Aufnahme: 1995

Straßen und Wege

"Von einem geregelten Straßenbau konnten unsere Altvorderen nur träumen. Die sogenannten Kaufmannstraßen hatten ihren Zustand aller Wahrscheinlichkeit nach der Erhebung von Zöllen zu verdanken. Brachte er doch den jeweiligen Landesherren oder Kirchenfürsten Vorteile in jeder Form. Heute noch erinnern vielerorts die Gaststätten ‚Zum Alten Zoll‘ an vergangene Zeiten. In den spärlich vorhandenen Unterlagen wird für Oberpleis und Uckerath im Jahre 1555 von einer Zollstation geschrieben. Über ein weites Gebiet, das u. a. bis nach Windeck reichte hatte der Propst von Oberpleis Zollrechte, war aber seinerseits auch zur Zollabgabe an den Landesherrn verpflichtet. Dagegen waren die ständische Ritterschaft, die Geistlichkeit einschließlich Ordensleute und Soldaten von einer Abgabe befreit.

Die größeren Verbindungswege wurden vornehmlich auf Höhen und über Berge angelegt, weil in den Tälern die Gefahr des Überfallenwerdens größer war. Über den Straßenzustand wurde allgemein Klage geführt. In unserem Bereich war für die Obrigkeit in erster Linie die Holzabfuhr von Interesse, während i n den einzelnen Ortschaften nur die Flur-, Kirch- und Leichenwege benutzt werden mussten. Von einer halbwegs vorhandenen Straßen- und Wegeordnung kann erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesprochen werden, als die Straße von Niederdollendorf über Oberpleis nach Kircheip und etwas später die Pleistalstraße ausgebaut wurden.

Um 1900 sorgte die Pflasterung für ‚Verkehrsberuhigung‘ der vollgummibereiften Fahrzeuge, denn Dunlops Erfindung des Luftreifens hatte sich noch nicht überall herumgesprochen. Für die Straßen innerhalb der Bürgermeisterei begnügte man sich mit wassergebundenen Straßendecken, die mit Hilfe des Hand- und Spanndienstes und des amtseigenen Basaltsteinmaterials befestigt wurden. Fortschritte machte der Straßenbau dann mit der Asphaltierung zu Anfang der 30er Jahre. Vor dem 2. Weltkrieg hatte beim Bau der Reichsautobahn der Beton seine große Zeit. Wegebauprojekte größeren Stils fielen in die Aera der Flurbereinigung Hasenpohl mit dem Bau und Befestigung von Landwirtschafts- und Wirtschaftswegen. Zurzeit liegt die Unterhaltspflicht für Bundes-, Land- und Kreisstraßen beim Landschaftsverband Rheinland, und die Stadtstraßen sind in der Obhut der Stadt Königswinter, Straßenmeisterei Königswinter in Oberpleis.

Im Zuge der wachsenden Anforderungen in Bezug auf das Verkehrswesen wurde am 1. 4. 1960 vorn Landschaftsverband Rheinland im Gehöft des Bauernhofs Bellinghausen, Aue!, die Straßenmeisterei Oberpleis eingerichtet. Als Provisorium diente sie bis 1969 und schon Ende des gleichen Jahres konnte der in Fertigbauweise erstellte Neubau an der Königswinterer Straße bezogen werden. Zwischenzeitlich war im Zuge der kommunalen Neuordnung die Umbenennung in Straßenmeisterei Königswinter erfolgt. Außer den Zweckbauten wie Fahrzeug- und Streuguthalle wurden auch zwei Bedienstetenhäuser erstellt. Der Zuständigkeitsbereich erfasste die Gebiete vom Rhein bis ins Bröltal und von der südlichen Landesgrenze bis zur B 56 zwischen und Siegburg. Der Komplex ist ausgelegt für 40 bis 45 Arbeitsplätze und die Lagerung von 900 Tonnen Streumaterial für den Winterdienst."

Quelle
Aus der Broschüre "Leben in und um Oberpleis", Seite 122, Kreissparkasse Oberpleis 1995; Text: Karl Hermann Uhlenbroch
Zur Verfügung gestellt von
Wilbert Fuhr: Broschüre Neubau der Straße Oberpleis - Königswinter, L331
Räume & Galerien
Kommunales Straßen
Aufrufe
389

Etwas zu ergänzen?

Kennen Sie abgebildete Personen, das Jahr oder Hintergründe zu diesem Bild? Schicken Sie uns einen Hinweis – wir prüfen ihn und ergänzen das Objekt.