Aufnahme: 1948
St. Pankratius im festlichen Lichterglanz zur Tausendjahrfeier
Oberpleis erlebte mit den Veranstaltungen zur Tausendjahrfeier eine einzigartige Woche:
„Die Jahrtausendfeier in Oberpleis
Fest der Kirche – Fest der Heimat
Die renovierte Kirche
Oberpleis hat freundlichen Festschmuck angelegt. Girlanden zieren die Straßen, Fahnen und Fähnchen flattern lustig im Wind, überall leuchten bunte Herbstblumen im Sonnenschein, der dem Feiertag beschert ist. Die alte Kirche, in ihrem Grundbestand aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammend, prangt in neuer Schönheit. Die einfache Ausmalung beschränkt sich darauf, die klare romanische Architektur zu betonen. Das künstlerische Juwel der Kirche, die wunderbare romanische Plastik, die die Anbetung der heiligen drei Könige darstellt, ist in den Mittelpunkt der Kirche gerückt. Auf einem einfachen Unterbau steht sie jetzt auf dem Hochaltar. Ein neues Fenster von Schmitz-Krüger, Symbole der Kardinaltugenden in einen geschlossenen ornamentalen Rahmen fassend, zeigt den Weg, den man in der neuen Verglasung beschreiten will. Es fügt sich in seinen gestuften blauen Tönen sehr fein in den Raum ein.
Abendvorfeier
Seit drei Wochen in Vorträgen zur Geschichte von Oberpleis, zum Verhältnis der Abtei Siegburg zur Propstei Oberpleis und über die künstlerische Erscheinung der Kirche vorbereitet, begann die eigentliche Jahrtausendfeier mit einer abendlichen Feierstunde vor dem Hochkreuz am Samstag. Der Organist Schenk und der Kirchenchor gaben ihr einen schönen musikalischen Rahmen. Pfarrer Wichert betonte den religiösen Sinn der Gedenkfeier. Der aus Oberpleis stammende bekannte Berliner Prälat Buchholz sprach in tief zu Herzen gehenden Worten über den Wert der Heimat, deren beglückender Besitz immer neu erworben werden müsse und vor allem heute auch die Verpflichtung in sich schließe, den Menschen, die ihre Heimat verloren haben, neue Heimat zu schaffen. Ein Massenchor sang unter Leitung von Musikdirektor Kurscheid Beethovens Chor „Die Himmel rühmen“. Dann spendete Weihbischof Dr. Ferche der Pfarrgemeinde den bischöflichen Segen.
Der Festtag
Die Feierlichkeiten des Sonntags begannen mit dem Pontifikalamt, das Weihbischof Dr. Ferche unter Assistenz von Abt Ildefons Schulte-Strathaus O.S.B. aus Siegburg zelebrierte. Vor dem Festakt sprach der Bischof noch einmal bei der Festandacht im Freien zu der Pfarrgemeinde und den zahlreichen Festteilnehmern, die aus der Umgebung gekommen waren, und mahnte sie eindringlich an die verpflichtende und erneuernde Kraft des Gebotes der Liebe. - Beim Festakt im Saale Bellinghausen entbot Pfarrer Wichert den Gästen den Willkomm und richtete herzliche Worte des Dankes an alle, die an der Wiederherstellung der Kirche und der Ausrüstung der Feier mitgearbeitet haben. Er begrüßte besonders den Abt Ildefons, der während des Krieges, als von den Nazimachthabern die Abtei Siegburg geschlossen wurde, in Oberpleis ein Asyl gefunden hat, den Ministerialrat Theegarten als Vertreter der Landesregierung, den Regierungsdirektor Dr. Deermann von der Kölner Regierung, den Oberkreisdirektor Clarenz als Stellvertreter des erkrankten Landrats, den Dechanten Ibach von Königswinter, den Superintendenten Boue von Bonn und die Amtsbürgermeisterin Frau Regierungsrat Vurthmann. Er ließ seine Ansprache ausklingen mit dem Wunsche, dass das Haus Gottes, das nun schon tausend Jahre als Segensquelle inmitten der Gemeinde gestanden habe, weiterhin eine Stätte des Friedens und ein weithin sichtbares Symbol der Zukunft bleiben möge. In herzlichen Worten brachten die Vertreter der staatlichen Behörden, sowie Dechant Ibach und Superintendent Bous ihre Glückwünsche zum Ausdruck. Die Landesregierung gab als Festgeschenk 1000 DM für die Erneuerung der Kirche. Frau Amtsbürgermeisterin Vurthmann sprach dem Pfarrer Wichert den Dank der Gemeinde für seine Bemühungen um die Jahrtausendfeier aus. Mit einem Larghetto von Händel und einer Romanze von Bruch fügten Clemens Heinen (Klavier) und Isabella Schmitz (Geige) dem Festakt einen künstlerischen Akzent ein.
Das Oberpleiser Tausendjahrspiel
Der Dichter Werner Heinen, der auch in Oberpleis beheimatet ist, hat das „Oberpleiser Tausendjahrspiel“ geschrieben, das die Laienspielschar der Kolpingsfamilie Oberpleis zur Aufführung brachte. Das Spiel berichtet von der Gründung des Klosters in Oberpleis, an das im Zuge der Kämpfe zwischen Kaiser und Adel die Rechte des abtrünnigen Gaugrafen im Auelgau fallen, und von Irrweg und Umkehr des Walther von Blankenberg, der als weltlicher Herr eingesetzt wird. Es deutet einerseits die großen historischen Zusammenhänge an, lässt aber andererseits die Handlung aus den Elementen der Heimat erwachsen, den Rittern und Mönchen, den Bauern und Töpfern. Heines Werk ist ein Heimatspiel von echtem Gehalt und gepflegter Form. Aber es stellt an Laienspieler mit dem Auftreten zweier Erzbischöfe, mit einer großen Zahl charakteristisch umrissenen Persönlichkeiten und mit einer doch ziemlich verwickelten Handlung zu hohe Anforderungen. Trotzdem gelang es den Spielern, die Zuschauer zu fesseln, die mit herzlichem Beifall nicht sparten.“
(Kölnische Rundschau, Heimatteil Siegkreis, vom 21.09.1948)
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