Aufnahme: 1935
Pfarrkirche St. Pankratius 1935
Oberpleis und seine Pfarrkirche 3. Teil
Der Koblenzer Journalist 0. Skalberg besucht im Herbst 1935 Oberpleis und schildert seine Eindrücke
Unter dem Turm
Es blieb nicht bei den Kriegsschäden im 17. Jahrhundert. Im Jahre 1703 bereits erlebte die Propstei eine neue Plünderung durch französische Truppen.
Das kleine Gatter vor dem Taufstein, neben dem ich die Aufzeichnungen über die alte Propsteikirche ordnen wollte, habe ich, geführt von Neugier und Erinnerung, gründlich im Stich ge¬lassen. Der Boden, auf dem ich nun stehe, ist aufgeschütteter Grund. Dunkel, mit großer Kraft, ist der breite, ausschwingende Rundbogen unter dem Westturm darüber gespannt. Wie eine verwahrend gekrümmte Hand legt er seine runde Steinschiene über die Sicht in die bäuerlich bunten Rippen und Schlusssteine der Gewölbe. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde das Langhaus eingewölbt, und über der Krypta entstand ein neuer Chorbau. In den Jahren 1891 bis 1894 wurde die Kirche nach den Plänen des Kölner Architekten Wiethase wiederhergestellt, die Chorpartie ergänzt und die Krypta unter dem alten Querhaus freigelegt.
Die Krypta
Was für ein Raum unter der Erde: Säule presst sich an Säule, Bogen schneidet mit Sichelschnitten über Bogen, Dunkelheit und Licht, Schwarz und Weiß stoßen in mächtige Würfel-, Kegel- und Pyramidenformen durcheinander. Dabei ist diese Krypta nicht groß, nein, sie ist klein, eine Handvoll Irrgarten, eine unterirdische Klause, von Tropfsteintonnen verstellt, 21 Kreuzgewölbe mit unregelmäßigen Feldern brüten über zwölf Säulen und flachen Wandleisten; die lappigen Mammutköpfe der weißen Würfelkapitelle starren wie ausgesandte fossile Wachtposten aus der Krypta des Bonner Münsters vor dem Tonnengewölbe der Altarnische. Oben ist alles lichter, weiter geworden nach dieser heftigen Nacht zwischen den Kryptasäulen, obwohl der Nachmittag die Sonne nach und nach hinter die Bäume rollen ließ.
Versteinertes Bild
Über dem südlichen Seitenaltar hängt ein steinernes Relief aus romanischer Zeit, von höherem als die Kirche selbst, ja, die der Kunstgeschichte Kundigen sind uneins, ob es dem 10. oder dem 12. Jahrhundert zuzuzählen sei. Es ist in einem rechteckigen, gleichgültig ornamentierten Tuffrahmen eingefügt; steife, entrückte Würde macht es überfestlich: sieh, eine fast byzantinisch starre Anbetung der Könige; mit zylindrischen Gefäßen in den Händen nahen sie sich, die Drei Könige aus dem Morgenland, einer kaum unterscheidbar vom anderen; nur der erste knickt linkisch sein Knie vor der Gottesmutter, die mit zwei kerzengrade erhobenen Fingern, in archaischer Kühle, die eintönig feierliche Näherung der Könige und der langgewandeten Engel mit den knopfartigen Augen erwartet. Gemmenhaft festgehalten, versteinert ist jede Erwartung und Spannung, die zeitlicher Art sind, in verweilender überirdischer Gewissheit - wie viel Größe in einem Stein. Er liegt mitten im Siebengebirge, in der alten Pfarrkirche von Oberpleis.
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