Bericht vom Richtfest der Kirche in Thomasberg. I. Teil
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Aufnahme: 1949

Bericht vom Richtfest der Kirche in Thomasberg. I. Teil

"So war es in Thomasberg: Sonne am Himmel, Freude im Herzen, festlich gekleidete und froh bewegte Menschen, ein richtiger Feiertag, der die ganze christliche Gemeinde von Thomasberg in seinen Bann zog und vereinte. Es ist immer schwer, Erlebtes nachträglich in Worte und Buchstaben einzufangen, zumal, wenn es ganz echtes Leben war. Was allein schon ein sonniger Tag für Menschen, die ein Fest feiern wollen, bedeutet, kann man nachher ebenso wenig schildern, wie man die freudige Stimmung in rechte Worte fassen kann, die da plötzlich wie ein Funke von einem zum andern überspringt, die da in den Augen der Großen und der Kinder aufleuchtet und spürbar wird als ein unsichtbares Band, das alle wie eine große Familie umschlingt. Das Bild der Schulkinder in ihrem Richtfestspiel in dem sie einträchtig zu Füßen des Oelbergs gelagert, die 15 Ortscharten, verkörperten, war sinnbildhaft für den Tag, nein, nicht nur für den Tag, sondern für das geschaffene Werk und die Eintracht der Strücher, die dies Werk begonnen und bis heute weitergeführt haben und auch einmal mit Gottes Hilfe vollenden werden.

Ein feierliches Levitenhochamt im Saale Wicharz ließ den Christkönig am Anfang und in der Mitte des festlichen Tages stehen. Daß er als der König aller Welt auch allzeit im Alltag seiner Gemeinde stehe und daß ihm diese seine Gemeinde mit dem neuen Haus auch eine Wohnstätte in den Herzen aller Gläubigen bereite und bewahre, war der Wunsch des Pfarrers. Seine Ansprache war ein Rückblick auf fast 50 Jahre immer wieder neuer Hoffnung und Enttäuschung, war ein Dank an Gott den Herrn und zugleich ein Dank für den Mut zum Beginn des Baues in schwerster Zeit und für die Tatkraft und den Opfergeist in der Weiterführung des Werkes und war zuletzt ein Ausdruck des Vertrauens, daß der Herrgott dem seine Hilfe bis zum guten Ende nicht versage, der ihm so tapfer und gläubig die Hand zum gemeinsamen Werk gereicht hatte.

Die Feierstunde im Kirchneubau sah das künftige Heiligtum gefüllt mit Menschen, die wohl alle unter dem Eindruck der Schönheit und Erhabenheit dieses Raumes standen. Auch hier stand im Loblied der gläubigen Gemeinde Christkönig in ihrer Mittel Auch hier war der Festspruch eines Kindes, die Richtsprüche des Poliers und Zimmermanns vom hohen Dachstuhl her und das Begrüßungswort des Hauptlehrers Dank und Bitte an Gott den Herrn und zugleich Ausdruck der Freude über diesen Tag und der ebenso frohen Hoffnung für die Zukunft. Was alle in dieser Stunde bewegte, faßte der Pfarrer für alle noch einmal zusammen. Er stellte seine und seiner Pfarrkinder Gedanken unter das Leitwort:


'Baut nicht der Herr das Haus, dann mühen sich umsonst, die daran bauen.
Nimmt nicht der Herr den Ort in seine Hut, dann wacht umsonst ihr Wächter.'


Er sagte: 'Das haben wir gewußt, ehe wir das Werk begannen. Bauleute Gottes wollten wir nur sein. Bauleute Gottes, die mit ihrem Opfersinn die Fundamente gelegt, die mit ihrer Hände Fleiß die Mauern hochgezogen, die mit ihrem Glauben den heiligen Raum umschlossen und die mit ihrem Gebet den Segen Gottes auf ihr Tun herabgefleht haben. Darum wohl hat Gott der Herr unser Tun gesegnet, weil uns nicht Ehrgeiz, sondern frommer Sinn geleitet hat. Weil wir den Alten und Gebrechlichen und unseren Kindern den Weg bereiten wollten zum Haus des Herrn. Weil wir ihn, den höchsten Herrn, bei uns beheimaten wollten. Weil viele über diesem Tun zu neuem Glauben und zu neuer Gottesliebe erwachten. Weil auch die Menschen mitgeschafft und mitgeopfert haben, die in ihrer alten Heimat das vertraute Gotteshaus verlassen mußten. Und weil hier Menschen am Werke waren, die inmitten aller Selbstsucht der Zeit, inmitten aller eigenen Not zuerst einmal an den Herrgott, an den lieben Gott gedacht haben.
Dies Gotteshaus ist wahrhaft und weitgehend aus dem Scherflein der armen Witwe aufgebaut worden.'
W.B."

 Richtfest der Kirche in Thomasberg. II. Teil.

„Richtfest ist ein schöner Tag für die Dorfgemeinde.
Dies Wort aus dem ‚Lied der Jugend‘ möchte ich dem zweiten Bericht über den so glänzend verlaufenen Tag voransetzen. Von der Feierstunde, nein von den vielen frohen und festlichen Stunden im Saale Wicharz soll wenigstens einiges festgehalten werden, damit auch die kommenden Generationen noch erfahren, wie strahlend schön dieser Tag war, der wie wohl nie zuvor ein Tag Jung und Alt in echter Freude und Begeisterung vereinte.

