Aufnahme: 1996
Der Bolzplatz muss bleiben
"Werden in Oberpleis Kinder gegen Kinder ausgespielt? Auf dem derzeitigen Bolzplatz an der Theodor-Storm-Straße soll nämlich ein Kindergarten gebaut werden. Gerda Riediger setzt sich aber in einem Bürgerantrag, der jüngst im Hauptausschuss behandelt wurde, für den Erhalt des Bolzplatzes ein. Die Elterninitiative ‚Kindergarten‘ möchte dort aber gerne bauen. Obwohl die Ratsmitglieder grundsätzlich für den Erhalt des Bolzplatzes sind, stimmten sie doch nach längerer Diskussion für die Errichtung eines Kindergartens auf dem jetzigen Bolzplatz. Denn die Stadt hat kein anderes Grundstück. Es bestehe allerdings noch die Möglichkeit, auf einem Grundstück an der Paul-Moor-Schule den Kindergarten zu bauen.
Dort fehlen allerdings zurzeit noch die baulichen Voraussetzungen. Für den Ankauf eines neuen Grundstückes fehlt der Stadt das Geld. Hermann Krauthausen (SPD): ‚Die Bürger haben laut Bundesgesetz für ihre Kleinkinder einen Rechts-Anspruch auf einen Kindergartenplatz; für einen Bolzplatz besteht allerdings kein Rechtsanspruch. Einstimmig votierten dann die Mitglieder des Haupt- und Personalausschusses für den Kindergarten auf dem Grundstück des Bolzplatzes an der Theodor-Storm-Straße. Vorgesehen ist ein Holzfertighaussystem. Mit dieser Bauweise ist dann auch gesichert, dass der Kindergartenbetrieb nach den Sommerferien aufgenommen werden kann. Das Gebäude ist in seiner Anlage so konzipiert, dass bei Bedarf ohne Schwierigkeiten eine zweite Gruppe installiert werden kann. Eine bereits durchgeführte bodengutachterliche Untersuchung ist sehr positiv verlaufen, so dass ohne großen Gründungsaufwand das Gebäude auf dem Tennenbelag errichtet werden kann.
Ein Bebauungsplanänderungsverfahren wird eingeleitet, um evtl. Bedenken der Anwohner gegen die Wahl des Standortes als Kindergarten durch ein ergänzendes Verfahren auszuräumen. Bürgermeister Herbert Krämer, Vorsitzender des Ausschusses, hatte die Idee, die 200 Meter vom Bolzplatz entfernt gelegene Kleinfeldanlage als Bolzplatz zu benutzen, allerdings nur in den Nachmittagsstunden, damit der Sportunterricht der Schulen nicht gefährdet wird. Diesem Vorschlag schlossen sich die Ausschussmitglieder an. Die Meinungen gingen aber auseinander, ob der jetzige Bolzplatz stark oder nur schwach besucht wird. Vor der Sitzung hatte Herbert Krämer dort nur sechs Kinder angetroffen. Die Kindergarten-Gegner argumentierten, das Gelände des Bolzplatzes liege am Lützbach und somit im Landschaftsschutzbereich. Gefragt wurde auch, was aus dem Schwimmbad werde. Antwort des Stadtdirektors: ‚Der bleibt erhalten.‘ Die Frage nach dem Nachbarschaftsrecht beantwortete Heinz-Martin Bernert so: 'Der Kindergarten besitzt öffentliches Recht und das Wohnen wird nicht gestört.' Die Grünen enthielten sich der Zustimmung zum Bau des Kindergartens auf dem bisherigen Bolzplatz."
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