Aufnahme: 1891
St. Pankratius Oberpleis
Choransicht vor der grundlegenden Restaurierung (1891-1894) unter Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase.
Das Bild zeigt die Propsteikirche aus nordöstlicher Richtung betrachtet.
Markante Details:
1. Stützmauer am Querschiff vor dem Bau der Sakristei in den Jahren 1892/1893,
2. Fenster in der Nordwand und
3. Vierungsturm.
Deutlich ist auch die Schräglage der nördlichen Wand des Querschiffes zu erkennen.
Anmerkung: Das Foto ist als Tafel VIII in dem Buch Edmund Renard, "Die Kunstdenkmäler des Siegkreises" (Düsseldorf 1907) abgebildet
Bildarchiv Foto Marburg MI026003b09
Dr. Hartmut Beseler in: 65 Jahre Denkmalpflege an der Propstei Oberpleis, Köln 1956, zu den Restaurierungsmaßnahmen, die Diözesanbaumeister Heinrich Wiethase in den Jahren 1891-94 leitete:
In einer kleinen Druckschrift legte Wiethase 1890 dem Provinziallandtag die Gesichtspunkte seiner geplanten Arbeit dar: „Das Gesammtbauwerk in seinen konstruktiven Theilen zu erhalten und ihm gleichzeitig ein Ansehen zu geben, welches mit dem ursprünglichen möglichst in Einklang steht." Als vordringliche Aufgabe sieht er die statische Sicherung des nördlichen Querhausarmes. Er glaubt, an die Stelle des „unförmlichen Mauerklotzes am besten einen einfachen Sakristeibau" setzen zu sollen. Das Ergebnis ist der heutige freistehende Baukörper, dessen Obergeschoss über eine massive Brücke vom Chor her zugänglich ist. Die aufwendige Mauerbehandlung mit gestockten Eckquadern tut ihr Übriges. Hier wurde die statische Sicherung zum Vorwand genommen. Sie wäre mit geringerem Aufwand zu bewältigen gewesen. Die von der kirchlichen Nutzung geforderte Sakristei fand die weiche Stelle, zumal die Bausubstanz hier ohnehin lädiert war. Wer mit kirchlicher Denkmalpflege zu tun hat, weiß, dass der Anbau bzw. die Erweiterung von Sakristeien zu den undankbarsten Aufgaben gehört: man kann höchstens übertriebene Ansprüche auf Raumkomfort einengen. Wir wollen deshalb keinen Stein auf den Architekten werfen, dass er an die Stelle einer plumpen Flickung einen klotzigen Baukörper setzte, der nun die architektonisch empfindlichste Stelle des Kirchenäußeren verunklärt. Heute würde man prüfen, ob nicht überhaupt auf einen zusätzlichen Bau hätte verzichtet werden können. Mit einem kleinen Durchbruch könnte man aus der Apsis in das südöstlich tangierende Pfarrhaus gelangen.
Ein Eingriff Wiethases dagegen ist unentschuldbar. Ohne triftigen Grund hat er die Zwickelräume unter den ehemaligen Treppentürmen verändert. An dieser geistreichen Schöpfung der Spätromanik reduziert Wiethase den in drei Konkaven leicht ausschwingenden Grundriss und verfälscht damit leichtfertig das gebaute Dokument. Man mag eine solche Sünde wider den Geist der originalen Schöpfung entschuldigen mit den damals noch kaum zum Gemeingut gewordenen Grundsätzen der Denkmalpflege - ein empfindlicher Beobachter wie Wilhelm Effmann beklagte sie bereits als Zeitgenosse.
Während gottlob der weitere Plan eines neuen südlichen Kreuzgangflügels (als zusätzliche Kapelle) entfiel, fühlte sich Wiethase irritiert durch das letzte im nördlichen Seitenschiff erhaltene romanische Fenster. Es wurde seinen gotischen Nachbarn angeglichen. Der Uniformierung wurde die individuelle Form als Zeugnis einer geschichtlichen Entwicklung geopfert. Dagegen ist die Absenkung des Kryptenfußbodens auf das ursprüngliche Niveau als reiner Gewinn zu buchen. Die übrigen baulichen Maßnahmen Wiethases beschränkten sich auf Instandsetzungen des Mauerwerks.
Der selbstsicher romanisierenden Hand Wiethases vom Außenbau begegnen wir im Innern wieder.“
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.