Aufnahme: 1953
Zur Frage der katholischen Schule
"Der Hirtenbrief unseres Bischofs zum Schulsonntag hat eine Frage aufgeworfen, die nicht eher zur Ruhe kommt und kommen darf, bis katholischen Eltern endlich und endgültig das selbstverständliche Recht zugestanden ist, die Erziehung ihrer Kinder nach ihrem Willen zu bestimmen und zu überwachen. Nicht was die Formen des Unterrichts angeht, wie man ihre Kinder Rechnen und Schreiben lehrt, ob nach alter oder neuer Methode, ob an Tischen oder Bänken, ob in Gruppen oder nicht. Aber wohl, was den Geist angeht, der im gesamten Unterricht herrscht.
In einer ringsum vom Ungeist und Unglauben bedrängten Zeit müssen Eltern, Lehrer und Priester, alle, die sich für die Seele der Kinder verantwortlich wissen, in gemeinsamer Erziehung die ihnen von Gott selbst anvertrauten Kinder vom Glauben her zu charaktervollen und grundsatztreuen Menschen erziehen. Das aber ist für katholische Eltern nur in einer Schule gewährleistet, die als katholische Bekenntnisschule den gleichen Geist atmet, wie das katholische Elternhaus. Man komme uns doch nicht immer wieder mit der von maßgeblichen Wortführern selbst nicht geglaubten billigen Redensart, die Gemeinschaftsschule wolle das gleiche! Wenn die Verfechter der Gemeinschaftschule, selbst oft erklärte Atheisten, - auf dem Papier konfessionslos, weil das harmloser klingt, - wirklich das gleiche wollen, warum denn dieser unausgesetzte Kampf gegen das im Naturrecht begründete Recht der Eltern, ihre Erziehungsgrundsätze auch in der Schule bewahrt und weitergeführt wissen zu wollen! Die Kinder gehören doch schließlich nicht dem Staat, sondern zunächst einmal ihren Eltern und darüber hinaus dem Herrgott, der sie den Eltern zu getreuen Händen anvertraut hat.
Christliche Eltern sehen darum ihre letzte Verantwortung darin, daß sie ihre Kinder für Gott erziehen, sie in den Himmel führen und in Gottes Vaterhände zurückgeben. Die Verantwortung kann ihnen der Staat weder abnehmen, noch jemals bestreiten. Katholische Eltern haben vielmehr die Pflicht und ein ursprüngliches Recht darauf, die Erziehung ihrer Kinder in Schulen ihres Bekenntnisses zu fordern. Wie dieses ursprünglichste Recht immer wieder mißachtet wird, haben wir in einer kaum vergangenen Zeit erlebt und erfahren es zur Stunde leider immer wieder.
Der Heilige Vater hat es in seinem Schreiben an die deutschen Bischöfe vom 15. Februar 1953 in klaren Worten gesagt: 'Wenn das erfolgreiche Bemühen führender Männer und Kräfte, welche die katholische Schule in den beiden größten Ländern der westdeutschen Bundesrepublik gesichert haben, volle Anerkennung und warmes Lob verdient, so sehen wir doch aus anderen uns zukommenden Mitteilungen, in welch zähem Kampf um die Bekenntnisschule die Katholiken überall da stehen, wo sie in der Minderheit sind bzw. des ihnen zukommenden Einflusses auf die Regelung der öffentlichen Dinge entbehren. Es ist bedrückend zu hören, daß in einer Diaspora-Großstadt, in der die katholische Schuljugend immerhin bis zu sechstausend zählt, es einfach unmöglich ist, auf dem Rechtsweg auch nur eine einzige katholische Schule zu erlangen. Die rücksichtslose Entschlossenheit der Gegenseite, die Bekenntnisschule entgegen jeglicher Idee des Elternrechts, vom Recht der Kirche ganz zu schweigen, zum Erliegen zu bringen, mahnt dazu, unter den eigenen Gläubigen volle Klarheit zu schaffen, worum es geht und was ihre katholische Überzeugung von ihnen verlangt, sowie mit äußerster Wachsamkeit die zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel auszunützen.'
Unser Bischof aber warnt und mahnt im gleichen Sinne wenn er im Hirtenbrief zum Schulsonntag unter dem 26. April 1953 sagt: „In unserer Heimat ist die so wichtige Schulfrage im staatlichen Gesetz geregelt. Allerdings auch bei uns gibt es schon wieder Kräfte, die nicht ruhen wollen, bis die aus dem Willen der Eltern und unter dem Schutz des Gesetzes bestehenden katholischen Schulen unterdrückt sind. In einzelnen Städten mit einer Mehrheit nichtchristlicher Stadtverordneter sucht man gegen den klar zum Ausdruck gebrachten Willen der Eltern, ja, man kann sogar sagen, weithin gegen die Überzeugung der eigenen Wähler, die Einrichtung von Bekenntnisschulen hintanzuhalten. Unwillkürlich denkt man an die unselige Zeit, die hinter uns liegt, in der man die Kreuze aus den Schulen entfernte und die Bekenntnisschule aufhob."
