Aufnahme: 1955
St. Pankratius, Patron der ehemaligen Benediktinerpropstei Oberpleis
In der Urkunde von 1218 wird zum erstenmal, als Patron des Siegburger Klosters in Oberpleis, Pankratius, der Schützer der Eide und der Ritterheilige, genannt (Monasterium Sti. Pancratii quod pleysa nuncupatur). In der Urkunde von 1212 wird unter den Patronen der Propstei auch Pankratius genannt, ohne daß man sicher entscheiden könnte, daß dieser der Hauptpatron ist. Wieder erhebt sich die Frage, ob die Abtei Michaelsberg die nach Schwaben angeblich 944 gegründete Klosterniederlassung in Oberpleis nicht doch in irgendeiner Form übernommen hat. Wenn wir auch kaum glauben, daß diese Klosterniederlassung 1059 noch bestand, so könnte aber die Erinnerung an sie noch lebendig gewesen sein, die die Abtei bewogen haben mag, den Klosterpatron Pankratius von 944 für ihre neu gegründete Propstei in Oberpleis zu übernehmen. Vielleicht darf man an eine Übernahme von Reliquien des Pankratius denken. Die Abtei Michaelsberg hat solche besessen.
Es fügt sich auch gut in den Geist der Zeit Annos und in die Reihe der Patrone der Abtei, Michael und Mauritius, wenn der Patron Pankratius, nun vor allem als Ritterheiliger, von der Abtei neu gewählt worden ist. Er fügt sich auch gut in die Zeit seiner hauptsächlichen Verbreitung in dem Gebiet, zu dem Oberpleis gehört. Das beweist die Verbreitungskarte des Pankratius-Patroziniums. U. a. waren die Kapellen der Burg Drachenfels (1147) und des neuen Schlosses Burg der Grafen von Berg (nach 1133) ihm geweiht. Das einzige (mir bekannte und unveröffentlichte) beschädigt erhaltene Siegel der Propstei befindet sich an der Urkunde von 1256. Es zeigt Pankratius als römischen Jüngling in Tunika mit Martyrerpalme und merkwürdigerweise mit Buch statt des üblichen Schwertes, mit der Umschrift SAN(CTUS PANCRAT)IUS. Die Entstehung des Siegels dürfte um 1200 anzusetzen sein.
Die Pfarre, die das Pankratius-Patrozinium übernahm, hat im 18. Jh. zwei schöne Pfarrsiegel geführt, die Pankratius als den barock-beschwingten jungen Ritterheiligen zeigen. Heute steht in der ehemaligen Propsteikirche noch eine jugendliche, barocke Pankratiusfigur (um 1700). Es ist ein römischer Jüngling mit Schwert und Kreuz, das nicht original ist, da 1807 in den Pfarrkirchenrechnungen richtig eine Martyrerpalme genannt wird.
Aus: Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis, Siegburg 1955,
Seiten 85-86.
Wer war unser Pfarrpatron Pankratius?
Die Legende erzählt, dass Pankratius, der verwaiste Sohn eines reichen Römers, 303 mit seinem Onkel Dionys nach Rom reiste und dort Christ wurde. Mit seinem ererbten Vermögen half er nun den verfolgten Christen, besonders den um ihres Glaubens willen Gefangenen. Nach dem Tod des Onkels wurde Pankratius von einem der Verfolgungsbefehle Kaiser Diokletians erfasst und vor den Kaiser gebracht. Der 14-Jährige ließ sich trotz aller Verlockungen nicht vom Glauben abbringen, deshalb wurde er öffentlich enthauptet, sein Leichnam Hunden zum Fraß vorgeworfen.
Eine Christin barg ihn unter Lebensgefahr und setzte ihn in den dann nach ihm benannten Katakomben unter der heutigen Kirche S. Pancrazio an der Via Aurelia bei. Über Pankratius' Grab errichtete Papst Symmachus im Jahr 500 eine Basilika, die von Papst Honorius um 630 zur heutigen Kirche S. Pancrazio ausgebaut wurde. Das Martyrologium des Hieronymus verzeichnete Pankratius, die Verehrung breitete sich schnell in ganz Europa aus. Gregor von Tours nannte ihn als Patron des Eides. Kaiser Arnulf von Kärnten schrieb seine Eroberung Roms am 12. Mai 896 dem Bittruf an Pankratius zu, worauf die Verehrung des Heiligen v. a. in Mitteleuropa weiter aufblühte und er zum Patron der Ritter wurde. Pankratius ist einer der fünf Eisheiligen. (Dieser Text stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon.)
Das Ökumenische Heiligenlexikon ist im Internet verfügbar.
Katholischer, evangelischer und orthodoxer Gedenktag: 12. Mai
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