Aufnahme: 1952
Glasfenster im Langhaus der Oberpleiser Pfarrkirche St. Pankratus
Die neuen Kirchenfenster
Nun sind die neuen Fenster des Langhauses endlich fertiggestellt und künden in leuchtenden Farben von Gottes Schöpfermacht und Herrlichkeit. Es ist erstaunlich, wie der Maler es verstanden hat, auf kleinstem Raum, an den er gebunden war, das Sechstagewerk klar und kraftvoll darzustellen. Man muß allerdings einmal die Bibel zur Hand nehmen, muß lesen, schauen und nachdenken, um all das zu verstehen, was hier, getreu dem Wort der Bibel, in nur wenigen Strichen und in ein paar farbigen Glasstücken bildhaft gesagt und gezeigt wird. Jedes Feld, beginnend am Eingang des linken Seitenschiffes, stellt einen Schöpfungstag dar. lm allerobersten kleinsten Feld steht jedesmal das allen bekannte Symbol des Dreifaltigen Gottes. lm herzförmigen Feld darunter erscheint sein Schöpfungswerk in sechs symbolischen Bildern.
Das erste Fenster zeigt in dem Lichtstrahl, der das Chaos des noch ungeformten Weltballs umflutet, was die Bibel vom ersten Schöpfungstag berichtet: lm Anfang erschuf Gott den Himmel und die Erde. Aber die Erde war wüst und leer; Finsternis lag über dem Abgrund. Der Geist Gottes schwebte über den Wassern.
'Und Gott sprach:' ‚Es werde Licht!‘ Und es ward Licht. Gott schied das Licht von der Finsternis. Er nannte das Licht Tag, die Finsternis nannte er Nacht. Und es ward Abend, und es ward Morgen - erster Tag.
Das zweite Fenster deutet in dem Gewirr und Gewoge der Wolken und Wellen an, wie sich das Chaos zum ersten Mal in oben und unten scheidet, und was die Bibel also erzählt:
Und Gott sprach:' ‚Es werde ein Firmament inmitten der Wasser und scheide Wasser von Wassern!‘ Und es geschah so. Gott nannte das Firmament Himmel. Und es ward Abend, und es ward Morgen - zweiter Tag.
Das dritte Fenster läßt Land und Meer sich scheiden, läßt das erste Grün aus der Erde sprossen, und somit sichtbar werden, was in der Bibel steht vom drittenTag: Und Gott sprach: ‚Das Wasser unter dem Himmel sammle sich an einem Orte, und es erscheine das Trockene!‘ Und es geschah so. Gott nannte das Trockene Erde, das zusammengeflossene Wasser nannte er Meer. Und Gott sprach: ‚Die Erde sprosse Kräuter, die Samen tragen, und Bäume, die Früchte bringen nach ihrer Art!‘ Und es geschah so. Und es ward Abend, und es ward Morgen - dritter Tag.‘
Das vierte Fenster erzählt in der leuchtenden Sonne, dem hellen Mond und den glitzernden Sternen, was die Bibel kündet von der strahlenden Schönheit des vierten Tages:
‚Und Gott sprach:‘ ‚Es sollen Lichter werden am Firmamente des Himmels!‘
'Und es geschah so. Gott machte die beiden großen Lichter: das größere, damit es den Tag beherrsche, das kleinere, damit es die Nacht beherrsche; dazu die Sterne. Und es ward Abend, und es ward Morgen - vierter Tag.'
Das fünfte Fenster gibt den ersten lebenden Wesen Raum, dem rotschillernden Vogel oben in der Luft und dem dunklen Leib des Fisches im Wasser, und folgt so dem Wort der Bibel vom fünften Tag: ‚Und Gott sprach:‘ ‚Das Wasser soll wimmeln von lebenden Wesen, und Gefliigel soll über der Erde fliegen unter dem Firmamente des Himmels!‘ Und Gott schuf die großen Wassertiere und alles, was lebt und sich regt im Wasser, und alle geflügelten Tiere, je nach ihrer Art. Er segnete sie und sprach: ‚Wachset und mehret euch!‘ ‚Und es ward Abend, und es ward Morgen - fünfter Tag.‘
Das sechste Fenster endlich zeigt die Vollendung des Schöpfungswerkes. Die Eidechse als Tier der Erde und der Mensch als Gebilde aus dem Lehm der Erde und dem Geist von oben sind sehr eindrucksvoll Bilder von dem, was die Bibel berichtet vom sechsten Tag:
‚Und Gott sprach:‘ ‚Die Erde bringe lebende Wesen hervor, je nach ihrer Art: Vieh und kriechende Tiere und Wild!‘ Und es geschah so. Danach schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbilde. - Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Und es ward Abend, und es ward Morgen - der sechste Tag.‘
Möchten doch die neuen Fenster das gläubige Wissen von Gottes Allmacht, Weisheit und Güte in unserer Gemeinde bewahren und vertiefen. Bewahren und vertiefen helfen, was die Bibel in ihrem ersten Kapitel für die Menschen aller Zeiten in ewig gültigen Worten und Bildern kündet: Gott ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Er allein besitzt die Allmacht, er allein hat letzte Weisheit und er allein ist die unwandelbare Güte. Diesen großen und starken Glauben zu bewahren und zu vertiefen inmitten einer Welt, die glaubensarm und zu einem großen Teil schon glaubenslos geworden ist, und sogar sich selbst auf Gottes Thron zu setzen wagt: Darin sehe ich die Aufgabe und den Wert unserer neuen Fenster.
Vom Türbogenfenster noch ein kurzes Wort:
Die Arche ist das uralte Symbol der Gottesgemeinde, der Kirche. Der Regenbogen ist das Symbol des ewigen Bundes, den Gott mit uns schloß. Die Taube ist das Symbol unserer Errettung, die wir im Bund mit Gott im Schoß der Kirche finden. Möge dieses schöne Bild uns im Herausgehen daran erinnern, wo unser Heil für Zeit und Ewigkeit ruht. Möge es uns auch daran gemahnen, daß wir draußen im Leben bewahren und bewahren müssen, was uns jedesmal im Gotteshause im Opfer des neuen Bundes gnadenhaft geschenkt wird.
Pastor Hans Wichert
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