Aufnahme: 1949
Inneres der Propsteikirche Oberpleis
Die Siebengebirgs-Zeitung berichtete:
"Wenn wir die Kirche vom Dorfe her betreten, geleitet uns das schöne Portal hinein. Und es lohnt sich, hier unten gleich am Portal, einmal stehen zu bleiben, um das vor uns liegende Bild bewusst auf uns wirken zu lassen. In der kraftvollen Wölbung der Turmhalle glaubt man die ganze Schwere des darüber liegenden Turmes zu spüren. Das Gewölbe wird nach vorne durch einen schweren romanischen Bogen, der sich von der Mauer absetzt, abgeschlossen, und er leitet das Raumempfinden der romanischen Zeit ein. In gleichmäßigem Takt geleiten sechs Arkaden in kraftvollen runden Bögen uns zu dem Raum des Altares. Die schweren Pfeiler, welche die Arkaden trennen, sind aus Wolsdorfer Tuff fest gefügt und setzen in demselben Material die Bogen fort. Die Kreuzrippen des Gewölbes sind kräftige runde Wülste, die sich in der Mitte wieder nach unten neigen und in Tiergestalten oder Kugeln enden. Die acht Gewölbewülste der Vierung enden im Sichwiederherunterneigen in Schlangenköpfen, welche die Abschlusskugeln tragen.
Zwei Stufen führen vom unteren Langhaus zu der Vierung, dem Schnittpunkt von Querschiff und Langhaus. Von hier aus bietet der große Triumphbogen, der das Chor eröffnet, ein imposantes Bild, sowohl die freistehenden Säulen der Vierung, als auch die beiden, sich an die Seitenwände des Langhauses anschließenden Säulen, setzen auf schön ausgearbeiteten Eckblattbasen an und laufen oben in reich geschmückten Kapitellen aus, vor der eigentlichen Apsis (Chorabschluss) bilden sich wieder zwei Pfeilerbündel, die den Vierungssäulen entsprechen, aber nicht freistehen. Der Halbkreis des Altarraumes ist in fünf Felder aufgeteilt.
In gleichmäßigen Abständen ragen auf Rundbasen ansetzend vier Achteck-Säulen auf, die in halber Höhe durch Schaftringe unterbrochen werden. Von hier an laufen sie nach oben in runder Form weiter und bilden an ihren Enden schöne Knospenkrönungen. In den fünf Mittelfeldern sitzen organisch und schön fünf Rundbogenfenster, durch welche das Licht der Sonne am frühen Morgen in den Altarraum fällt. Gerade das Chor der Kirche in Oberpleis ist eins der interessantesten des Rheinlandes und vermag den Gottesdienst allein durch seine Anlage feierlich zu gestalten. Diese alte Kirche ist ein Raum der Andacht, ein heiliger Raum der Besinnung, der erlebt sein will in allen Phasen des Kirchenjahres, in allen Abschnitten des Lebens."
Quelle: Siebengebirgs-Zeitung Nr. 6 vom 5. 2. 1965; Text: Heinz Wicharz
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