Aufnahme: 1937
Renovierung des Retabels
Auf Veranlassung des Provinzialkonservators der Rheinprovinz Herrn Graff Wolff Metternich und mit Erlaubnis der Erzbischöflichen Behörde faßte im Juli d. J. der Kirchenvorstand den Beschluß, das Steinbild der „Anbetung der hl. 3 Könige" durch Frau Brabender aus Köln wiederherstellen zu lassen.
Dieses Bild, das früher als Relief in der Wand hinter dem rechten Seitenaltar eingemauert war, wurde bei der großen Erneuerung unserer Kirche im Jahre 1892 aus der Wand herausgenommen und auf dem rechten Seitenaltar aufgestellt. Man umgab es mit einem Steinrahmen, der für das Bild zu groß war und durch die bemalte Ornamentik die Figuren wenig hervortreten ließ.
Der Erneuerer unserer Kirche im Jahre 1892 war Herr Architekt Wiethase aus Köln.
In Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz lesen wir folgendes: „Romanisches Relief der Anbetung der Könige aus Tuff, Mitte des 12. Jahrhunderts, 1.72 m breit, 1.05 hoch; jetzt mit modernem Ornamentrahmen versehen, neu polychromiert und als Retabel des südlichen Seitenaltares aufgestellt.
Von den drei Platten, aus denen das Relief zusammengesetzt ist, zeigt die mittlere die Mutter Gottes, das Kind gerade vor sich auf den Knien haltend, in strenger archaischer Haltung auf einem Sessel mit gedrehten Stollen; links die 3 Könige eng aneinander gestellt in gleichmäßiger Haltung mit cylindrischen Gefäßen in den Händen, der vordere ist im Begriff, sich auf die Knie zu lassen, rechts drei lang gewandete Engel in ebenso monotoner Auffassung. Der Faltenwurf ziemlich fein in strenger Parallelanordnung; die Köpfe flach, mit großen platten Augäpfeln.
Das Werk gehört zeitlich und stilistisch zu den Chorschranken in Gustorf und noch mehr zu dem eng verwandten Retabel mit ähnlicher Darstellung in Brauweiler, ist aber wohl noch derber als dieses. Anfang August nahm Herr Steinmetz Reusch aus Grengelsbitze die Figuren aus dem steinernen Rahmen und stellte fest: daß das Mittelstück aus Marmor und die Seitenstücke aus Tuffstein bestehen. In unermüdlicher dreiwöchentlicher Arbeit entfernte dann Frau Brabender den mehrfachen Anstrich von den Figuren und legte die alte Bemalung bloß. Diese alte Bemalung wurde übearbeitet, aber so, daß das Antike gewahrt wurde. Heute stehen die Figuren wieder auf dem rechten Seitenaltar.
Wie in den letzten Wochen schon viele Kunstfreunde zur Arbeitsstätte von Frau Brabender in
den Kreuzgang gepilgert sind, so werden heute die Pfarrangehörigen von Oberpleis das wiederhergestellte Bild in Augenschein nehmen. Wir wollen dabei eine Gabe opfern für die Unkosten dieser Wiederherstellung. Wir wollen aber heute nicht nur ein Kunstwerk in Stein schauen, sondern wir schauen auf das, was es darstellt: Es spricht zu uns von dem Glauben der hl. 3 Könige an das Gotteskind auf dem Schoß der Mutter, von dem gläubigen Mittelalter, das dieses Bild schuf und von dem gläubigen Sinn der Menschen, die dieses Bild durch so viele Jahrhundert bewahrten, damit auch wir den Glauben bewahren und unseren Nachkommen unverfälscht weitergeben.
Schon heute sei all denen recht herzlich gedankt, die an der Neuschaffung des Bildes mitgewirkt haben, vor allem aber Frau Brabender, die durch diese Arbeit ihren Namen in die Geschichte der Pfarre Oberpleis für immer eingetragen hat.
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