Aufnahme: 1244
Inkorporation der Oberpleiser Pfarrkirche aus Anlaß der Schäden der Propstei im Thronstreit Philipps von Schwaben und Ottos IV.
a) Bestätigungsurkunden zur Inkorporation (Eingliederung, Zuweisung)
Papst Honorius III. bestätigte 1224 die Inkorporationen von 1206; 1244 ebenfalls Erzbischof Konrad von Hochstaden unter Berufung auf Bruno, Innozenz und Honorius; 1247 der Propst von Bonn als Archidiakon unter Bezugnahme auf die Papstprivilegien von 1206 und 1224 und die Anordnung Erzbischofs Konrad von Hochstaden. Die Investitur des Klerikers Conrad an der Kirche in Oberpleis erklärte er für ungültig. Demnach scheint offenbar ein Gegensatz zwischen Archidiakon und Abt bestanden zu haben, auf Grund dessen der Propst von Bonn diese Investitur Conrads vollzogen hatte. 1248 wiederholt Erzbischof Konrad von Hochstaden die offenbar angefochtenen Inkorporationen unter Zitierung der Urkunden Brunos und seiner eigenen von 1244. In einer weiteren Urkunde von 1248 wies der Erzbischof die Ansprüche des Plebanus Conrad zurück und legte diesem „ewiges Schweigen“ auf. Der Erzbischof bestätigte der Abtei das Recht, die Pfarrstelle in Oberpleis durch einen Mönch der Abtei besetzen zu lassen. In der Urkunde von 1280, nach der Alexander von Manderscheid, Kanonikus und ehemaliger Dekan von St. Gereon in Köln, eine Güterstiftung zur Gründung einer Siegburger Klosterzelle machte, wird noch einmal ein Plebanus Conrad, wohl von Oberpleis, genannt: et Conrado plebano Plesensi. Durch diese Schenkung ist die Propstei Oberpleis in den Besitz von Ländereien des Grimmersdorfer Hofs, nordöstlich von Adendorf, gekommen, den sie 1538 dem Kloster Marienforst bei Godesberg verkaufte. Dieser Conrad ist vielleicht identisch mit dem vom 1247/8.
b) Die Inkorporation der Pfarrkirche
Erzbischof Bruno IV. von Köln gestattete 1206 auf die Bitten des Abtes Otto vom Michaelsberg „propter molestias et rerum intolerabiles perditiones, quas et vos et vobis subiecte celle propter deum et romane ecclesie obedientiam cum gaudio sustinuistis“, daß die Einkünfte der Pfarrkirchen zu Oberpleis und Zülpich, deren Patronatsrechte dem Abt zustehen, während die Seelsorge von den Mönchen der dortigen Propsteien, sie werden als monasterii bezeichnet, ausgeübt werde, fortan auch diesen Mönchen zufließen solle. Die Abgaben an Erzbischof, Archidiakon und Dechant bleiben. In der Bestätigungsurkunde Papst Innozenz III. von 1206 heißt es: Cum igitur dilectus filius Coloniensis Electus attendens monasterium vestrum multis quassatum tribulationibus et iacturis utpote in inimicorum medium constitutum ad relevationem ipsius parrochiales ecclesias constitutas in duabus cellis monasterii vestri videlicet Plense (statt: Pleyse) et Zulpiaco divine pietatis intuitu vobis in usus proprios duxerit concedendas. Die beiden Belege sind ein deutlicher Hinweis auf den Thronstreit zwischen Philipp von Schwaben und Otto IV. 1218 bestätigte Erzbischof Engelbert I. den Besitz des Klosters Oberpleis. Dort heißt es: Statum igitur religiosarum domorum ad nostram dyocesim pertinentium erigere et contra totius calumpnie ruinam clippeo pie protectionis munire debemus et ex debito compellimur.
