Aufnahme: 1881 (2)
Totenzettel von Johann Hertel, Pfarrer an St. Pankratius Oberpleis von 1844 bis 1881
"Betet für die Seele des hochwürdigen Herrn Johann Hertel, Pfarrers und Jubilarpriesters in Oberpleis.
Der theure Hingeschiedene wurde geboren zu Bonn am 15. Oktober 1803 und zum Priester geweiht am 21. April 1829. In demselben Jahre wurde er zum Hauskaplan des ehrwürdigen Dechanten Eskens in Siegburg ernannt und fungirte nach dessen Tode als Stadtkaplan daselbst bis zum Jahre 1836. Noch jetzt ist seine dortige Wirksamkeit bei Manchen in gesegnetem Andenken und wird seines Seeleneifers, seiner unermüdlichen Thätigkeit, seiner Liebe zu den seiner Seelsorge anvertrauten Gläubigen rühmend gedacht. In der Folge wirkte er acht Jahre lang als Pfarrer zu Dattenfeld und wurde dann im Jahre 1844 zum Pfarrer der weit ausgedehnten Pfarrei Oberpleis ernannt.
Von 1850-55 versah er das Amt eines Dechanten und Schulpflegers. In seiner Stellung als Pfarrer von Oberpleis arbeitete er unermüdlich und mit schönen Erfolgen für das Wohl seiner Pfarrkinder. Seine einzige Sorge war das ihm anvertraute Amt, und nach allen Seiten hin suchte er die ihm durch dasselbe auferlegte Pflichten zu erfüllen. Ihm vorzüglich verdankt die Gemeinde die Erhaltung ihres ehrwürdigen Gotteshauses; er war es, der nach fast 1000jährigem Bestehen der Pfarrei zuerst den Gedanken faßte und durchführte, in dem entlegenen Theile derselben eine Filiale zu errichten, und seine nächste Umgebung ist Zeuge gewesen, mit welcher Hingabe er hierfür arbeitete und welche Opfer er gebracht hat. Nicht minder segensreich wirkte er für das Armen- und Schulwesen, und Alle, welche hierin mit ihm gearbeitet, bewahren für ihn eine anerkennende Erinnerung. Seinen Mitbrüdern im geistlichen Amte war der Verstorbene ein treuer, lieber Freund, der immer mit Rath und That zu helfen bereit war.
Im Jahre 1879 feierte er unter außerordendtlicher Theilnahme und begeistertem Jubel der Gemeinde und der Priester seines Decanates sein fünfzigjähriges Priesterjubiläum, bei welchem sich allgemein der lebhafte Wunsch äußerte, der ehrwürdige Greis möchte noch lange inmitten seiner Gemeinde verbleiben. Allein der Allmächtige wollte ihm die Krone der Gerechtigkeit nicht lange mehr vorenthalten. Seit jenem schönen Feste nahmen seine Kräfte zusehends ab, so daß er sich seit länger als einem Jahr bereits jeglicher amtlichen Thätigkeit enthalten mußte. Am 30. Mai 1881 traf ihn ein heftiger Schlaganfall, in Folge dessen er sein segensreiches Leben am 2. Juni desselben Jahres, mit den hh. Sakramenten versehen, beschloß. Möge seine standhafte Glaubenstreue, seine unerschütterliche Anhänglichkeit an die heilige Kirche, sein reines priesterliches Leben, der von ihm heißgeliebten Gemeinde immerdar als Muster dienen. Seine liebe Seele wird dem hl. Opfer der Priester und dem frommen Gebete der Gläubigen, namentlich seiner Pfarrkinder, empfohlen, auf daß sie desto eher ruhe in Frieden."
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