Aufnahme: 1927
Festschrift zum silbernen Priesterjubiläum von Hochwürden Herrn Pfarrer Robert Lemmen
Ein Lebensbild
Der Hochw. Jubilar, Pfarrer Rob. Lemmen, wurde geboren am 1. September 1874 zu Köln am Rhein als Sohn einer achtbaren Beamtenfamilie. Er besuchte in Köln die Volksschule und die ersten Klassen des Gymnasiums. Nach der Versetzung seines Vaters als Postmeister nach Prüm in der Eifel, setzte er am dortigen Gymnasium seine Studien fort, um schließlich nach der Rückversetzung des Vaters nach Köln am Marzellengymnasium seine Reifeprüfung zu machen. Dem früh erwachten Priesterberuf treu bleibend, begann er alsbald an der Universität in Bonn das Studium dir Theologie. Neben den ernsten Studien hatte er von Jugend auf eifrig die schöne Musik gepflegt und es zu beachtenswertem Können gebracht, sodass man ihm im Theologenkonvikt zu Bonn die Leitung des Chores und Orchesters übertrug. Nach der weiteren wissenschaftlichen und asketischen Ausbildung im Priesterseminar zu Köln, empfing er am 15. März 1902 im hohen Dom in Köln die hl. Priesterweihe aus der Hand des Erzbischofs Hubert- Simar. Sein erstes hl. Meßopfer brachte er in Erkelenz, der Heimat seiner Eltern, Gott dem Herrn dar.
Die erste Stelle als Kaplan erhielt der Neugeweihte in Kerpen, wo er, dank seiner musikalischen Befähigung, mit großem Erfolg den Gesellenverein leitete. Drei Jahre darauf wurde er als Kaplan an St. Gereon nach Köln berufen. Dort, in der Großstadtseelsorge, fand er ein großes und weites Betätigungsfeld. Aber auch seiner lieben Musik konnte er sich dort reichlich widmen. Er dirigierte den Kirchenchor, und sein unermüdliches Streben ging vor allen Dingen dahin, den Gesang der hl. Kirche, den Choral, seinem Chor und dem Volke verständlich und lieb zu machen. Nach 7-jähriger Tätigkeit an St. Gereon in Köln wurde der Hochw. Jubilar am 12. Dezember 1911 zum Pfarrver-walter von Oberpleis ernannt und am 1. April 1913 endgültig als Pfarrer bestätigt. 15 Jahre versieht er nun schon den hl. Dienst in unserer Gemeinde. In dieser Zeitspanne liegen die schweren Jahre der Kriegs- und Nachkriegszeit, Jahre voll von Unruhe, Not und Unglück.
Kein Mensch kann meinen, was in diesen furchtbaren Jahren an äußeren Gütern und Werten vernichtet wurde. Aber noch viel weniger kann ein Mensch ermessen, welche Verwüstung in den Seelen der Menschen angerichtet wurde. Nur wer die Bedeutung dieser seelischen, wirtschaftlichen und politischen Umwälzung in Betracht zieht, wird das Wirken auch unseres Pfarrers und Seelsorgers recht zu würdigen wissen. Auch ihm hat der Krieg manches lieb-gewordene Werk zerschlagen, so den Plan des Kirchenbaues in Thomasberg. Doch über den Trümmern darf man das Gebaute nicht vergessen! Der tatkräftigen Arbeit des Jubilars ist es zu danken, dass aus der Trübsal der Separatistenaufstände ein neues freudiges Geläute hervorging, das, im Herbst 1924 getauft, nun unser aller Stolz ist. Aber die Daten dieser äußeren Begebenheiten können all jene Arbeit nicht erfassen, die Pfarrer Lemmen auf dem Gebiete der eigentlichen Seelsorge zur Hebung des kirchlich-religiösen Lebens in der weit ausgedehnten Pfarrei geleistet hat. Er hat den Mütterverein ins Leben. gerufen, den Elisabethenverein und den Paramentenverein.
Von diesen hat besonders der Elisabethenverein, als der einzige Träger der kirchlichen freien Liebestätigkeit, nach außen hin recht segensreich gewirkt in den Notjahren der Nachkriegszeit. Die sorgfältige Pflege des kirchlichen Gesanges war dein Jubilar bei seinem großen musikalischen und liturgischen Interesse eine selbstverständliche und liebe Pflicht. Mit der Kinderwelt hat ihn von jeher eine besondere innige Liebe verbunden und im Religionsunterricht zeigte er sich nicht als gestrenger Lehrer, sondern vielmehr als gütigen Vater. Den ganzen Segen seiner verborgenen priesterlichen Tätigkeit in der Seelenberatung wir die Außenwelt ja nie erfahren können. Nur Gott, sein Herr und Meister, dessen Dienst er sein Leben geweiht hat, wir ihm seine Arbeit nach Verdienst lohnen können. Aber was seine Pfarrkinder ihm geben können, das dürfen sie ihm heute, an seinem Ehrentag, nicht vorenthalten, nämlich den innigsten Dank und die herzlichsten Segenswünsche für sein ferneres Wirken.
ad multos annos!
Im Namen aller wünsch' ich Dir
Zum Jubelfeste Glück und Segen!
0 mögest Du noch lange hier
Des heil'gen Priesteramtes pflegen.
Du hast als Hirte treu geschafft
Für Gottes Ehr' in heißem Streiten;
0 möge fortan Mut und Kraft
Auf Deinen Wegen Dich begleiten.
Ja, wirke so noch manches Jahr,
Bis einst die Siegeskron Dein eigen!
Wir aber wollen immerdar
Uns Deiner Führung würdig zeigen.
Begleitet von den treuen Schäflein allen,
Betrittst Du heute festlich den Altar.
Aus frohen Herzen hörst Du's wiederhallen:
„Heil Dir und Segen -- Priesterjubilar!"
Seit fünfundzwanzig stürmevollen Jahren
Hast Du der Kirche Weinberg. treu bebaut;
Die Segenswünsche all es offenbaren,
Wie reich der Himmel deine Müh'n betaut.
Und mitten in des Sturmes düstern Stunden
Erneust Du heut den segensvollen Lauf;
Drum alle, die Dein Vaterherz gefunden,
Dir rufen zu aus voller Brust: „Glückauf!"
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