Königswinterer Delegation in Cognac

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Aufnahme: 1989

Königswinterer Delegation in Cognac

FWSt. Zwei Stunden früher als vorgesehen kam die Königswinterer Delegation am Freitag, 9. Juni, in Cognac an. Mit einem über der Straße gespannten Spruchband wurden die Gäste aus Königswinter am Stadteingang empfangen. Ein Empfangskomitee begrüßte die Abordnung. Ein Buffet im Foyer Residence eröffnete den offiziellen Teil des Programms. In freundschaftlicher und lockerer Atmosphäre unterhielten sich Gäste und Gastgeber so, als wären sie schon lange Jahre Freunde. Bürgermeister Günter Hank wies in seiner Begrüßungsansprache auf die Bedeutung dieser Begegnung hin und bedankte sich für die herzliche Aufnahme. Hierbei überreichte er Bürgermeister Francis Hardy ein Fotoalbum und eine Videokassette von Königswinter. Cognac's Bürgermeister bekräftigte in seiner Erwiderung nochmals die Freude über diesen Gegenbesuch der Königswinterer in Cognac. Auch er wies auf die Wichtigkeit des Partnerschaftsbündnisses hin.

Herzlich willkommen Königswinter - Partnerschaft nun auch in Cognac besiegelt

FWSt. Das Ehebündnis ist nun perfekt. Die Verträge der beiden Partner Cognac und Königswinter sind unterschrieben und abgeschlossen. Der zweite Akt der Partnerschaftsunterzeichnung fand am Samstag, 10. Juni, im Freilichttheater des Stadtparks in Cognac statt. Großer Beifall setzte ein, als Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz und Jeröme Mouhot die unterzeichneten Urkunden hochhielten. Tauben flatterten in die Luft. Mit Trompetenklängen wurde der feierliche Festakt eröffnet. Jeröme Mouhut, Präsident des Partnerschaftsausschusses, betonte in seiner Eingangsrede, daß die erste Seite der Geschichte dieser Partnerschaft vor 14 Tagen in Königswinter geschrieben wurde, und die zweite Seite sich heute hier in Cognac öffne. „Ich lade Sie herzlich dazu ein, diese Seite mit uns zu schreiben. " Mouhut wünschte den Königswinterer Besuchern, daß der Aufenthalt in Cognac genauso glücklich verlaufen werde wie ihr Besuch in Königswinter. Er betonte noch einmal, wie sehr er gerührt war über den warmen und herzlichen Empfang in Königswinter. Mouhut gestand, daß es für Cognac, Geburtsort von Jean Monnet, dem Vater Europas, aufgrund des kulturellen Erbes und der Eigenart seiner Geschichte sowie der Bevorzugung gewisser Länder - in Bezug auf die Vermarktung der Cognac-Erzeugnisse - nicht so selbstverständlich war, mit einer deutschen Stadt die Partnerschaft abzuschließen. Dennoch habe man sich spontan Königswinter, d. h. Deutschland zugewandt.  „Städte verbinden, um Menschen zu verbinden, Menschen verbinden, um Europa aufzubauen, das ist der Sinn unseres Handelns, das ist der Sinn dieser Partnerschaft. Jeder von uns soll sich von der Partnerschaft angesprochen fühlen ." Mouhut wies darauf hin, daß die Partnerschaft in vielen Bereichen wie Kunst, Beruf, Vereine, Verwaltung usw. gepflegt werden könne. Das Kammerorchester von Oberpleis und der Kinderchor von Königswinter hätten sich ja schon angeboten, in Cognac aufzutreten. Laut Ansicht von Mouhut sollte sich der Austausch ebenfalls auf heikle Probleme beziehen, für die man Auswege sucht, über die man sich Fragen stellt und die schwierig zu lösen sind, wie z. B. die Kriminalität, der Arbeitsmarkt oder die wirtschaftliche Entwicklung.

Bürgermeister Francis Hardy betonte in seiner Rede, der Bund zwischen den beiden Städten werde tatsächlich nur zu einem Erfolg führen, wenn jeder Bewohner von Cognac sowie jeder Bewohner von Königswinter sich persönlich angesprochen fühle. Bürgermeister Hardy erzählte eine Sage, der er den Titel „Günters große Reise" gab. Er erzählte von einem Prinz Günter, der mit seiner Gemahlin Hildegard über ein Reich im Herzen des Rheintales herrschte. Dieser Günter - laut Sage - wurde nun von den Bewohnern der Stadt Königswinter gebeten, besondere Beziehungen mit einer Stadt im königlichen Frankreich einzugehen. Günter holte sich Rat bei einem Weisen in Rhöndorf, mit Namen Conrad Adenauer. Die beiden Männer sprachen lange über den Frieden und erwähnten Mittel und Wege, die ihrer Meinung nach dazu beitragen könnten, diesen Frieden aufrecht zu erhalten. Der Weise gab daraufhin den Rat, daß bei einer Partnerschaft nur ein standesgemäßer Bund geschlossen werden dürfe. Die Stadt, die ausgewählt werden sollte, müsse drei Bedingungen erfüllen: l. Sie müsse königliche Referenzen nachweisen, 2. sie müsse der Geburtsort eines Mannes sein, der sich für den Frieden eingesetzt hat, 3. und dies sei vielleicht die wichtigste Bedingung, die Gegend um diese Stadt müsse ein ebenso herrliches Getränk hervorbringen wie den Rheinwein. Soweit die Sage.

