Aufnahme: 1999
Ein denkwürdiger Tag für Königswinter – Feierliche Überreichung der Europaplakette
st. „Das ist ein wundervoller und sehr großer Tag für die Stadt Königswinter." Dies betonte Bernhard Eicher, der als belgisches Ehrenmitglied der parlamentarischen Versammlung des Europarates der Stadt für ihre Verdienste in der Partnerschaft mit Städten in Frankreich und England in einer Feierstunde im Hause Bachem die Europaplakette überreichte. Eicher sprach in einem einwandfreien Deutsch die Glückwünsche des Europarates aus und lobte in seiner Rede besonders das Engagement in den Beziehungen der Jugend von Königswinter, die maßgebend an dem freundschaftlichen Verhältnis zwischen Königswinter einerseits und Cognac in Frankreich und dem damaligen Cleethorpes in England andererseits beteiligt ist.
Seit 50 Jahren besteht der Europarat, dem heute 41 Staaten angehören, darunter auch die Bundesrepublik. Eicher gedachte in seiner Ansprache auch der 55 Millionen Menschen, die allein im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mußten. Königswinter könne sich heute glücklich schätzen, zahlreiche Freunde im Ausland zu haben, die viele Jahre in der Vergangenheit Feinde waren. Eicher rief die Königswinterer Bevölkerung auf, auf diesem Wege weiterzumachen. Die Jugendlichen, die noch abseitsstehen, sollen noch für die Europa-Idee gewonnen werden. Einen entsprechenden Appell richtete er an die älteren Mitbürger. Sein Wunsch: Möge dieser Tag immer in Erinnerung bleiben. Eicher schloß seine Rede mit dem Ruf: „Es lebe Königswinter, es lebe North East Lincolnshire (früher Cleethorpes) und es lebe Cognac." Für die Stadt Cognac sprach die Vorsitzende des dortigen Partnerschaftsvereins, Francoise Izambard, die eine Grußbotschaft des verhinderten Bürgermeisters Hardy verlas. Darin heißt es, dass Cognac die Auszeichnung für die Partnerstadt Königswinter als positiv bewertet. Zehn Jahre bestehe nun die Freundschaft zwischen den beiden Städten. Ohne das Miteinander könne Europoa nicht existieren.
Ein Grußwort sprach auch der Bürgermeister von North East Lincolnshire, George Mitchell. Zu Beginn der Feierstunde sprach Bürgermeister Herbert Krämer Grußworte an die zahlreichen Gäste aus Königswinter, den Partnerstädten sowie an die Europaabgeordnete Ruth Hieronymi. Krämer dankte für die bisherigen Auszeichnungen. So wurde der Naturpark Siebengebirge 1971 durch den Ministerrat des Europarates mit dem Europäischen Diplom ausgezeichnet, welches seitdem fortlaufend alle fünf Jahre erneuert worden ist. 1993 erhielt Königswinter die Europafahne, die übrigens bei der Veranstaltung im Innenhof des Hauses Bachem wehte. Die Europaplakette ist nun der Höhepunkt und somit ein Dank an die Bevölkerung, die sich seit 25 Jahren mit ihrem Engagement für die Partnerschaften und auch für Europa eingesetzt hat. Eine Stadt brauche solche Auszeichnungen, sagte Krämer. Auszeichnungen machten sichtbar, dass solche Partnerschaften eine hervorragende Basis sind, sich innerhalb Europas besser kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. In England hat man Traditionen, Pubs, die Sprache, die Literatur, die Landschaft und vor allem eine große Herzlichkeit kennengelernt. Mit der Stadt Cognac habe man ein Frankreich kennengelernt von großer Bedeutung im Kreis der Nationen, mit einem Reichtum der Natur, mit dem Käse, dem Fluß Charente, kurzum ein Leben wie Gott in Frankreich.
Nach den Worten des Bürgermeisters bestätige die heutige Auszeichnung in besonderer Weise, dass nach den beiden Weltkriegen Versöhnung im Alltag und Begegnungen mit den Menschen wichtig sind. Krämer wörtlich: „Wie anders können wir in Königswinter unserer Verantwortung für ein Europa in Frieden und Freiheit gerecht werden, wenn wir nicht in aller Bescheidenheit gute Kontakte zu unseren europäischen Nachbarn aufbauen? Mit den Partnerschaften sind wir diesem Ziel nähergekommen". Der Bürgermeister erinnerte in seiner Ansprache auch an die politische Geschichte der Stadt Königswinter, so an die Zeit der Hohen Alliierten Kommission auf dem Petersberg, an den Besuch der Queen 1965 auf dem Petersberg und an das Petersberger Abkommen. „Wir erinnern uns gerne daran, dass bereits 1950 im Adam-Stegerwald-Haus zwischen England und Deutschland die sogenannte ,Königswinter-Konferenz' begonnen hat."
In den Jahren der Partnerschaft haben 8100 Bürger, darunter 5000 Jugendliche, die Partnerschaft mit Cleethorpes und 3100, darunter 1000 Schüler, die Partnerschaft mit Cognac genutzt. Krämer nahm die Plakette, die einen würdigen Platz im Rathaus finden wird, an für den Stadtrat, die Verwaltung, die Schulen, die Vereine, die Kirchen und die vielen Mitbürger, die als Gasteltern den Austausch erst ermöglichten und nicht minder für die Partnerschaftsvereine. Krämer vergaß auch nicht den Wein zu erwähnen und überreichte einige Flaschen Siebengebirgswein dem Überbringer der Plakette und empfahl dem neuen Stadtrat, die Partnerschaften noch enger als bisher zu pflegen. Die Feierstunde wurde umrahmt durch britische und deutsche Lieder, dargeboten vom Männerchor „Gemütlichkeit" Rauschendorf und durch französische Lieder, gesungen vom lttenbacher Kirchenchor. Zwischen den einzelnen Ansprachen spielten die „Drachenfelsmusikanten" unter der Leitung von Karl-Heinz Müller die Europahymne, die britische und die französische Nationalhymne und zum Abschluss die deutsche Nationalhymne.
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