Aufnahme: 1990

Bürgervereine und -initiaiven setzen ihren Kampf gegen die ICE-Strecke fort

st. Da das Raumordnungsverfahren für die beiden Schnellbahnvarianten über Vilich und Siegburg jetzt angelaufen ist, verabschiedeten die rechtsrheinischen Bürgerinitiativen und Bürgervereine, in denen rund 220000 Bürgerinnen und Bürger entlang der geplanten ICE-Trasse zwischen Troisdorf und Windhagen zusammengeschlossen haben, eine erneute Protesterklärung gegen den Bau der Bahn. Sie wenden sich in ihrem Protest gegen die bekanntgewordenen Trassenplanungen der Deutschen Bundesbahn, die jetzt den Städten und Gemeinden ziemlich genaue Planungen zukommen ließ. Rund 35000 Bürgerinnen und Bürger - meist Erholungssuchende - haben sich spontan dem Prostest der Betroffenen gegen den Bau der Höchstgeschwindigkeitsbahnstrecke durch das Naturschutzgebiet Ennert/Siebengebirge durch Unterschrift angeschlossen.

Alle rechtlichen Mittel zur Verhinderung menschlicher Beeinträchtigungen und Umweltschädigungen auszuschöpfen, ist erklärte Absicht mehrerer im Trassenbereich gelegener Kommunen. Dazu erklärte der Sprecher der Bürgerinitiativen und Bürgervereine, Hans Remig, daß die Stadt Königswinter gegen alle Trassenführungen Protest einlegen und sogar klagen will. Im Haushalt seien dafür bereits 30000 DM eingesetzt. Bürgerinitiativen und -vereine, so Remig und die beiden Vertreterinnen der Bürgerinitiative Vinxel, Adelheid Bauer und Dr. Gisela Hönighausen, lehnen den Bau einer Höchstgeschwindigkeitsbahn ab, bis der Nachweis der Notwendigkeit einer solchen erbracht ist. Sie fordern nach wie vor die Konkretisierung von Nutzung und Auslastung, die Einbeziehung der Westerburg-Trasse und der Trasse, die von den Naturschutzverbänden über Beuel gefordert wird sowie die linksrheinischen Alternativen in die Umweltverträglichkeitsprüfung aufzunehmen sowie eine gründliche Sondierung eines ICE Trassenbaus entlang bestehender Gleiskörper bzw. Ausbau derselben.

Bei einer Pressekonferenz im Haus Bachern in Königswinter erklärten Hans Remig, Dr. Gisela Hönighausen und Adelheid Bauer, daß eine Untertunnelung des Siebengebirges problematisch sei. Zunächst müsse das teilweise weiche Gestein des Siebengebirges untersucht werden, ehe man überhaupt an eine Untertunnelung denken könne. Schwierigkeiten beim Vorantrieb oder bei Sprengungen müßten vorher ausgeschaltet werden. Zwar heiße es immer, „Technik macht alles möglich".  Doch einmal sei auch die Technik am Ende. Es wurde bezweifelt, daß sechs Kilometer Tunnel technisch mach bar sind, auch bezüglich der vielen Entlüftungsschächte auf dieser Strecke. Nach den Worten von Hans Remig kostet jeder Kilometer Tunnel  20 Millionen DM mehr. Im Übrigen bezweifelte Remig die von der Bundesbahn genannten Kosten der Gesamtstrecke von Köln bis Frankfurt, die mit fünf Milliarden DM angegeben wurden.  

Das seien nämlich Zahlen aus der Planung von  1983.  Inzwischen seien die Kosten wesentlich angestiegen und die Strecke würde nun­ mehr etwa 7,5 Milliarden DM kosten. Adelheid Bauer ist der Meinung, daß nur einige große Firmen an der Schnellbahn Interesse haben. Nur sie würden verdienen und nicht die schon milliardenhaft verschuldete Bundesbahn. Die Eigentümer von Grund und Gebäuden, die durch den Bau der Trasse Schaden hätten, könnten nicht nur für sich selber, sondern auch für andere Geschädigte mitklagen, betonten die Redner. Bei der Trasse über Siegburg müßten, so Remig, 4,5 Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden, bei der Vilicher Variante seien es sogar acht Millionen Kubikmeter. Remig weiter: '..Das Siebengebirge würde bei einer Bauzeit von sieben Jahren und der Zerstörung als Fremdennaherholungsgebiet ein wahrer Truppenübungsplatz."

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 20 vom 17.05.1990; Text: Günther Steeg
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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