Bürgermeister Günter Hank fand diese Stadt. Sie heißt Cognac. Bürgermeister Hardy sagte weiter u.a.: „Wir müssen nur noch gemeinsam unsere Partnerschaft vertiefen, damit zwischen den Menschen unserer beiden Städte freundschaftliche Bande geknüpft werden und zwar auf der Grundlage des Vertrauens, des Respektes, der Achtung des Anderen und der Freundschaft. "Bürgermeister Hank erinnerte bei seiner Rede an den Besuch in der Stadt Cognac Ende Oktober 1988. Zusammen mit Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz und den beiden Ehefrauen Hildegard Hank und Renate Schmitz wurden seinerzeit die ersten Gespräche geführt und Prospekte ausgetauscht. Daraufhin kam eine inoffizielle Delegation aus Cognac, angeführt von ihrem Bürgermeister und seiner Gattin im Dezember 1988 nach Königswinter. „Das, was die französische Delegation - es sprach niemand Deutsch ­ in Königswinter lernen mußte, war das Wort - Baustelle - entschuldigte sich Günter Hank. Unter anderem führte er weiter aus: „Wenn wir heute in der Stadt des Cognacs, in der Stadt des Penauds, in der Stadt Franz I., in der Stadt Jean Monnets das wiederholen, was Sie, Herr Kollege Hardy, und Ihre Mitbürger bei uns getan haben, wird eine dauernde Freundschaft zwischen unseren beiden Städten besiegelt, eine Freundschaft über eine große Entfernung hinweg, eine Freundschaft, die keine Sprachbarrieren mehr kennt, eine Freundschaft, die einbezieht die Alten, die schmerzliche Erfahrungen im deutsch-französischen Verhältnis machen mußten, eine Freundschaft, die insbesondere unsere Jugend einbezieht, die unbelastet von der Vergangenheit bereit ist, aufeinander zuzugehen, um in Frieden und Glück in einem hoffentlich bald vereinigten Europa leben zu können."

Nach Unterzeichnung der Urkunden durch Bürgermeister Günter Hank, Bürgermeister Franzic Hardy, Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz und Jeröme Mouhut wurde zuerst die deutsche und dann die französische Nationalhymne angestimmt. Wurde sie doch im Bus bei der Hinfahrt unter Anleitung von Gisela Gärtner mit Unterstützung der Dixilandband „Mamas Jazz Express" von den deutschen Besuchern einstudiert. Zur Verschönerung der Feier trugen das Grußwort eines Kindes, Dankesworte von Schülern des Gymnasiums Jean Monnet sowie Lieder und Gedichte bei. Der Abgeordnete Houssin sowie Dr. Sperl, Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, hoben in ihren Reden die Bedeutung dieser Begegnung hervor. Mit Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude", gesungen vom Chor des Jean Monnet Gymnasiums und der Musikschule, endete die Vertragsunterzeichnungszeremonie. Großer Andrang herrschte anschließend im Stadtpark von Cognac. Beim Aperitif wurden die ersten französisch-deutschen Kontakte hergestellt. Ungezwungen und locker war die Begegnung. Erste Früchte hat schon der Besuch der Schüler des Gymnasiums Jean Monnet in Königswinter getragen. Was französische Küche bedeutet, zeigt das spätere Festessen im Rathaus. An festlich gedeckten Tischen werden kulinarische Genüsse und hervorragende Weine gereicht. Viele Gäste waren in den großen Saal geladen.

Bürgermeister Günter Hank und Stadtdirektor Franz-Josef Schmitz trugen sich hierbei in das Goldene Buch der Stadt Cognac ein. Beide bekamen die Ehrenurkunde überreicht. Zwischendurch trauten Bürgermeister Francis Hardy unterstützt von Bürgermeister Günter Hank das Brautpaar Sylvie Frangne und Friederic Taransaud. Ein erster Schritt der Zusammenarbeit. Hennessy, Martell, Remy Martin, wer kennt sie nicht, diese berühmten und edlen Getränke, die Weltruhm erlangt haben. Sie alle stammen aus Cognac und haben da Bild der Stadt geprägt. Der Besuch des Hauses Martell war für die Königswinterer Delegation ein weiterer Höhepunkt. Unter fachmännischer Führung wurden die Betriebs- und Lagerhallen besichtigt. Eichenfässer, wohin man sah. Der Lagerbestand ist so groß, daß bei einem sechsjährigen Produktionsausfall immerhin noch keine Lieferschwierigkeiten entstehen. Das Haus Martell beschäftigt 750 Arbeitnehmer. Über 2000 Winzer liefern ihre Produkte hier ab. Feierabend. Am Ende dieses recht anstrengenden Tages stand noch ein Konzert mit Blech- und Schlaginstrumenten, gespielt von der Musikschule Cognac, im Auditorium der „Salamandre" auf dem Programm. Ein riesiges kaltes Buffet mit anschließendem Tanz beendete diesen Abend.

Quelle
Siebengebirgs-Zeitung Nr. 24 vom 15.06.1990; Foto und Text: FWST.
Zur Verfügung gestellt von
Rudolf Pieper (SZ)
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