Cognac feierte fünfjährige Partnerschaft mit Königswinter

Abgebildete Personen

Aufnahme: 1995

Cognac feierte fünfjährige Partnerschaft mit Königswinter

st. Die Königswinterer Partnerstadt Cognac bewies einmal mehr, mit welchem Engagement und welcher Begeisterung Franzosen Feste feiern können. Der 500. Geburtstag von König Francois I., dessen Reiterstandbild das Zentrum seiner Geburtsstadt beherrscht, zog Zehntausende aus nah und fern in die kleine Metropole an der Charente, um dem Renaissancefürsten, der sich 1519 auch um die deutsche Kaiserkrone bemühte, jedoch am Habsburger Karl V. scheiterte, die Reverenz zu erweisen. Eine 24-köpfige Delegation aus Rat und Verwaltung der Stadt Königswinter erlebte nicht nur die bekannte französische Gastlichkeit, sondern auch ein riesiges historisches „Spectacle", an dem sich über 600 Artisten, Schauspieler, Sportler, Statisten und Techniker beteiligten. Cognacs Bürgermeister Francis Hardy war nicht wenig überrascht, als ihm beim großen Empfang im „Chateau de Cognac" sein Amtskollege aus Königswinter, Herbert Krämer, sowie Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz mit ihren Damen in gut sitzender mittelalterlicher Robe entgegentraten, die die Requisitenkammer des Bonner Stadttheaters zur Verfügung gestellt hatte. Der Cocktail im Geburtsschloß Francois I. war der Beginn der Feierlichkeiten, die sich in Straßen und Gassen auslebte, in die Zeit vor 500 Jahren zurückversetzte und schließlich zu beiden Seiten des Ufers der träge fließenden Charente ihren spätabendlichen Höhepunkt hatte.

Durch spärlich beleuchtete Gassen schlichen Bettler und Aussätzige auf hohen Stelzen, Laienkünstler übten sich in überlieferten Kunststücken, Feuerspucker waren am Werk, über Kerzenlicht lockten Mädchen aus den Fenstern, Hexen tanzten auf den Dächern der jahrhundertealten Gemäuer. Dazwischen Herolde des Königs, um dem Volk Wichtiges zu vermelden. Eine auch logistisch großartige Leistung war an diesem Abend das „Renaissance-Menü" in Zeiten jenseits der Charente. So mochte es auch vor 500 Jahren gewesen sein: Auf der einen Seite des Flusses speisten Prominenz und Gäste Vorzügliches nach Rezepten jener Zeit, am anderen Ufer standen Tausende Schaulustige, um sich an den Darbietungen der Gaukler, Artisten und an historischen Szenen aus der Regierungszeit ihres Geburtstagskindes zu erfreuen. Der Unterschied zu damals: Für 150 Francs konnte jeder am Festmenü teilnehmen, einschließlich einem Viertel Rotwein in der Karaffe. Und alle zog die Trommler-Brigade „Trans-Express" in ihren Bann, die hoch über der Charente an einem 60 Meter hohen Kran, als lebendes Mobile in buntes Licht getaucht, eine fantastische Show abzog. Die Truppe hatte bereits bei der Eröffnung der Winterspiele 1992 in Albertville für Furore gesorgt. Für eine selbst kaum erwartete Überraschung war eine Schüler-Rudergruppe des Oberpleiser Gymnasiums am Ölberg unter der Leitung von Hans-Josef Keldenich gut: Eingeladen am traditionellen Boots-Lanzenstechen auf der Charente teilzunehmen, belegten die Schüler in der Zusammensetzung Nina Müllers, Daniel Seemann, Frederic Strauch, Stefan Schwanitz, Stefan Göbel und Manuel Keldenich im kleinen Finale ohne groß trainiert zu haben den zweiten Platz.

Die Begeisterung der Königswinterer Delegation an den Uferplätzen war unüberhörbar, denn bei neun Duellen gelang es sechsmal den Gegner mit der Lanze ins Wasser zu befördern. Auch Hausmeister Johannes Limbach mußte ran: Da die Truppe um 30 Kilo zu leicht befunden wurde, brachte er als Ballast das Boot erst auf die richtige Wassertiefe. Für den Aufenthalt der Partnerstädte-Delegation aus Königswinter, Perth in Schottland und Denison in Texas hatten die Gastgeber ein dem Anlaß entsprechendes Rahmenprogramm vorbereitet. Es begann mit einem Buffet im Saal Salamendre und setzte sich tags darauf fort mit einem Busausflug in die Grande Champagner mit ihren typischen Winzerdörfern und Weinhügeln, soweit das Auge reicht. Am Sonntag zelebrierte der Bischof von Angoulerne in der vollbesetzten katholischen Kirche ein liturgisches Hochamt, dem sich nach einem Spaziergang durch die herrlich gepflegten Parkanlagen ein „Dejeuner officiel" im Amtssitz des Bürgermeisters anschloß. Königswinters Bürgermeister Herbert Krämer nahm dort die Gelegenheit wahr, auf positive Ergebnisse der fünfjährigen Städtepartnerschaft hinzuweisen. Ganz offensichtlich habe sich bestätigt, was der Präsident des Cognacer Partnerschaftskomitees, Jerome Mouhot, anläßlich der Gründung 1989 versicherte: „Wir sind füreinander bestimmt". In diese Aussage paßte auch ein Geschenk, das Herbert Krämer Francis Hardy überreichte: Eine Arbeit der Königswinterer Künstlerin Isabella Hannig mit dem Motto „Salamander und Drachen, die Wappentiere der beiden Partnerstädte umarmen sich".

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 40 vom 06.10.1995; Fotograf unbekannt; Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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