Aufnahme: 1950
Westerwaldfahrt des Kirchenchores
"Am frühen Morgen des 2. Juli begann die Fahrt bei schönstem Wetter. Bergauf, bergab zog der unverdrossen arbeitende Motor die frohe Reisegesellschaft über Altenkirchen zur Zisterzienserabtei im Nistertal. In Marienstadt, der einfachen, aber schonen Klosterkirche, fand die heilige Messe statt. Nach zweistündiger Pause nahm der Bus die Richtung nach Limburg an der Lahn auf. Das romantische Hachenburg hatte ein Festgewand angelegt und prangte in frischem Grün und Fahnenschmuck anläßlich eines Musikfestes. In langsamer Fahrt, durch fast zu enge Straßen brummte der vollbeladene Wagen mit Anhänger aufwärts durch das mittelalterliche Städtchen, um dann unterzutauchen in den durchsonnten Wäldern des hohen Westerwaldes. Immer neue Bilder und Landschaften zogen in bunter Reihenfolge vorüber. Fast unvermittelt öffnete sich der dichte Wald und ließ im Tal der Lahn den Dom von Limburg ins Blickfeld treten. Ein wundervoller Anblick! Unwillkürlich dachte man an den Tempel von Jerusalem mit seiner großartigen Lage. Deutlich erkannte man die sechs Türme, die den Hauptturm des Domes in meisterhafter Gliederung umkränzen, gleichsam als Symbole der sieben Sakramente des Neuen Bundes.
Nach einer kurzen Imbißpause ging es zur Besichtigung des Domes und der altehrwürdigen Stadt Limburg. Der Dom, auf dem steilen Ufer an der Lahn gelegen, hat äußerlich den feierlich ernsten Stil romanischer Bauart, wenn auch das Aufgelockertsein seiner Formen bereits das Gotische ahnen läßt. Das prunkvolle Portal mit dem großen runden Fenster und acht ebenfalls runden Einzeldurchbrechungen inmitten der wundervoll gegliederten Portaltürme übt eine majestätische Wirkung aus. Wie ist man ehrfürchtig ergriffen beim Eintritt in das Gotteshaus! Wahrlich ein Abglanz des himmlischen Jernsalem! Hier kann man, nein, muß man niederknien und anbeten! Der Thron Gottes, der einfache und doch festliche Hochaltar mit Tabernakel, der Mittelpunkt des Domes, überragt vom lichtspendenden Hauptturm, übt eine Anziehungskraft aus, wie sie nur der Gegenwart Gottes eigen ist, erhaben und erhebend. Für den, der ein Gespür für das Edle und Schöne hat, bietet dieser Dom eine Fülle von tiefen und starken Eindrücken: angefangen bei der entgegenschwebenden Mutter-Gottes-Statue, den prächtigen Fenstergemälden, den emporreißenden Säulen, bis zum Meisterwerk des steinernen Taufbrunnens. Alles ist so anziehend und beglückend, daß man mit einer gewissen Wehmut von dem Wunderwerk dieses Domes, erbaut um das Jahr 1220 zu Ehren des heiligen Georg, Abschied nimmt.
In langsamem Tempo, wohl geborgen, ging es an den Windungen der Lahn entlang über Nassau, Bad Ems, Niederlahnstein an den Rheinstrom bis Ehrenbreitstein. Nach zweistündiger Pause wurde die letzte Etappe der Fahrt im Scheine der goldnen Abendsonne zwischen duftenden Rebenhängen und den purpur leuchtenden Wellen des Stroms rheinabwärts gefahren. Im kühlen Abenddunkel grüßte von der Höhe des Drachenfels die hellbeleuchtete Ruine und setzte so den Schlußstein der erlebnisreichen und eindrucksvollen Westerwaldfahrt des Kirchenchores.
J. Schenk."
Chorleiter und Organist
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