Die Kölner Königschronik hat uns das furchtbare Unglück geschildert, das besonders das Rheinland getroffen hat: Werra magna et dissensio nimis timenda oritur inter principes Theutonicos de imperio, so beginnt sie ihren Bericht über den Bruderkrieg im Jahre 1198. Die Scharen Philipps zogen von Andernach rheinabwärts, omnia vastantes, incendia permiscebant. Exustum est eodem tempore (1198) Regimagium et Bunna cum multis circa iacentibus villis; nee erat qui furentibus et vastantibus occuerreret aut resisteret, omnibus ad loca munitiora se conferentibus, ita quod illi iuxta Coloniam pene ad duo miliaria accesserant. Multa nefanda et misera relatu inpurrissima illa barbaries patravit . . cum ergo satis in episcopatu Coloniensi desevissent ... ad sua retulerunt, in itinere exurentes Anternacum. Als der gebannte Erzbischof Adolph von Altena durch Otto und seine Anhänger 1205 entsetzt wurde, wurde Propst Bruno von Bonn, Graf von Sayn, zum Erzbischof gewählt, derselbe, der 1206 die Inkorporationen der Abtei Michaelsberg gewährte. Unde mox per totum episcopatum werrae plurimae et graves per episcopos et eorum complices oriuntur; fiunt incendia ubique, predones emergunt undique, bona ecclesiarum rapiuntur, curtes earum et villae exuruntur, fiunt depredationes pauperum oppidanorum, expoliationes viduarum et pupillorum. Philipp zog noch im Herbst nach Köln und belagerte es. Neuß erhielt Erzbischof Adolph. Hiis gestis, totam terram illam concremando, diripiendo pertransit und erreichte Bonn. Zisterzienser verhandelten in Köln und Bonn um Frieden. Litterae etiam domni papae illis diebus Coloniae presentantur, in quibus invasores ecclesiarum iubentur excommunicari et tota terra eorum sub interdicto poni. Unde magis in insaniam versi idem raptores omnem furorem suum in clerum exagitant, curtes et predia eorum sibi vendicant, reditus omnes per bienniurn diripiunt, et in tantam pauper-tatem ecclesiae deveniunt, ut, quicquid ornatus in auro et argento et gemmis pre-ciosis in eis ab antiquitus servatum fuerat, totum distractum et venditum sit. Bei Caesarius von Heisterbach heißt es in „Leben, Leiden und Wunder des hl. Engelbert von Köln“: Quanta eodem tempore in episcopatu Coloniensi perpetrata sint incendia, provincie vastate, ecclesiarum bona direpta.
Die Abtei hatte, wie soviele Städte, Klöster und Dörfer, unter diesem Bruderkrieg zu leiden und tatsächlich Schäden erlitten. Alle Belegstellen sind kein zwingender Hinweis auf Schäden der Propste! in Oberpleis. Solche Redewendungen können auch im übertragenen Sinne gemeint sein. Die Baugeschichte der Propstei in Oberpleis beweist aber, daß die Redewendungen nicht bildlich, sondern wörtlich zu verstehen sind. Es ist wahrscheinlich, daß die Propsteikirche in diesem Thronstreit durch einen Brand heimgesucht worden ist. Holzdecke und Dachstuhl, auch des Turmes, werden abgebrannt sein, die Seitenschiffe sind wahrscheinlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß alle Schiffe eingewölbt und die Außenmauer des nördlichen Seitenschiffes neu errichtet werden mußte. Der Westturm hat vermutlich erst seine jetzige Höhe erhalten, d. h. er wurde um ein Geschoß erhöht. Wahrscheinlich erlitt der nördliche Kreuzgangsflügel, also der, der in seiner ganzen Länge an die Kirche angelehnt war und daher am meisten durch den Brand in Mitleidenschaft gezogen worden sein wird, auch so schwere Schäden, daß er ebenfalls neu errichtet werden mußte. Auch der Wirtschaftshof erhielt in dieser Zeit ein neues Hoftor. Diese Wiederherstellung ist nach dem kunstgeschichtlichen Befund um 1220 bis 1250 erfolgt.
Der heutige Zustand der Pfarrkirche von Oberpleis, es war bis 1805 die Propsteikirche, gibt im wesentlichen, bis auf das spätgotische nördliche Seitenschiff, den Zustand nach dieser Wiederherstellung wieder. Die Heimsuchung der Propstei ist also sicher vor 1218, wahrscheinlicher aber schon 1206 oder früher erfolgt. Als Daten kommen die Jahre 1198 und 1205 in Frage. Die Mönche vom Michaelsberg haben die Inkorporation der Pfarrkirche von Oberpleis miterwirkt, indem sie nach einem Ausgleich suchten für die Belastungen und Schäden, die dieser Krieg ihnen auferlegt hatte. Die Mönche von Oberpleis versahen den Pfarrgottesdienst in der Pfarrkirche von Oberpleis. Die Propstei erhielt jetzt sämtliche Einkünfte, die der Pfarrkirche zustanden. Es erhebt sich wieder die Frage,wie die Inkorporation in Einklang zu bringen ist mit unserer Auffassung, wonach Erzbischof Anno mit Oberpleis der Abtei auch die Eigenkirche in Oberpleis geschenkt hat. Hier liegen Schwierigkeiten vor. Vermutlich hat sich die Abtei der Durchführung der Ziele des Investiturstreites nicht widersetzen können, so daß die ursprünglich grundherrliche, dann klösterliche Eigenkirche in Oberpleis im Laufe des 12. Jh. eine unabhängige, freie Pfarrkirche geworden war, die nun 1206 ihre Selbständigkeit wieder verlor.
Text aus: Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis, Siegburg 1955,
Seiten 108-110
Bild: Konrad von Hochstaden (1238-1261 Erzbischof von Köln) mit dem Grundriß des Kölner Doms, zu dem er 1248 den Grundstein legte. Mosaik im Kölner Dom. (s. Link unten: Die Geschichte der Fliese)
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