Ein Pelikan für Cleethorpes - 20 Jahre Partnerschaft -Delegation in Cleethorpes

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Aufnahme: 1994

Ein Pelikan für Cleethorpes - 20 Jahre Partnerschaft -Delegation in Cleethorpes

Das Geschenk zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen der englischen Stadt Cleethorpes an der Humber­-Mündung und der Siebengebirgsstadt Königswinter ist eine bronzene Skulptur des Oberdollendorfer Künstlers Ernemann Sander, darstellend einen Pelikan, die gleiche Figur wie sie auch das Niederdollendorfer Rheinufer ziert. Die bildhauerische Arbeit fand Aufstellung im Foyer des Cleethorper Rathauses. Im Rahmen des fünftägigen Besuches der 23-köpfigen Königswinterer „Jubiläums"-Delegation wurde das Kunstwerk von der englischen Bürgermeisterin Margret Solomon und ihrem Königswinterer Kollegen Herbert Krämer feierlich enthüllt. Herbert Krämer betonte dabei, daß die Partnerschaft viele Freundschaften Jugendlicher und Erwachsener von hüben und drüben bewirkt habe. Diese Freundschaften seien mehr mit dem Herzen als mit den Augen sichtbar. Das Geschenk soll die Freundschaft zwischen den beiden Städten sichtbar machen. Krämer: „Möge dieses Kunstwerk für die Zukunft ein sichtbarer Beweis gegenseitiger Freundschaft und Geborgenheit sein." Kurz danach gab es im Cleethorper Rathaus einen weiteren Höhepunkt. Konsul Gottfried Sauer überreichte dem Cleethorper Stadtdirektor Peter Daniel das Bundesverdienstkreuz. Daniel habe diese Auszeichnung verdient wegen seiner Bemühungen um die Städtepartnerschaft in den vergangenen 20 Jahren.

Die Laudatio für den Geehrten hielt der Königswinterer Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz. Er betonte, daß ein Europa der Bürger und der Städtefreundschaften wichtiger sei als ein Europa, welches von Brüssel regiert werde. Peter Daniel sei einer der wenigen, die für Städtepartnerschaften das Bundesverdienstkreuz erhalten. Ohne Peter Daniel würde der Partnerschaft mit Königswinter Entscheidendes fehlen, so Schmitz abschließend, mit den besten Wünschen der Stadtverwaltung Königswinter. Herbert Krämer gratulierte im Namen des Stadtrates und aller Mitbürger von Königswinter. Er betonte, daß der Ausgezeichnete mehr für die Partnerschaft getan habe als man erwartet hätte. Sogar seine Familie habe er für diesen Zweck eingespannt. Damit die Freundschaft der beiden Städte weiter wächst und gedeiht, reisen in diesen Tagen 65 Königswinterer Schülerinnen und Schüler für eine Woche nach Cleethorpes, und Ende September startet der Rauschendorfer Männerchor Gemütlichkeit zu einer Konzerttournee über den Kanal. Am Abend des Ankunftstages der Königswinterer Delegation war sie zu Gast bei einem spanischen Abend im Hotel „Oakland".

Es gab nicht nur spanische Gerichte und Getränke, das Hotel vermittelte auch spanisches Flair mit Tänzen der iberischen Halbinsel. Am Samstag morgen besichtigten die Siebengebirgler ein im Bau befindliches Klärwerk. Es soll nach der Fertigstellung im Mai 1995 das modernste und mit umgerechnet 120 Millionen DM wohl auch teuerste in England sein. Nachmittags trafen sich Engländer und Deutsche auf einer Go-Cart-Rennbahn, wo u. a. auch die beiden Stadtoberhäupter an den Start gingen. Gefahren wurden drei Einführungsrunden, und zur Ermittlung des Siegers nochmals fünf Runden. Schnellster war Hans-Peter Giesen aus Königswinter. Silber ging an den Engländer Bill Parkinson und Bronze an Helmut Meyer aus Königswinter. Für das Clubgelände hatte Herbert Krämer einen Wimpel der Stadt Königswinter überreicht. Nächste Station am Samstag war das Altenheim, welches den Namen „Königswinter" trägt. Nach Begrüßungsworten der Heimleiterin sprach der älteste „Gentleman" des Heimes, der 90-jährige Mr. Watson. Ihm überreichte der Königswinterer Bürgermeister für das Heim eine Urkunde mit Ausschnitten aus dem Goldenen Buch der Stadt Königswinter mit Unterschriften von Königin Elisabeth II., die bereits zweimal in Königswinter auf dem Petersberg zu Gast war, und ebenfalls ein Bild des Gästehauses des Bundes.

