Aufnahme: 1947
Festgottesdienst zur Erstkommunion1947 in der Pfarrkirche St. Pankratius Oberpleis
Die Aufnahme entstand auf jeden Fall vor der Renovierung der Kirche zur Tausendjahrfeier 1948. Zu sehen ist noch der neugotische Hochaltar.
Erstkommunion in den 1940er Jahren
"Den schönsten Tag in meinem Leben hat mir mein Heiland heut gegeben"
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges - wie es vorher war weiß ich nicht zu berichten – wurden die Jungen und Mädchen im Alter von 9 bis 10 Jahren (in Ausnahmefällen auch mit 8 Jahren) zur Teilnahme an der hl. Kommunion geladen.
Zuvor fand in einem Klassenraum der Volksschule Oberpleis zwei Monate lang jede Woche mittwochs ab 15 Uhr eine Vorbereitungsstunde (Katechismus) statt, die in der Regel von Pfarrer Wichert höchstpersönlich geleitet wurde. Wir lasen im „Katechismus“, rezitierten darin enthaltene Lehrsätze und lernten sie auswendig, und der Pastor erklärte uns ihren Inhalt und den der Bibel.
Die meisten Katecheten hatten selbst einen Katechismus, damit sie auch zu Hause lernen konnten. „Hilfreich war auch ein kleines monatlich erscheinendes Heft mit dem Titel „Muttergottesglöckchen“, das uns der Pastor kostenlos zur Verfügung stellte.
So vorbereitet erwarteten wir den „Schönsten Tag in unserem Leben“, den uns der Herrgott bereiten sollte.
Am Tag vorher begaben wir uns einzeln in einen der Beichtstühle und erzähltem dem hinter einem kleinen Fenster mit Stoffgardine still zuhörenden Pastor alle läßlichen Sünden und auch die, die wir als Kinder für schwerwiegender hielten und wir empfingen das Sakrament der Vergebung unserer Sünden und fühlten uns wie Engel.
Gebadet und von allem Unrat befreit gingen wir rechtzeitig ins Bett, damit wir am anderen Tag ausgeschlafen der Dinge harren konnten, die da zu erwarten waren. Ein ausgiebiges Nachtgebet gehört natürlich dazu.
Am nächsten morgen wachten wir dann aufgeregt auf, wurden sauber eingekleidet und dann ohne Frühstück zur Kirche begleitet. Die Erwachsenen hatten am Abend vorher oder in der Nacht von der Haustüre bis zur Straße einen Weg aus Blumen und Blättern gelegt, der an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern sollte und über der Haustüre hing ein aus Tannenreisig geflochtener Kranz mit einem Schild, auf dem der oben erwähnte Text vom „Schönsten Tag ….“ zu lesen war.
So schritten wir dann würde- und erwartungsvoll mit einer neuen großen Kerze in der Hand
- vielfach auch der eigenen Taufkerze - zur Kirche. Einigen wurde während der Messe schlecht.
Ob das nun an der Aufregung, an der weihrauchschwangeren Luft oder am knurrenden Magen lag, ich weiß es nicht.
Die Messe kam uns unendlich lang vor, bis dann endlich der Moment kam, wo wir zum ersten Mal Jesus empfangen sollten. Wir knieten einzeln an den Stufen des Altars, schlossen die Augen, streckten die Zunge heraus und erwarteten voller Demut und Bravheit den Empfang der hl. Hostie, die uns der Pastor auf die Zunge legte. Die Hostie durfte nicht mit den Zähne berührt, durfte nicht gekaut werden und mußte so lange bei geschlossenen Augen im Mund verbleiben, bis sie schmolz. Zurück in der Bank wurde der Kopf gesenkt, das Gesicht mit den Händen bedeckt und wir versanken in religiöse Gedanken.
Nach dem Schlußsegen und dem obligatorischen Gruppenbild vor der Kulisse des Post-Mattes-Eck gingen wir dann zurück nach Hause, ließen die Gratulationen über uns ergehen und erfreuten uns der Geschenke. Meist war eine Armbanduhr dabei, mit der uns die Patin, de „Jörd“ und der „Pättchen“, der Pate, beglückten. Es wurde getafelt und getrunken, bis die Erwachsenen „lustig“ wurden. Nur wir Kommunionkinder mußten Bravheit ausstrahlen, durften die Kleider nicht beschmutzen, wurden früh ins Bett geleitet und verfielen dort ins leichte Grübeln, ob das wirklich der „Schönste Tag im Leben“ für uns gewesen sei.
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