Propstei St. Pankratius der Abtei Michaelsberg in Oberpleis

Aufnahme: 1190 (ca.)

Propstei St. Pankratius der Abtei Michaelsberg in Oberpleis

Was uns an Urkunden und Akten (seit dem 15. Jh.) überliefert ist, enthält fast nichts über die Bedeutung der Propstei Oberpleis als klösterliche Gemeinschaft, sondern sie zeigen die Propstei nur noch als ein Wirtschaftsinstitut, als eine Einnahmequelle, die einem Adeligen einen adelig-standesgemäßen Lebensstandard gewährleisten sollte. Die wenigen Urkunden aus dem Mittelalter zeigen auch nur die wirtschaftliche Seite der Propstei. Da, wo über ihr inneres Leben etwas ausgesagt wird, ist es negativ. Die Propstei als klösterliche Gemeinschaft und Anstalt hat im Mittelalter aber sicherlich eine positive Rolle in der Geschichte gespielt. Das Alltäglich-Selbstverständliche, das Gute, das Religiöse bedurften keiner schriftlichen Aufzeichnung. Die Geschichte von Oberpleis stand seit der Gründung der Abtei Michaelsberg unter dem Zeichen der Propstei Oberpleis, die bis 1803 das Herz der Geschichte von Oberpleis war. Wie sollen wir ihre positiv religiösen Seiten fassen? Wir können dieser Forderung, eine Forderung der geschichtlichen Wahrhaftigkeit, nicht nachkommen. Es muß genügen, auf die Einseitigkeit unserer Darstellung aufmerksam zu machen.


Gründung der Siegburger Propstei St. Pankratius
Es ist merkwürdig und auffallend, daß von den neun Propsteien der Abtei Michaelsberg nur die Gründung der Propstei Oberpleis, neben Güls und Crucht, die aber sicher jünger als Oberpleis sein müssen, unbekannt ist. Gerade die Gründungen der alten und bedeutendsten Propsteien sind bekannt.

Urkunde von 1121
Am 6. Januar 1121 bestätigte Erzbischof Friedrich I. von Köln Abmachungen des Abtes Cuno, die dieser in wahrhaft väterlicher Fürsorge über die wirtschaftliche Versorgung seiner von etwa 60 auf 120 angewachsenen Mönche, ein Beweis für die innere Kraft der Klosterreformbewegung, und Armen getroffen hatte. Die Tatsache, daß der Erzbischof von Köln diese intern-abteilichen Abmachungen wirtschaftlicher Art bestätigt, beweist die Abhängigkeit der Abtei vom Kölner Erzstuhl. Die fratres barbatorum, für die Cuno ebenfalls Vorsorge trifft, lassen auf Beziehungen zwischen der Abtei und Hirsau schließen. Zum erstenmal wird in dieser Urkunde ein Propst von Oberpleis genannt, der eine Mark von einem früher zum Einkommen des Abtes gehörenden Hof an Pacht für den Ankauf der Fische zum Unterhalt der Mönche in der Abtei beitragen muß (porro sex marcas pro emendis piscibus quarum unam praepositus de pleysa pro elocatione vülicationis quae prius erat in manu abbatis . ..)

In der undatiert überlieferten Urkunde Papst Innozenz II. von 1130 bis 1142 wird der Abtei u. a. die Kirche in Oberpleis und die cella in Oberpleis, die sicherlich nicht zu¬fällig als erste der acht genannten Zellen angeführt ist, bestätigt (et in (Pleisa) superiore ecclesiam ... confirmamus, cellam videlicet in Pleisa ...). Die Bestätigungsurkunde Papst Lucius III. von 1181 (L I 478) enthält diese Bestätigungsurkunde Papst Innozenz II. wörtlich. Oberpleis, Ort, Kirche, cella oder monasterium, wird ferner genannt in dem Privileg Kaiser Friedrich I. von 1174 (L I 450) für die Abtei, das eine Wiederholung des angeblichen Privilegs Heinrich IV. von 1071 mit Erweiterungen ist, dann in der wichtigen Urkunde von 1182 (L I 483), in der Erzbischof Philipp von Heinsberg den Streit zwischen der Abtei und den Grafen von Sayn beilegte, ferner in den Urkunden zur Inkorporation der Oberpleiser Pfarrkirche. Erst in den Urkunden von 1212 und 1218 tritt die Propstei Oberpleis in ein helleres Licht.

Aus: Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis, Seiten 84-85

Bild: Initiale aus dem Sentenzen-Kommentar des Petrus Lombardus der ehemaligen Benediktinerpropstei Oberpleis. Die Handschrift liegt als Codex 181 in der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln. Sie trägt den zeitgenössischen Besitzvermerk "Liber Sanctorum Martyrum Primi et Feliciani atque Pancratii Pleyse".
(Buch der heiligen Märtyrer Primus und Felicianus und besonders Pankratius von Pleis). - Siehe Datensätze 614-617 -.

Quelle
Die Geschichte von Oberpleis, Siegburg 1955, Seite 84-85
Zur Verfügung gestellt von
Willi Joliet Zum
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Robert Flink, Die Geschichte von Oberpleis Von Katholische Kirche Oberpleis
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