Aufnahme: 1803 (Brief)
Antrag des Siegburger Expriors Alexander von Neumüller zur Administration der ehemaligen Benediktinerpropstei Oberpleis
Lebensdaten
Alexander von Neumüller, geboren am 1. März 1766 trat am 4. Oktober 1786 in die Benediktinerabtei Siegburg ein. Die Priesterweihe empfing er am 7. März 1789.
Vom 28. August 1793 bis zum 17. Juni 1796 ist er als Küchenmeister, vom 30. Juni 1798 bis 1799 als Kellner und 1802 als Prior bezeugt. 1803 bat der Exprior der Abtei Siegburg um die Administration der ehemaligen Benediktinerprostei Oberpleis. Nach Übertragung der Administration übersiedelte er noch 1803 von der Exabtei Siegburg in die Expropstei Oberpleis. Alexander von Neumüller starb am 7. September 1810 in Oberpleis.
Geschichtsdaten
Nach dem Frieden von Luneville vom 9. Februar 1801, musste das Gebiet des linken Rheinufers an Frankreich abgetreten werden. Die Abtei Siegburg und die Propstei Oberpleis verloren dabei ihre linksrheinischen Besitzungen. Im Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Januar 1803 wurden die deutschen Fürsten für ihre verlorenen linksrheinischen Gebiete geistliche Territorien und Klosterbesitz übereignet. Die bergische Regierung verfügte noch im gleichen Jahr am 12. September das Benediktinerkloster Siegburg und die Propstei Oberpleis aufzuheben. Die Gebäude der ehemaligen Benediktinerpropstei Oberpleis fielen an das Herzogtum Berg. Trotz der verhältnismäßig hohen Einkünfte waren bei der Aufhebung der Propstei Oberpleis Schulden vorhanden. Es ist anzunehmen, dass sie zum Teil auf die Kriegswirren und die Kontributionen seit 1794 zurückgingen, doch hat auch die alles andere als sparsame Lebensführung der Pröpste dabei eine Rolle gespielt.
Verbürgte Daten und Fakten während seines Wirkens in Oberpleis
Reliquien der hl. Felicitas wurden 1803 aus dem Bonner Schloss nach Oberpleis gebracht. Am 25. Februar 1804 fand vor dem Landdinger von Blankenberg Legrand, in Oberpleis eine Gemeindeversammlung statt, auf der die Oberpleiser den Wunsch äußerten, dass der Kurfürst ihnen die durch die Säkularisierung in seinen Besitz übergegangene Propsteikirche, die gerade groß genug sei, überlassen werde, weil die alte Kirche durchaus irreparabel wäre. Andernfalls müsse eine neue, größere Pfarrkirche als die bisherige erbaut werden.
Am 9. April 1805 genehmigte die herzogliche Regierung in Düsseldorf den Kirchentausch. Die Propsteikirche wurde Pfarrkirche, die alte Pfarrkirche Gemeindebesitz, bis sie um 1820 abgebrochen wurde, um einem Schulbau zu weichen. Das Inventar der Propstei und der Wirtschaftshof wurden versteigert. Die Propsteigebäude von 1645 stellte der Staat als Pastorat und Vikarie zur Verfügung.
1805 erfolgte die Überführung eines Reliquienaltars aus dem Kloster Heisterbach zur Propsteikirche in Oberpleis. Neben dem Reliquienaltar wurden auch zwei Beichtstühle aus der aufgehobenen Klosterkirche Heisterbach nach Oberpleis gebracht.
Am 21. September 1805 kam Johann Wilhelm Stricker als Schulvikar und Frühmesser nach Oberpleis. Auf seinem Grabstein auf dem Oberpleiser Friedhof wird er als ‚Gründer der Schule‘ bezeichnet. Das Schullokal war in der Vikarie der ehemaligen Propsteigebäude. Ein Versuch, in der alten Pfarrkirche zu unterrichten, dürfte wegen deren Baufälligkeit gescheitert sein.
1806 wurde der Hochaltar nebst Tabernakel und Kommunionbank errichtet, alle drei Altäre nebst den Statuen gestrichen und vergoldet sowie 16 Kirchenbänke aus der ehemaligen Pfarrkirche repariert. Am 30. Oktober weihte Exabt Johann Freiherr Speyart zu Woerden den neu errichteten Hochaltar zu Ehren des hl. Pankratius.
