Neue Glocken?
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Aufnahme: 1953

Neue Glocken?

"Vorläufig sind sie noch Wunsch und Traum, aber vielleicht können sie doch Wirklichkeit werden. Der Gedanke, unserer schönen alten Pfarrkirche mit ihrem machtvollen Turm wieder ein ihr würdiges Geläute zu schenken, dürfte wohl ein Herzenswunsch aller Gläubigen sein. Lange genug mußte die kleinste der drei Glocken, die uns der Krieg beließ, allein zum Dienste Gottes rufen, bis zu dem Tage, da die größte der Glocken wieder heimkehrte. Ich erinnere mich noch sehr gut des Tages im September 1947, da ich mit Herrn Kaplan Düster und Herrn Rektor Gossen frohen Herzens nach Düsseldorf fuhr, wo in einem großen Lager am Rheinhafen die heimgekehrten Glocken der rheinischen Diözesen still und stumm nebeneinander standen. Ich erinnere mich auch noch der großen Enttäuschung, als wir zwar 'Pankratius'  unsere größte Glocke wiederfanden, aber nicht die Schwesterglocke 'Felicitas'. In der Hoffnung, die vermißte doch noch irgendwo unter den andern Glocken wieder zu finden, sind wir damals kreuz und quer von Glocke zu Glocke gewandert. Leider vergeblich! Wir haben dann von Hause aus nach allen Seiten angefragt, weil wir es einfach nicht wahr haben wollten, daß 'Felicitas' nicht mehr leben und klingen sollte. Aber alles Suchen und Fragen blieb erfolglos. Es wurde uns wohl bekannt, daß die verloren gegangene Glocke nicht im Krieg verschrottet worden war.

Sie ist, wie so manche niemals heimgekehrte Glocke von irgendeiner unterirdischen Organisation zerschlagen und zu Geld gemacht worden. Wir alle wissen ja um die Jahre der Nachkriegszeit, da nichts mehr heilig war. So hat sich an der Felicitasglocke zum zweiten Mal erfüllt, was der Glockengießer im Jahre 1924 auf ihren ehernen Leib niederschrieb- 'Bellum me destruxit 1917: Der Krieg hat mich im Jahre 1917 zerstört.' Nachdem auch alle anderen Bemühungen gescheitert waren, durch die Diözese an eine anderswo nicht mehr gebrauchte Glocke zu kommen, die in unser Geläute gepaßt hätte, habe ich mich immer mehr mit dem Gedanken beschäftigt, wie wir das alte schöne Geläute doch noch ergänzen könnten, damit auch der zweite Teil der oben erwähnten Glockeninschrift wahr würde: 'Pax me construxit: Der Friede hat mich wiederhergestellt.'

Ich setzte mich deshalb mit verschiedenen Glockenfirmen in Verbindung, um die Kostenfrage zu klären. Das nahm mir zunächst allen Mut. Ich begrub zunächst alle Hoffnung. Die Preise lagen damals doppelt so hoch wie heute und erschienen mir bei allem Opferwillen der Gemeinde unerschwinglich. So kam mir der Gedanke, ob nicht die Sturmglocke des Denkmals, im alten Turm läutend, den Toten, denen sie gewidmet ist, besseren Dienst täte, wenn ihr eherner Mund das Lob Gottes sänge und zum Gedächtnis der Gefallenen riefe, als wenn sie zerborsten und stumm da stünde. Eine Reparatur wäre wohl möglich gewesen, aber eine zweimalige Prüfung des Tones durch Fachleute ergab, daß sie im vorhandenen Geläute nicht mitschwingen könnte. Eigentlich war ich froh, weil ja das Denkmal seinen eigenen Wert besitzt.

Inzwischen wurde die Reparatur der kleinen Glocke notwendig, da sie einen Sprung aufwies. Das brachte es mit sich, daß ich von neuem Fühlung bekam mit dem Glockenfachmann der Erzdiözese. Wir haben miteinander die verschiedensten Möglichkeiten erwogen, wie das vorhandene Geläute, einschließlich der nun auch wieder läutenden kleinsten Glocke im Dachreiter ergänzt werden könnte, ohne vorerst die noch fehlende kostspielige mittlere Glocke anschaffen zu müssen. Das Ergebnis dieser Besprechung liegt nun in einem längeren Gutachten vor und plant, auf der kleinsten der drei ehemaligen Glocken, der Ges-Glocke zwei weitere kleinere Glocken As und Be aufzubauen und so über dem vollen, tiefen Grundton Des der Pankratiusglocke einen neuen Dreiklang Ges-as-be schwingen zu lassen. Darüber dann noch einmal, eine ganze Oktav höher als Pankratius das Des der kleinen Dachreiterglocke. Das gäbe ein sehr melodisches Zusammenspiel. Wenn dann in späteren Zeiten noch das tiefe Es, die ehemalige Felicitasglocke, hinzukäme, ergähe das eines der reichsten und schönsten Geläute ringsum.

Soviel fürs erste von den in Gedanken und Wünschen 'vorhandenen' Glocken, deren vorläufig gedachten Tonfolge des, ges, as, be, das jeder, der ein Instrument besitzt, einmal selbst anschlagen und klingen lassen mag. Gott Dank hat der massive Turm mit seinem festgefügten Glockenstuhl Raum und Tragkraft genug für die Gesamtplanung. Liebe Pfarrkinder! Nun mögt ihr selbst einmal zu Hause miteinander überlegen, ob wir, nachdem so vieles im kirchlichen und weltlichen Raum der Gemeinde geschaffen worden ist, uns auch an dieses Werk wagen sollen. Es müßten schon alle mittun, wenn es gelingen soll. Warum sollte uns aber nicht gelingen, was so mancher Pfarrgemeinde gerade auf dem Land, bereits gelungen ist? Ich denke mir, daß wir demnächst eine große öffentliche Versammlung halten, um die Durchführung des Planes zu besprechen. Bis dahin mögt ihr euch gleich mir in Gedanken einmal damit beschäftigen.

Ich wiederhole mein Eingangswort: Neue Glocken? Vorläufig sind sie noch Wunsch und Traum, aber vielleicht können sie doch Wirklichkeit werden. Kann, wenn alle mithelfen Wirklichkeit werden, was auf der ehemaligen Felicitasglocke stand: Der Krieg hat mich zerstört. Der Friede hat mich wieder hergestellt.

Euer Pastor

Pfarrer Hans Wichert

Quelle
Pfarrblatt Nr. 18 vom 20. September 1953
Zur Verfügung gestellt von
Herbert Krämer, aus dem Nachlass von Pfarrer Hans Wichert
Räume & Galerien
Die Glocken von St. Pankratius Von Katholische Kirche Oberpleis
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