Zur Frage der so sehr angepriesenen Gemeinschaftsschule aber schreibt unser Bischof im gleichen Hirtenbrief:
'In ihr fehlt die echte katholische Atmosphäre, die allein eine katholische Erziehung aus einem Guß ermöglicht. Wenn wir eine christkatholische Jugend wollen, müssen wir überall dort, wo katholische Eltern dem Staat ihre Kinder anvertrauen, die katholische Schule fördern und ihre Einrichtung von den Gemeinden verlangen. Die Erteilung einiger Religionsstunden im Rahmen eines Unterrichts, der sich im übrigen den großen grundlegenden Wahrheiten unseres Glaubens nicht verpflichtet fühlt, reicht nicht aus, die Kinder im Sinne unseres Glaubens zu erziehen. Man komme nicht mit dem törichten Einwand, daß man doch nicht katholisch rechnen und schreiben könne. Die Bildung unserer Jugend besteht nicht aus dem Umgang mit Zahlen und Buchstaben. Ihr Ziel ist vielmehr, unseren Kindern das rechte Weltbild zu vermitteln. Im Dienste dieser Aufgabe stehen nicht nur die Religionsstunden, auch die Gesinnungsfächer müssen sich ihr widmen, als da sind Deutsch, Geschichte, Naturkunde.
Es ist für die Erziehung durchaus nicht gleichgültig, welche Maßstäbe an Gestalten der Dichtung oder an geschichtliche Persönlichkeiten angelegt werden. Wir müssen wissen, daß gerade die ungelösten Welträtsel mißbraucht werden können, den jungen Menschen einen falschen Begriff von der Schöpfung zu geben. An den Wundern der Natur und an der Größe und Schönheit der Leistungen des menschlichen Geistes können wir erst vollen Anteil haben, wenn wir gelernt haben, hinter ihnen die unbeschreibliche Weisheit, Macht und Güte Gottes zu sehen, wie der Glaube uns das lehrt.'
Gegenüber dem schon aus der Vorkriegszeit allzu bekannten Einwand, die Bekenntnisschule gefährde die Einheit unseres Volkes, sagt unser Bischof: „Der Riß, der seit der Glaubensspaltung durch unser Volk geht, ist auch in unseren Augen eine Wunde, die an der Kraft unseres Volkes zehrt, und mit Christus selber wünschen wir sehnlichst, daß wieder ein Hirt und eine Herde werde. Aber diese Einheit können wir bestimmt nicht durch eine mit Gewalt eingeführte Gemeinschaftsschule erreichen. Und ist nicht der Riß durch die Seele des Kindes viel schlimmer, der dadurch hervorgerufen wird, daß zwei einander entgegenstehende Mächte zur gleichen Zeit die Kinder in ihren Einfluß nehmen wollen, einerseits das katholische Elternhaus, andererseits eine andersgerichtete Schule?"
Gerade heute gilt es, den Kindern auf der ganzen Linie eine klare einheitliche Ausrichtung zu geben. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß alle Menschen aus dem herauswachsen, was wurzelhaft in ihrer Kindheit und Jugend grundgelegt wurde. Wo diese Wurzeln des Lebens nicht ganz fest im Boden des angestammten Glaubens verankert sind, knickt der erste Sturm den jungen Stamm. Der Bischof schließt darum seinen aus tiefster Sorge kommenden Hirtenbrief mit den Worten: 'Ich darf erwarten, daß Elternschaft und Lehrerschaft im Verein mit den Seelsorgern in wahrer Einmütigkeit ihre ganze Kraft einsetzen zur Verwirklichung des katholischen Bildungsideals. Ich darf erwarten, daß alle mannhaft ihre Stimmen erheben, wenn es um das kostbarste Gut unseres Volkes geht, um den Glauben in den Kinderherzen. Was immer in unserer Macht steht, das wollen wir für die katholische Schule tun. Es soll nicht geschehen, daß durch unsere Schule einem einzigen katholischen Kinde der gottgewollte Glaube geschmälert wird. Sie würden sonst dereinst unsere Ankläger sein vor dem Richterstuhl dessen, der gesagt hat: „Lasset die Kleinen zu mir kommen und wehret es ihnen nicht.'
Liebe katholische Eltern! Wenn zur Zeit auch in unserer Gemeinde durch die Zusammenarbeit aller die Verhältnisse der Schule noch in katholischem Geist geordnet sind, so bleibt uns die Pflicht der Wachsamkeit. Vom Heiligen Vater stammt das ernste Wort: 'Die Gefahr von heute besteht in der Müdigkeit der Guten!'
Der Feind schläft nie! Das sollte uns Mahnung und Aufruf sein, nicht zu erlahmen in der Verfechtung unserer gottgegebenen Rechte und Pflichten.
Euer Pastor"
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