Von der Grundsteinlegung in Thomasberg

Aufnahme: 1949

Von der Grundsteinlegung in Thomasberg

"Sie wurde eine herzerfreuende Feierstunde für alle, die daran teilnahmen, für die Thomasberger aber die Stunde, die seit Jahrzehnten ihre stille Hoffnung war, immer wieder zerschlagen und immer wieder von neuem entflammt.
Der erste entscheidende Schritt ist getan. Die Fundamente für den so lange geplanten Kirchbau sind gelegt, der Grundstein ruht fest auf diesen Fundamenten, Sinnbild dessen, was zäher Wille, fleißige Hände und opferbereite Herzen zu schaffen vermögen.

Darum waren auch die Thomasberger alle mit Leib und Seele dabei, als am Dreifaltigkeits-Sonntag - dem Kirchweihfest der Muttergemeinde - der Grundstein zu ihrer Kirche gelegt wurde. Die Feier begann mit einer Andacht zum Dreifaltigen Gott in dem Saal, der seit dem Rosenkranz-Fest des Jahres 1945 dank dem Entgegenkommen der Familie Wicharz der Thomasberger Gemeinde als Raum für den Gottesdienst zur Verfügung steht. Das war ein rechter und guter Beginn. Nicht nur, weil an Gottes Segen alles gelegen ist, sondern auch, weil in dieser ganz schlichten Notwohnung Gottes die Gemeinde Thomasberg als christliche Gemeinde zusammengewachsen ist und weil vor allem hier die fast erstorbene Hoffnung zu neuem Leben erwacht und zum starken Willen geworden ist, dem lieben Gott inmitten der vielen kleinen Dörfer am Fuß der sieben Berge ein rechtes Gotteshaus zu bauen, darin er Tag und Nacht mit seiner Liebe, Gnade und Kraft einem jeden nahe sein kann, der zu ihm kommt mit seiner Erdennot.

Nach der Andacht zog eine lange Prozession mit Kreuz und Bannern unter dem Gebet der Allerheiligen-Litanei zum Bauplatz. Da waren viele Herzen froh bewegt. Trug man doch in der Mitte - in den starken Händen der Männer, die ihm zusammen mit vielen anderen in freiwilliger Arbeit das Fundament bereitet hatten - den festlich umkränzten Grundstein, nochmals und lebendiger noch umkränzt von den Kindern, die unser aller und der Kirche Blüte und Zukunft sind. Und man trug mit dem mächtigen Stein auch die sichere Gewähr einer sich nun sichtbar erfüllenden Hoffnung von zwei Generationen dem festlich geschmückten Bauplatz entgegen.

Genommen war dieser Grundstein aus dem Leib der Mutterkirche, aus dem Mauerwerk, daß der Krieg aufgerissen hatte. Ein schönes Sinnbild dafür, daß die Tochtergemeinde von der Muttergemeinde getragen ist, ein schönes Sinnbild auch dafür, daß aus den Wunden, die der Krieg uns schlug, neues und echtes Leben wachsen kann. Geweiht wurde dieser Grundstein vom Pfarrer der Muttergemeinde im Namen und Auftrag Seiner Eminenz, unseres geliebten Kardinals Dr. Joseph Frings, Erzbischof von Köln. Gelegt wurde er - nach des Pfarrers eigenem Wort - auf die Fundamente, die in den Boden hinein und aus dem Boden herausgewachsen sind, der mehr als tausend Menschen Heimaterde ist und nun das heilige Land werden soll, das Heimat ihrer Seelen ist.

Gelegt wurde dieser Grundstein auf die Fundamente, die mehr noch als durch das Material, das die Fundamente verbindet und festigt, verbunden und gefestigt sind durch den Fleiß arbeitsgewohnter Hände und die Treue einfacher Menschen; durch die Liebe der Thomasberger zum Werk der Väter und zum Werk für Gott. Gelegt wurde der Grundstein aber auch auf Fundamente, die vor den Fundamenten aus Beton schon gelegt waren in der Opferwilligkeit einer Bevölkerung, die nicht viel Hab und Gut besitzt, aber ein Herz hat für ihre Sache. Gelegt und geweiht wurde der Grundstein im Namen Gottes, den wir an diesem Tage verehrten in der Majestät und Herrlichkeit des Dreifaltigen Gottes: des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Den Verlauf der Feier im einzelnen erzählt das Pfarrblatt ein anderes Mal, für heute folgt nur noch das sinnige Gedicht von Frau Symnofski.

Ein schon', doch ernstes Festgeschehn
Versammelt hier die Strücher Leut.
Am Fuß des Ölbergs soll erstehn
Ein Kirchlein fein, zu unsrer Freud'.

Zu Gottes Ruhm, zu Gottes Ehr,
Zum Danke ihm für alle Zeit.
Denn Er war Schutz und Er war Wehr
Uns ja in Fried' und Kriegeszeit.

Was unsre Vorfahr'n treu gelobten
Schon vor dem ersten Weltkrieg lang,
Wenn auch zwei Kriege uns umtobten,
Wir Schaffens doch, uns ist nicht bang.

Wir schulden Gott dem Herrn viel Dank,
Daß er so treulich uns behüt‘.
Gar mancher Ort in Trümmer sank,
Gott schützte uns in seiner Güt'.

Die Strücher/ die nicht kehrten Heim,
Ob sie nun ruhn im fernen Grab,
Ob sie in fremden Land müß'n sein,
Uns jeder die Verpflichtung gab:

Nehmt Gott den Herrn doch bei Euch auf!
Tragt ab jetzt Eure Dankesschuld!
Baut das versprochene Gotteshaus!
Gott lohnt es Euch in seiner Huld.

Wir lösen das Versprechen ein.
Versammelt sind wir heute hier
Zu mauern nun den ersten Stein,
Und weiter wollen schaffen wir.

Auf diesem schönen Fleckchen Erde,
Auf diesem festen Felsgestein,
Durch Fleiß und Opfergeist dann werde
Ein schmuckes Gotteshaus bald sein.

Wir Kinder all, wir bitten nun,
Daß wir nicht müssen bleiben fern.
Wir stehen treu zu Eurem Tun,
Wir woll'n nach Kräften helfen gern.

Für unsre Zukunft baut Ihr ja
Dem Herrn dies Haus in Dorfesmitt'.
Wir bieten Dank und Hilf Euch da.
Gedenket dieser Kinderbitt‘!

Seht doch die Pfarrkirch‘ vor uns liegen,
Sie ist schon tausend Jahre alt.
Laßt uns im Kreuzeszeichen siegen!
Dem Herrn werd' Wohnung bei uns bald!

Ich grüße all die vielen Leut‘
Und neige mich vor all den Gäst'.
Ich bitt' Euch, bringet alle heut
Zum Dank ein Opfer gern am Fest'!

Dann bitte ich, neigt all das Haupt,
Gelobet still auf fromme Weis',
Wie Euch gelehrt der Vater Glaub':
Mit Gottes Hilf! Zu Gottes Preis!

So möge unser Kirchlein werden
Uns Ruhstatt und uns Zuflucht sein.
Wir alle finden dann auf Erden
Im Gotteshaus das schönste Heim.

Möge der Segen Gottes und die Treue der Thomasberger das Werk nun zur Vollendung führen unter dem Schutz des Werkmannes 'St. Josef', ihres neuen und großen Schutzpatrones.

Euer  Pastor
Hans Wichert"

Quelle
Pfarrblatt Nr. 4 vom 26. Juni 1949
Zur Verfügung gestellt von
Pfarrbüro St. Pankratius Oberpleis
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Katholische Kirche Oberpleis
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