Alles Schöne dieses Tages kann ich unmöglich schildern. Auch kann ich nicht all die frohen und ernsten Verse wiedergeben, die Frau Symnofski geformt hat, Verse, die ebenso stark im Heimatboden wurzeln, wie in dem Herzen einer Frau, die dem Richtfest sein eigentliches Gepräge gegeben hat. Ich kann auch nicht all die im Einzelnen nennen, die mitgewirkt und dazu beigetragen haben, daß in Musik und Spiel, in Wort und Lied und Vers, die Stunden nur allzu schnell vorübergingen. Ich kann nur sagen, daß ich selten etwas erlebt habe, was so dem Volke aus der Seele gesprochen, was so wirklich volks- und heimatverbunden war, wie diese Feierstunden in Thomasberg.

Im Mittelpunkt für alle stand das Richtfestspiel der Kinder. Laßt mich noch einmal wiederholen, was ihr schon aus dem ersten Teil des Berichtes wißt: „Das Bild der Schulkinder in ihrem Richtfestspiel, in dem sie einträchtig zu Füßen des Oelbergs gelagert, die fünfzehn Ortschaften verkörperten, war sinnbildhaft für den Tag, nein, nicht nur für den Tag, sondern für das geschaffene Werk und die Eintracht der Thomasberger, die dies Werk begonnen und bis heute weitergeführt haben und auch bald mit Gottes Hilfe vollenden werden. Das Spiel der Kinder war und bleibt zugleich eine Chronik der Dorfschaften.

So sagte es die kleine Vorsprecherin:

‚Wie's alters war, bis zu den jetzigen Tagen,
Was ich noch weiß, möcht' ich euch sagen,
Den Alten zur Freud, den Jungen zur Lehr,
Sonst weiß das nächste Geschlecht nichts mehr.
In jedem Dorf, sei's noch so klein,
Da sammelt ich still Erinnerungen ein.
Sein Dörflein wird ein jeder finden
Im Richtfestspiel der Strücher Kinder.‘

Daß gerade die Kinder Vergangenes wieder lebendig machten, birgt in sich die Gewähr dafür, daß die heutige und hoffentlich noch die kommende Generation das gute Erbe der Väter bewahren: die Einfachheit, den Fleiß und die Tatkraft der Thomasberger Bevölkerung. Ein Spiel von Kindern spricht leicht Herz und Gemüt eines jeden an. Die Thomasberger Kinder haben das darum besonders gut vermocht, weil sie einfach und natürlich spielten, mit Leib und Seele diesem ihrem Spiel hingegeben. Jungen und Mädchen haben ihre Sache so fein gemacht, daß der liebe Gott selbst wohl seine Freude daran gehabt hat.

Ein Stück Chronik brachte auch das Spiel der großen Mädchen, die zunächst als Dorfvereine auftraten. Ob in dieser köstlichen Rolle, oder im munteren Singspiel ‚Dorfmädel an die Strücher Jungen‘, oder auch als nicht gerade bange Künder von ‚Dichtung und Wahrheit‘, immer wieder waren unsere großen Mädchen voll sprühenden Lebens, froh und anmutig zugleich, so wie wir uns echte Mädchen eben wünschen:

‚Schaut was kommt von draußen rein,
Strücher Mädchen frisch und frei.
Woll'n euch singen mancherlei
Aus dem Dorf so allerlei‘.

Ja, es war nicht nur mancherlei und allerlei, es war auch schön und herzerfrischend. Das ließ natürlich die Jungmänner nicht ruhen. Ihre am Spinnrad im Duett gesungene humorvolle Antwort an die ‚Strücher Mädchen‘ sprach nicht nur diese an, sondern auch alle Zuhörer:

‚Grüß euch Gott, ihr Mädelein,
Wir kommen mit dem Rädelein.
Jetzt spinnen wir ein Fädchen euch
Und wollen flicken euch am Zeug.‘

Wie hieß es doch im Lied der Jugend?:

‚Ist das Fest auch ernster Art, Frohsinn sei mit Scherz gepaart
und so wollen wir froh sein.‘ Das waren wir auch alle an diesem Tag.

Dazu trug auch der musikalische Teil der Feier bei, ausgeführt vom Thomasberger Gesangverein und von einem Streichquartett bzw. Quintett. Was hier unsere Sängerinnen und Sänger mit ganzer Hingabe und unsere Musiker mit feinem Verständnis boten, war ein würdiger Rahmen zum großen Fest.

So hieß es im Schlußgedicht:

‚Bunt war der Reigen
Zu Ende will sich neigen,
Des Richtfest's erster fröhlicher Teil.
Nun kommen Verlosung und Tanz an die Reih.‘

Und auch hier war das eine am schönsten, daß so viele dabei waren, fast zu viele, so daß der Tanz sehr lange auf sich warten ließ. Erlebt habe ich den Tanz nicht mehr, nur noch den Fleiß der tüchtigen Mädchen, die trotz der bedrückenden Fülle im Saale Raths ihre Ware an den Mann brachten, was ja noch Wesentlich zum Reinertrag des Festes beitrug.

Ich schließe mit einigen Versen aus dem Lied der Jugend:

‚Richtfest ist ein schöner Tag
Für die Dorfgemeinde.
Später noch ein jeder sag,
War das schön ihr Leute.
Mög' der christlichen Gemeind'
Unser Herrgott geben
Seinen Segen allezeit.
Richtfest, es soll leben!“

H. W. (Hans Wichert, Pastor)

Quelle
Pfarrblatt Nr. 14 + 15 vom 13. + 27. November 1949
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Pfarrbüro St. Pankratius Oberpleis Neubau und Erweiterung von St. Joseph Thomasberg
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