Die Legende der heiligen Elisabeth, Oratorium von Franz Liszt

Aufnahme: 1893

Die Legende der heiligen Elisabeth, Oratorium von Franz Liszt

Das Oratorium wurde vom Oberpleiser Gesangverein 'Cäcilia' 1893 in historischen Kostümen aufgeführt.

Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen 1231

Des Königs Andreas II. von Ungarn Tochter war Elisabeth, ein Mägdlein von zarter Unschuld und inniger Gottesliebe. Ihr liebster Gang war in die Kirche, und kaum konnte sie vomTabernakel, beim Gezelte des Herren, hinweggebracht werden. Das goldene, mit Edelsteinen besetzte Krönlein, das sie an Festen tragen mußte, legte sie beim ersten Eintreten in die Kirche ab und zu den Füßen des Gekreuzigten nieder, indem sie sagte: „Es sei fern von mir, daß ich jemals mit einer solchen Krone erscheine vor dem Angesichte meines Gottes, der mit Dornen gekrönt und mir zuliebe ans Kreuz geheftet worden ist

Aus Gehorsam gegen die Eltern verehelichte sich Elisabeth mit Ludwig, dem Landgrafgen von Hessen und Thüringen, und war durch ihre reine Liebe die Wonne ihres Gemahls, dem sie vier Kinder schenkte. Daneben war sie eine Mutter der Armen und Waisen, erbaute ein großes Spital, verschenkte oft ihren Schleier oder ihren Mantel den Bettlern,ja brachte ihnen selbst die Speisen vom Schosse hinab. Einst begegnete ihr auf einem solchen Gange der Gemahl und schaute, was sie im Mantel trage, -. Sah aber zu seinem Staunen statt der Lebensmittel die lieblichsten Rosen, obwohl zur selben Jahreszeit keine Rosen blühten.

Als ihr lieber Gemahl auf dem fünften Kreuzzuge starb und sie Witwe geworden, kamen schwere Prüfungen über die Heilige. Vom bösen Schwager der Regierung und aller Besitzungen beraubt, mußte die Heilige als Bettlerin mit ihren Kindern im Lande herumziehen. Ein Viehstall war für die erste Nacht ihre Wohnung; um Mitternacht erhob sie sich, ging zum Kloster der Franciscaner und bat die Mönche, ein Te Deum laudamus zu singen, um Gott für diese Trübsal Dank zu sagen.

Ein altes Weib, welchem die Fürstin früher viel Gutes getan hatte, warf sie sogar mit Hohn in die Pfütze, - die Heilige reinigte geduldig, ohne ein Wort des Vorwurfes, ihre Kleider. Als später ihr Schager sein Unrecht einsah und um Verzeihung bat, wurde ihr die Stadt Marburg als Witwengut angewiesen. Hier ließ sie sich neben dem Franciscanerkloster eine ärmliche Wohnung bauen und legte als Schwester des Dritten Ordens die feierlichen Gelübte ab. In dem großen Spitale, das sie gegründete und dem heiligen Franz von Assisi weihte, diente sie bis zu ihrem seligen Tode mit aufopfernder Liebe den leidenden Brüdern ihres göttlichen Heilandes.

Quelle: „Kleine illustrierte Heiligen-Legende, Verlag Benziger, Einsiedeln, Waldshut, Cöln a/Rh.
13. Auflage 1886

Quelle
„Kleine illustrierte Heiligen-Legende, Verlag Benziger, Einsiedeln, Waldshut, Cöln a/Rh.13. Auflage 1886Bild von 1893Scan und Bildbearbeitung: Willi Joliet und Franz BellinghausenQuelle: Druck von E. R. Schurich, München, 1866
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet (Bild) Paul Winterscheidt (Text der Heiligenlegende))
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