Eigens zum Jubiläum der Partnerschaft wurde am Sonntagnachmittag ein Reitturnier veranstaltet. Die Siegespreise überreichten Margret Solomon und Herbert Krämer. Einen Jux erlaubten sich die Königswinterer, als sie der Cleethorper Bürgermeisterin ein Pony „schenkten" und versuchten, sie auf das kleine Pferd zu setzen, was aber unter dem Gelächter aller Anwesenden mißlang. Am Sonntagabend stand der Jubiläumsball im „Winter Gardens" auf dem umfangreichen Programm. Der Erlös einer Tombola, die der Stadtdirektor von Cleethorpes und das dortige Bürgermeisterehepaar organisiert hatten, war bestimmt für ein neues Rettungsboot.  Etliche Preise gingen auch an die Königswinterer Gäste.

Ein Cleethorper Theater führte Folkloretänze auf. Der letzte Aufenthaltstag an der englischen Ostküste war gekennzeichnet von Besuchen der katholischen St.-Josefs-Schule, des Sportzentrums und der Lindsey-Schule, an der der Gatte der Bürgermeisterin Direktor ist. Während die Kinder in der St.-Josef-Schule für die Gäste vom Rhein eine Erntedankfeier gestalteten, demonstrierten die Lindsey-Schüler ihre Kenntnisse im Computer­ Unterricht. Beide Schulen erhielten zahlreiche Bücher über Königswinter und das Siebengebirge. In England können die Kinder schon mit vier Jahren die sogenannte Grundschule besuchen, ab fünf Jahren ist der Schulbesuch Pflicht. Der Übergang zu den weiterführenden Schule erfolgt mit elf und nicht schon mit zehn Jahren. Der Tag und damit das Besuchsprogramm in Cleethorpes endete mit einem Farewell-Dinner. Dabei überreichte Herbert Krämer den Gründern der Partnerschaft in Cleethorpes eine eigens geprägte Medaille zur Partnerschaft. Bürgermeisterin Margret Solomon schenkte ihren Gästen ein Bild von Cleethorpes, welches im Cleethorpes-Zimmer in Königswinter einen Platz finden wird. Zum Finale gab es einen Geburtstagskuchen, auf dem 20 Kerzen brannten und den die Repräsentanten der Stadt anschnitten.

Höhepunkte des Besuches in der Königswinterer Partnerstadt

st. Ein glanzvoller Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten aus Anlaß der 20-jährigen Partnerschaft mit Cleethorpes war dort das dreistündige ausverkaufte Konzert in der „Concert Hall". Drei Chöre und zwei Orchester aus Cleethorpes und der Nachbarstadt Grimsby präsentierten sich. Es erklangen englische Weisen und auch Werke deutscher Komponisten, teils in englisch, teils in deutsch. So freuten sich besonders die Königswinterer bei der „Lilli Marlen", beim Strauß - Walzer „Morgenblätter", bei der Schubert'schen Weise „Ave Maria", der „Lustigen Witwe" von Franz Lehar und ganz besonders, als ein englischer Damenchor das deutsche Volkslied „Muß i denn zum Städtele hinaus" vortrug. Während des Konzertes wurden kleine Feuerwerkskörper und bunte Luftschlangen von der Empore in den Saal geworfen.

Als zum Schluß nach der eingangs erklungenen englischen Nationalhymne die Europahymne und die deutsche Nationalhymne erklangen, wurden englische und deutsche Fähnchen geschwenkt. Die „Concert Hall" war mit den Fahnen von Cleethorpes und Königswinter so­ wie Englands und der Bundesrepublik und der Städte Bonn und Köln festlich dekoriert. Nach dem Konzert, das eine Stunde vor Mitternacht endete, fand im Stadthaus, der „Town Hall", ein Empfang statt, bei dem Bürgermeister Herbert Krämer Partnerschaftskrawatten und -halstücher an die Leiter und Dirigenten der Chöre und Orchester mit einem herzlichen Dank für den musikalischen Hochgenuß überreichte.

Der nachfolgende Sonntagmorgen brachte einen weiteren Höhepunkt, nämlich den Besuch eines Gottesdienstes, eigens für die Königswinterer Delegation gestaltet, in der katholischen Pius-Kirche. Die Lesungen sprachen die Bürgermeisterin von Cleethorpes, Margret Solomon, und der Königswinterer Bürgermeister Herbert Krämer. Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz sowie Renate Schmitz und Rosemarie Krämer brachten nach der Predigt des irischen Geistlichen die Opfergaben zum Altar. Der Pfarrer betonte, daß auch die Freundschaft zweier Städte in zwei Ländern mit dazu beitrage, den Frieden zu erhalten. Eine wohl einmalige Geste der Kirchenbesucher: Sie drückten allen 23 Königswinterern die Hand und wünschten einen angenehmen Aufenthalt in ihrer Stadt.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 39 vom 29.09.1994; Foto und Bericht: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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