Aufnahme: 1948
In der Krypta (Sonett von Werner Heinen)
Seltsam! Es wachsen Säulen aus Trachyt,
So rund und glatt, als wären sie gegossen,
Wie Stämme auch, die aus dem Dunkel sprosssn,
Bald stählern dunkel, bald wie Galalith
So makellos und weiß. Es ist, damit
Das Licht, das durch der kleinen Fenster Sprossen
Oder von e i n e r Kerze nur geflossen
Wie ein Lebendiges vor deine Seele tritt.
Denn, wenn auch dieser schwere Säulenwald
Die gleichen einfach schönen Kapitelle
Und Bögen schon achthundert Jahre trägt,
Er wechselt seinen eigensten Gehalt,
Wie deine eigne immer gleiche Seele
Sich dennoch in dir wandelt und bewegt.
So schloss sich Stein und edles Bildwerk kaum
Jemals zu einer inneren Gestalt.
Bald wähnst du dich in einem weiten Wald
Und bald in einem kleinen stillen Raum.
Und wieder schwebst du wie in einem Traum
über die Bögen, spürst du die Gewalt
Fast eines Doms aus Marmor und Basalt
Und mehr: des Lebens wunderbaren Baum,
Dass er sich im Unendlichen verzweige
Und dennoch ruhe in der hohlen Hand,
Die Gott einst, sein Geschöpf umgreifend, bog
Und das Gesetz wie einen Diamant
Mit tausend Lichtern dachte und erwog,
Dass sich die Welt in Andacht vor ihm neige.
(Quelle: Festschrift zur Tausendjahr-Feier der Pfarrgemeinde St. Pankratius Oberpleis, 1948, S. 94f.)
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