Aufnahme: 1952
Objekt 10260
"Unsere liebe alte Pfarrkirche
könnte fast auf den Gedanken kommen, wir wollten noch einmal eine Tausendjahrfeier begehen. Denn schon wieder wird eines ihrer Festtagskleider zum Vorschein geholt, eines, das man vor vier Jahren wohl vorfand, aber zur großen Feier nicht mehr recht erneuern konnte. Ich meine das wie alter Brokat wirkende Kleid ihres gotischen Seitenschiffes.
Es ist wirklich sehr alt und war schon so verblichen, daß es nur das Auge des Künstlers noch in Form und Farbe erkennen und mit geübter Hand wieder im alten Glanz erstehen lassen könnte.
Es muß mit viel Liebe und Sorgfalt behandelt werden, das kostbare alte Kleid. Aber wcnn es dann eines Tages in neuer Schönheit der Kirche wieder gehört, wenn die großblumigen Falten dieses Gewandes durch die farbenfrohen Wappenschilder wie von besonders kostbaren Spangen gehalten erscheinen, wenn im Zusammenklang mit den leuchtenden Fenstern die ganze ehemalige Pracht wieder erstanden ist, dann wird sich nicht nur unsere liebe alte Pfarrkirche freuen, dann wird sich auch der daran erfreuen, der die ewige unvergängliche Schönheit selber ist. Dann werden sich mit dem Pfarrer, der seine Kirche mit ganzer Seele liebt, auch alle die freuen, die noch Auge und Sinn für echte Schönheit haben, und die gleich ihrem Pfarrer ihre Kirche, als die Heimstatt ihrer Seele, lieben.
Dann wird es uns die alte Kirche auch verzeihen, daß wir das vor vier Jahren erneuerte Gewand nicht mehr schön genug fanden und noch einmal verbesserten, was Regen und Feuchtigkeit zerstört hatten. Dann wird sie es auch auf sich nehmen, wenn wir ihr demnächst mit Stahlbohrern zu Leibe rücken, um alles getan zu haben, daß ihr die Nässe in Zukunft nicht mehr schade. Zur Belohnung dafür hoffe ich mit Hilfe aller, die unsere ehrwürdige Kirche lieben, ihren altgewordenen Leib auch einmal wieder erwärmen zu können. Als schönste Belohnung aber sollten wir alle ihr auch das edelste Schmuckstück schenken, das wir zu verschenken haben: ein Tabernakel, das ihrer Schönheit und Würde entspricht.
Liebe Pfarrkinder!
Was bisher im Bilde gesagt wurde, heißt mit ganz klaren Worten: daß in kurzer Zeit die Ausmalung unserer Kirche vollendet ist, daß der Kirchenvorstand als nächstes die Trockenlegung des Mauerwerkes nach einem bewährten Spezialverfahren in Angriff nehmen will, daß als folgendes der Einbau einer neuen Heizung geplant ist, daß mir die Ausschmückung des Tabernakels als der Wohnung des lebendigen Gottes sehr am Herzen liegt.
Wie weit das aber alles möglich ist und wird, liegt nicht zunächst am Kirchenvorstand und an mir, sondern an Eurer Mithilfe. Das einmal im Monat einkommende und dankbar angenommene Opfer eines ganzen Jahres reicht kaum hin, um auch nur die schon begonnene Arbeit der Ausmalung durchzuführen. Ganz zu schweigen von den vielen kleineren Reparaturen: wie Anstrich des Holzwerkes, Entrostung der Eisenteile, Reparatur an Dach und Mauern und Treppen, was laufend notwendig ist, um größere Schäden zu verhüten und sicherlich zu schweigen von den oben angeführten größeren Arbeiten.
Wenn die Visitation und Firmung durch unseren Hochwürdigsten Herrn Kardinal Anfang Oktober gehalten worden ist, werde ich für unsere Kirche an verschiedene Türen klopfen. Vorerst aber bitte ich am Sonntag, dem 31. August, bei der Kollekte für die Pfarrkirche um ein besonderes Opfer.
Euer Pastor"
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