Am 19. August 1807 starb Charlotte Elisabeth Regina Gräfin von Hillesheim, eine ehemalige Stiftsdame zu Vilich. Sie war die letzte aus der Familie, der seit 1636 das Haus Niederbach gehörte und das Erbbegräbnis in der Oberpleiser Pfarrkirche besaß. Kurz vor ihrem Tod vermachte sie ihr Vermögen und den Rittersitz Niederbach ihrem Großneffen Franz Graf von Spee.
Am 12. Februar 1808 wurde im Großherzogtum Berg die Leibeigenschaft abgeschafft. Alexander von Neumüller holte im Oktober 1808 in feierlicher Prozession einen Reliquienaltar in barocker Fassung nebst einem Rokokogitter von 1751 aus der aufgehobenen Zisterzienserabtei Heisterbach nach Oberpleis. Anmerkungen: Die Reliquien ruhen jetzt im Schrein in der Krypta und das Rokokogitter befindet sich im Schnütgen-Museumin Köln.
Der Heisterbacher Verwalter Scheven führte am 27.10. 1808 als Grund für die Wertminderung der Heisterbacher Abteikirche u.a. an, dass ein Reliquienaltar der Kirche in Oberpleis überlassen worden sei.
1810 Am 1. Januar trat das neue Gesetzbuch der Code Napoleon in Kraft. Die Zivileheschließung wurde obligatorisch. Die kirchliche Trauung durfte erst nach der bürgerlichen Trauung vorgenommen werden.
Am 7. September 1810 starb Alexander von Neumüller, der ab 1803 die Auflösung der Propstei Oberpleis leitete. Eine neue Zeit hatte für Oberpleis begonnen.
Text 2
Akten zur Auflösung der Propstei im Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland:
Verwaltung der Propstei Oberpleis und Immobilienverkauf durch den Siegburger Prior Freiherrn Alexander Neumüller
AA 0637 / Großherzogtum Berg AA 0637, Nr. 0 - 1011 V
Rechnungsablage des Administrators Alexander von Neumüller für 1806/1807
AA 0639 / Generalgouvernement Berg AA 0639, Nr. 513
Revision der Rechnungen des verstorbenen Verwalters der ehemaligen Propstei Oberpleis, Freiherr Alexander v. Neumüller. Für 1806 - 1807
AA 0639 / Generalgouvernement Berg AA 0639, Nr. 1054
Rechnungslegung des Alexander von Neumüller über die Gefälle der Propsteinfür 1806 – 1807 sowie über die Rückstände aus der Verwaltung der Pröpste von Copons und von Schirp
AA 0637 / Großherzogtum Berg AA 0637, Nr. 717
Zentralkasse (Lagerbuch)
Enthält: Empfang vom 1. September 1805 bis 31. August 1806 (Einzahlungen der Lokalverwalter Jansen, Scheven, v. Hauer, Deycks (aus Burg), v. Neumüller, Leunenschloß, Meyer); Empfang vom Bischofshof; extraordinärer Empfang von abgestandenen Lokalverwaltern und wegen verkaufter Zehnten und Realitäten
AA 0637 / Großherzogtum Berg AA 0637, Nr. 770
Steuern und Kriegskosten (von geistlichen Gütern) bzw. Gütern der im Bergischen aufgehobenen geistlichen Korporationen
Enthält u.a. Berichte des Lokalverwalters Scheven mit detaillierten Listen über geistliche Güter in den Ämtern Blankenberg, Löwenberg und Lülsdorf, sowie des Verwalters der ehemaligen Propstei Oberpleis, Alexander von Neumüller.
AA 0637 / Großherzogtum Berg AA 0637, Nr. 717
W. Effmann, Die Propsteikirche zu Oberpleis, in: Zeitschrift für christliche Kunst, V. Jahrgang, Düsseldorf 1892, I. 39-46, II. 109-124 und III. 171-178
Edmund Renard, Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. 5. Band: Die Kunstdenkmäler des Siegkreises 1907.
Dieter Froitzheim, Staatskirchenrecht im ehemaligen Großherzogtum Berg, Amsterdam 1967
Lagerbuch der Pfarrei von 1644 in: Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis, Siegburg 1955
GERMANIA SACRA, Neue Folge 9, Erzbistum Köln 2, Die Benediktinerabtei Siegburg, bearbeitet von Erich Wisplinghoff, Siegburg 1975
Mauritius Mittler (Herausgeber), Beiträge zur Geschichte der Abtei Siegburg, Siegburg 1977 Robert Flink, Die ehemalige Benediktinerpropstei St. Pankratius in Königswinter- Oberpleis,
Rheinische Kunststätten Heft 80, Neuss 1982
Wikipedia
Etwas zu ergänzen?
Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.