindt, unserer lieben Oberpleiser Lehrerin und Konrektorin, zum Abschied

„Die Schule und Schulgemeinde Oberpleis hielt am 9. Juli im Pfarrsaal eine Feierstunde.
Einiges aus dieser Feierstunde schreibe ich hier nieder zur ständigen Erinnerung für und an Fräulein Schwindt.

Am Anfang standen zwei Gedichte:

‚Nun schließt sich leis' deine Schultür zu.
Die Arbeit ist getan, dir winkt die Ruh.
Was man in Treue für andere wirken kann,
ein ganzes Leben setztest du daran.
Zu deinen Fußen saß ein ganz Geschlecht,
du lehrtest Sitte es und Zucht und Recht.
Du gabst ihm tüchtig Rüstzeug in die Hand
und schärftest seinen Geist und den Verstand,
und machtest es zum Lebenskampf bereit
und legtest Saat für Zeit und Ewigkeit.

Und in das alles, was dich so bewegt,
hast du dein liebevolles Herz gelegt.
Auch in der Strenge haben wir gespürt,
wie doch dabei die Liebe dich geführt.
Wir bleiben dir verbunden liebevoll:
Wer Liebe säte, Liebe ernten soll.‘

Das zweite Gedicht lautete:

‚Das ist der große Tag, an dem wir kommen,
um dir mit frohen und mit frommen
Worten des Dankes zu sagen,
daß unser Herz um alles weiß, was du getragen,
getan für uns hast viele Jahre,
und daß es weiß um die Gebete deiner Nächte,
deine grauen Haare,
um deines Herzens, deines Mundes gute Saat,
um alles, was dein Fuß und deine Hand uns tat:
Gott sei's und dir gedankt und Gott anheimgegeben,
daß er dich segne noch mit langem Leben
und mit ewigem Leben.‘

Die Ansprache des Rektors Breuer stand unter dem Gedanken: 

‚Was Einer ist, was Einer war,
beim Scheiden wird es offenbar.
Wir horen's nicht, wenn Gottes Weise summt.
Wir schaudern erst, wenn sie verstummt.‘

Als Vertreter der Schulgemeinde sprach Herr Quirrenbach die Worte des Dankes.

Der Pfarrer sprach zum Abschied:
‚Je länger ein Seelsorger, der sich nächst Gott den Menschen verpflichtet weiß, die ihm von Gott anvertraut sind, in seiner Arbeit steht, desto mehr weiß er die Treue zu schätzen, die er findet. Sie begegnet ihm immer wieder im Alltag vieler Menschen, von denen die Welt ringsum nicht viel weiß. Am meisten aber weiß der Priester die Treue der Menschen zu schätzen, die ihm ein gutes Stück seines eigenen Lebens Weggefahrten sind. Und eben das sind unsere katholischen Lehrer und Lehrerinnen.

Liebes Fräulein Schwindt! Auch Sie sind mir fast 16 Jahre lang ein guter Weggefährte gewesen. Dafür möchte ich Ihnen heute am Tage Ihres Abschiedes von der Schule danken. Danken für die Treue, mit der Sie Gott gedient haben. Denn Sie haben Ihren Beruf als Ruf Gottes angesehen. Danken für die Treue, mit der Sie Jahrzehnte hindurch als Lehrerin der Pfarrgemeinde gedient haben, der Sie von der Taufe an als lebendiges Glied angehört haben.
Danken für die Gewissenhaftigkeit und Treue, mit der Sie und in der Sie 42 Jahre hindurch die Ihnen anvertrauten Kinder gelehrt, geführt und erzogen haben. Gott allein weiß, wieviel Mühsal, Opferbereitschaft und Tapferkeit und nicht zuletzt Gebet dahinter gestanden hat, aber auch Geradheit und Unbeugsamkeit in verwirrten Zeiten.

Ich persönlich weiß, daß Sie Ihren Beruf geliebt haben, daß Sie Ihren Kindern von Herzen gut waren, daß Sie Tag für Tag Ihren Weg gegangen sind, nicht nur zur Schule, sondern auch in der Schule: im Bewußtsein Ihrer Verantwortung für die Seelen der Ihnen anvertrauten Kinder. St. Paulus hat einst seinem Schüler Timotheus geschrieben: ,Ich beschwöre dich vor Gott und Christus Jesus: Verkündige das Wort, tritt auf, ob gelegen oder ungelegen, weise zurecht, tadle und ermahne mit aller Geduld und Sorgfalt im Leh ren. Denn es kommt die Zeit, da man die gesunde Lehre unerträglich findet und sich nach eigenem Sinn Lehrer sucht. Du aber sei nüchtern in allem, trage deine Bürde, erfülle deinen Beruf und verwalte dein Amt voll und ganz.‘

Ich glaube, dies Wort ist die schönste Anerkennung für Sie. Lassen Sie mich dem noch ein anderes Wort an Timotheus hinzufügen: ‚Dafür mühen wir uns ab und kämpfen wir, weil wir unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt haben.‘ So möge denn der lebendige Gott selbst meinem und unserem Dank seine Erfüllung schenken in der Erfüllung Ihres Lebens: in noch recht vielen Jahren der Ruhe, Stille und Freude und in einem guten und seligen Ende.‘

Die Feierstunde fand ihren Abschluß mit einer Kantate:  ‚Herzlich tut mich erfreuen die fröhliche Sommerzeit‘, gesungen vom Kinderchor, begleitet von unseren Musikern, zusammengestellt und dirigiert von Herrn Lehrer Meurer.         

Hans Wichert, Pfarrer"

Quelle
Pfarrblatt Nr. 15 vom 17. Juli 1960
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