Aufnahme: 1951
Das Wichtigste über unser Gotteshaus
"Oberpleis als ehemalige Propstei des Klosters Siegburg gegründet 1103. Als Pfarrei zuerst genannt im Jahre 948. Die romanische Kirche ist heute Pfarrkirche. Unverändert erhalten, 1891 und 1948 restauriert. Langhaus und Turm stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Ursprünglich eine flachgedeckte Pfeiler-Basilika mit je 6 Bögen. Ein massiger Turm mit einfachem, aber formschönem Säulenportal. Er trägt auf der Westseite einige derbe Tierfiguren in halber Höhe. Etwa um 1250 erhielt das Mittelschiff 4 Kreuzrippengewölbe mit hängenden Schlußsteinen, davon 2 in Gestalt großer Tauben. Der Altarraum bzw. die Apsis erhebt sich auf halbkreisförmigem Grundriß als fünfteiliges Rippengewölbe mit nur kleinen Fensteröffnungen. Früher waren zu beiden Seiten des Chores kleine Flankiertürme angebracht, die aber zerstört und 1894 abgetragen wurden.
Die Krypta unter dem Querschiff und Chor stammt aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Sie ist in beiden Richtungen dreischiffig geteilt und zählt 27 Kreuzgewölbe auf 16 Säulen mit der seltenen zweiteiligen Form des Würfelkapitells wie in M.-Gladbach. Sie ist zu vergleichen mit den Krypten in Siegburg und Zülpich. Das nördliche Seitenschiff ist spätgotisch verändert, die äußeren Strebepfeiler von 1810. Sakristei ist 1894 angebaut. lm Innern ist bemerkenswert das Reliefbild des Hochaltars aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. 3 Platten: auf der mittleren die Gottesmutter mit Kind in strenger Frontansicht; rechts 3 Engel (Vertreter der himmlischen Mächte) und links 3 Magier, gekrönt (Vertreter der irdischen Macht). Mehrere Holzfiguren des 18. Jahrhunderts sind recht gut, besonders die königliche Madonna an der nördlichen Chorseite, Auf dem rechten Seitenaltare eine schlichte Pieta (Vesperbild) aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Als Besonderheit hinter dem Altar eine spätromanische Piscina (Waschbecken).
Der Taufstein (17. Jahrhundert) steht jetzt in der Eingangshalle. Von den Klostergebäuden steht noch der zweigeschossige Westflügel mit 5 Jochen des Kreuzganges aus dem 12. Jahrhundert (heute Pfarrsaal). Die Anlage ist ähnlich der etwas älteren im Bonner Münster. Auf der Ostseite des Innenhofes liegt die ehemalige Propstei (1647) die Maueranker zeigen das Baujahr an (jetzt: Vikarie und Pastorat). Zum Innenhof (Quadrum) führt ein prächtiges Barocktor (1710). Ein spätromanisches Tor zum Propsteihof wurde durch Kriegseinwirkung 1945 zerstört. Sehr sinnvoll steht am Rande des Friedhofs eine Kreuzigungsgruppe (Baum des Lebens) aus dem 17. Jahrhundert.
(Kpl. W. Bieroth nach Dehio, Kunstdenkmäler)
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